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  • bert brandstetter

Werner Vrabic aus Linz (1942 - 2020): eine verbindende Persönlichkeit für die Landeshauptstadt

„Er sah seine Aufgabe im Unterstützen. In der ersten Reihe wollte Werner nie stehen. Und gerade dadurch hat er geführt“. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger trifft den Charakter von Werner Vrabic punktgenau. Er war der Schriftführer des Vereins „Freunde der Stadt Linz“, den es seit den 1980-er Jahren gibt. Seine langjährige Lebensgefährtin Ursula Stadler hat ihn zum Verein gebracht. „Leicht hätte Werner den Obmann machen können“, sagt Vereinschef Johann Mitterer, „aber Werner wollte das nicht. Trotzdem war er die zentrale Figur für uns“. Unermüdlich organisierte Vrabic für die 300 Vereinsmitglieder alle möglichen Veranstaltungen oder Ausflüge, und, was ihm besonders wichtig war: er dokumentierte die Ereignisse für das Vereinsblatt penibel genau. Aber: „Werners Veranstaltungen waren meistens sofort ausgebucht, weil man sicher sein konnte, dass man dabei etwas Originelles erleben konnte“, wie Präsident Mitterer ausführt. In die Wiege war Werner Vrabic diese Rolle nicht gelegt. Am Linzer Bindermichl aufgewachsen, lernte er Drogist und spezialisierte sich als Handelsvertreter auf den Verkauf von Heilmitteln und Verbandsmaterialien. Weil er von Natur aus gern auf Menschen zuging, übte er seinen Beruf bis zur Pensionierung aus. „Gelegentlich durfte ich ihn unterstützen, wenn er bei der Welser Messe einen Verkaufsstand zu betreuen hatte“, erinnert sich Tochter Petra Binder. Fünf Jahre nach ihr ergänzte Sohn Gernot die Familie, die Vrabic bis zum Schluss äußerst wichtig war. Im Lauf der Jahre zerbrach zwar die Ehe der Eltern, „Weihnachten und Geburtstage feierten wir trotzdem immer alle miteinander, auch unsere Mutter war mit ihrem neuen Partner immer mit dabei, genauso wie die inzwischen fünf Enkelkinder“, sagt Tochter Petra. Werner Vrabic führte ein einfaches und bescheidenes Leben. Große Urlaube waren seine Sache nicht, bis auf Italien: „In Bibione oder in Lignano war er richtig glücklich, aber auch dort reichte ihm ein Glas Rotwein, Pizza oder Nudeln“. Daheim liebte er die Hausmannskost. Seine Freizeit widmete er gern Menschen, denen er irgendwie helfen konnte: Bei organisatorischen Problemen etwa, wie bei Behördengängen, was eine aus Kroatien zugezogene Familie sehr angenehm zu spüren bekam. Tochter Petra berichtet, dass diese Leute bis zuletzt mit ihm befreundet waren. Ganz wichtig war Vrabic seine wöchentliche Herrenrunde am Freitag. Dort traf er seine Freunde wie Peter Mühlberger, der Werners Verlässlichkeit so schätzte: „Er war ein lustiger Kerl, der uns alle immer wieder aufgeheitert hat“. Mitglied dieser Runde war als gelernter Drogist weiters ORF-Radiolegende Walter Witzany. Ihm imponierte an Werner die kritische Sichtweise vieler Vorgänge, die auch ihre lustige Seite haben konnte: „Der Werner war so ein lieber Matschkerer“, sagt Witzany schmunzelnd. Erst nach der Pensionierung begann sich Vrabic bei den Freunden der Stadt Linz zu engagieren, worin er aber seine Lebensaufgabe gefunden zu haben schien, wie übereinstimmend gesagt wird. „Ohne ihn gäbe es den Verein nicht“, sagt Obmann Mitterer unumwunden und der Linzer Bürgermeister schätzt diese Gruppe unter anderem deswegen so, „weil dort Persönlichkeiten aus allen politischen Lagern friedlich vertreten sind, die einander früher politisch durchaus hart bekämpft haben“. Die monatlichen Stammtische organisierte wiederum niemand anderer als Werner Vrabic. Er war es auch, der sich mit aller Kraft für die städtischen Wanderwege einsetzte. Zum Dank für all das überreichte ihm Luger noch vergangenen Herbst die Humanitätsmedaille der Landeshauptstadt. Eine Zeremonie, die Vrabic ungemein freute und an der wiederum seine ganze Familie mit den Ex-Partnern wertschätzend teilgenommen hat. Eine fortschreitende Erkrankung erschwerte sein persönliches Leben in den letzten Jahren zusehends. Dass er so lange halbwegs gut leben konnte, sei nicht zuletzt seiner Vereinsarbeit zuzuschreiben, heißt es.



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