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Wilhelm Hochrather aus Kronstorf (1928 - 2020): Engagiertes Leben für Maschinen und die Feuerwehr

Je älter er wurde, umso mehr entwickelte er sich zu einem lebendigen Heimatbuch seiner Umgebung. Genau verfolgte Willi Hochrather die Besitzverhältnisse aller Bauernhäuser, die er aus dem Landmaschinenhandel kannte. Er interessierte sich, wer wohin geheiratet hat und dafür, wie und warum die einzelnen Häuser so geheißen haben. Seine enorme Merkfähigkeit für Namen kam ihm dabei sehr zu Hilfe. Bis vor wenigen Wochen saß der Seniorchef des Landmaschinenhandels Hochrather in Kronstorf für kleinere Ausflüge noch selbst am Steuer. Sonntags führten ihn diese Fahrten zum Feuerwehr-Stammtisch: „Der war legendär“, sagt der frühere Feuerwehrkommandant Hannes Ömer. „Dort wurde politisiert, viel diskutiert und herzlich gelacht“. Die Feuerwehr, für die Hochrather früher viele Einsätze gefahren ist, bestimmte sogar sein Privatleben. Bei einem dieser Einsätze, dessen genaues Datum Hannes Ömer sogar noch weiß (14. Oktober 1949), lernte Hochrather als 21-Jähriger die Tochter des Besitzers am Löblgut kennen und lieben. Maria wurde 1954 seine Frau, drei Kinder, 7 Enkel und 6 Urenkel sind die Folge dieser glücklichen Verbindung. So wie sein Vater, der 1934 den Schlosserbetrieb Hochrather gegründet hatte, beschritt auch er den beruflichen Weg in diese Richtung. Doch während er in Steyr die Ingenieurschule besuchte, kam der 2. Weltkrieg dazwischen. Die Schule wurde geschlossen, Willi musste einrücken und kam in Gefangenschaft. Erst danach konnte er in den Betrieb seiner Eltern einsteigen. Er wurde Schlossermeister und übernahm die Firma 1961. Die folgenden 27 Jahre waren von stetigem Ausbau gekennzeichnet, als Partner der Steyr-Daimler-Puch-AG wurden tausende Traktoren und LKW verkauft, sowie der Standort ausgebaut. Willi Hochrather behielt darüber hinaus den Blick auf das Ganze, weit über seine eigene Firma hinaus. In frühen Jahren wurde er über die Junge Wirtschaft Funktionär der Handelskammer und vertrat schließlich ein Vierteljahrhundert lang bis zu seiner Pensionierung 1993 den Maschinenhandel als oö. Gremialobmann. Zahlreiche Ehrungen und der vom Bundespräsidenten verliehene Kommerzialratstitel waren der Lohn für dieses Engagement. Jahre lang agierte Hochrather darüber hinaus als fachmännischer Laienrichter am Kreisgericht Steyr. Nach der problemlosen Übergabe seiner Firma an den gleichnamigen Sohn wurde er nach eigener Bezeichnung zum „Mädchen für alles“. „Vater unterhielt Kundenkontakte, besuchte Begräbnisse von Berufskollegen oder betankte unsere Fahrzeuge“, beschreibt der jetzige Chef die völlig problemlose Übergabe. Seine ungewöhnliche Fitness erlaubte es ihm auch in der Pension noch, mit Freunden und Kollegen als „Club der Junggebliebenen“ Reisen in die ganze Welt zu unternehmen, manchmal so wie früher mit seinem verstorbenen Freund Pfarrer Rudi Kapplmüller Tischtennis zu spielen oder Schi zu fahren. Eine Krebserkrankung bremste sein bis dahin ungebrochenes Tempo im Vorjahr ein, im heurigen Frühjahr verlor er die Kraft, bis er vor wenigen Tagen verstarb.




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