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  • bert brandstetter

Werner Warnecke aus Linz (1932 - 2019): Techniker mit universellem Interesse

„Mein Papa hätte wahrscheinlich jede Millionenshow gewonnen, wäre nur die einfache Einstiegsfrage nicht gewesen.“ So charakterisiert Georg Warnecke seinen Vater, dem von allen Seiten ein unglaublich breites Wissen nachgesagt wird, nicht nur auf dem ihm eigenen Gebiet der Bautechnik. Der Einstieg in das Leben verlief bei Werner Warnecke eher holprig. Als er 11 war, starb die Mama, als er 15 war, der Vater an TBC. Werner, der eigentlich ziemlich unreligiös aufgewachsen war, entschied sich für ein privates, sehr katholisch geführtes Kinderheim in Linz als weitere Heimat. Nach der schulischen Ausbildung ging er nach Graz, studierte Bauwesen und lernte in der Mensa Gertraud, eine Studentin der Naturwissenschaften und Physik kennen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Gertraud noch heute, „ich wollte aber mein Studium vollenden und nicht heiraten“. Erst 1953 war es so weit. Werner heuerte in einem Linzer Baubüro an, Gertraud folgte mit einer Professur an einem Linzer Gymnasium. Der Ehe entsprossen fünf Kinder, vier Buben und ein Mädchen. „Vater wusste auf alle unsere Fragen eine Antwort“, erinnert sich Sohn Georg. Auf dem Boden sitzend oder liegend baute er mit ihnen Eisenbahnen oder ließ die Kinder rätseln, was aus seinen Zeichnungen, die er für sie begann, wohl werden würde. Natürlich blieb das Leben der großen Familie nicht nur theoretisch: „immer wieder fuhren wir nach Italien oder nach Kroatien, zuerst mit dem Renault 4, die Oma mit dabei am Rücksitz und einem kleinen Geschwisterchen auf dem Schoß, später mit dem doch etwas komfortableren VW-Bus,“ erzählt Sohn Georg. „Im Winter ging es nach Kirchschlag zum Schifahren oder dann nach Serfaus in Tirol“. Beruflich hatte Werner Warnecke ein Baubüro in Linz aufgebaut, das inzwischen von seinen beiden Söhnen Andreas und Michael geleitet wird. „Mein Mann interessierte sich aber für sehr viel mehr als sein Geschäft. Politik, Soziales und die Religion waren für ihn äußerst wichtig und er war in diesen Dingen durchaus progressiv,“ sagt Gattin Gertraud, die auf viele Leserbrief in den Oberösterreichischen Nachrichten verweist, in denen sich ihr Mann für oder gegen manche Entwicklungen sehr pointiert zu äußern wusste. „Er hat ja so viel gelesen, drei Zeitungen hatte er abonniert und jede Woche kam er mit einem Stapel neuer Bücher nach Hause“. Damit nicht genug: In seiner Pension fand er Freude damit, am Computer dreidimensionale Einblicke in wichtige historische Bauwerke anzufertigen, wie etwa in das französische Kloster Cluny. „Werner beließ es jeweils nicht mit dem Bauwerk, sondern konnte dann auch über dessen Geschichte Auskunft geben. In Cluny wusste er etwa die Namen aller Äbte“, sagt Gattin Gertraud. Zuletzt hatte ihr Mann eine Lokomotive in Arbeit, die er in 3D darstellen wollte, „diese Arbeit bleibt leider unvollendet“. Herzprobleme bremsten seine Aktivität zuletzt ein, auch dem Fahren mit dem E-Bike durch das Mühlviertel musste er mehr und mehr entsagen. Eine seiner größten Freuden erlebte Werner Warnecke erst ganz zuletzt: zu den acht Enkelkindern sollte sich in wenigen Monaten das erste Urenkerl gesellen. Diese Information erfüllte ihn mit großer Zufriedenheit, auch wenn er selbst dessen Geburt nicht mehr erleben sollte.



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