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  • bert brandstetter

Waltraud Prielhofer aus Gutau (1966 - 2021): Die Seele der Pfarre

Aktualisiert: Feb 17

Dass es in der Pfarre von Gutau in den vergangenen 20 Jahren einen ungebrochenen Zusammenhalt gibt, sei in allererster Linie der Pfarrsekretärin gut zu schreiben. Waltraud Prielhofer blieb trotz aller Wechsel von Seelsorgern, die Gutau in dieser Zeit zu bewältigen hatte, die um Ausgleich bemühte Zentralfigur, ohne sich je an die erste Stelle gedrängt zu haben. „Sie reißt wirklich ein Riesenloch, sie kannte jeden und hatte den absoluten Überblick über die Pfarre“, gesteht ihr Andreas Golatz zu, der in Gutau seit sieben Jahren Pfarrer ist. Waltraud Prielhofer leitete neben der Pfarrkanzlei, die sie „verlässlich und pflichtbewusst“ führte, den Finanzausschuss, war Mitglied im Pfarrgemeinderat und sang im Chor. Sie entwickelte sich zur Sopransolistin des Ensembles. Chorleiterin Gudrun Lehner führt dies auf die stimmliche Weiterbildung in der Musikschule zurück, die Waltraud dafür auf sich nahm. „Bald wurde sie zu meiner wichtigen Stütze im Chore, nicht nur stimmlich, sondern auch organisatorisch“, sagt die Chorleiterin, die in Waltraud bald auch ihre beste persönliche Freundin fand: „Auf Waltraud konnte man sich zu hundert Prozent verlassen“. Die beiden Frauen wurden zu einem kulturell unzertrennlichen Team. Opernaufführungen galt ihr besonderes Interesse, und das nicht nur im Linzer Musiktheater, sondern auch in Wien, Salzburg oder München. Als Mädchen hieß Waltraud Wolf, mit drei Geschwistern wuchs sie in Gutau „Auf der Edt“ als Tochter eines Schmieds auf. Die Matura legte sie zweimal ab: einmal am Gymnasium Freistadt, das zweite Mal am Tourismuskolleg Bad Leonfelden. Im Tourismus fand sie bald ihren ersten Job. Der damalige Landestourismuschef Karl Pramendorfer erinnert sich noch gut an seine Sekretärin: „Sie war ein toller Mensch. Immer positiv und fröhlich, aufgeschlossen und freundlich und total verlässlich“. In der Pfarre engagierte sie sich nach ihrer Heirat mit Hans. Gemeinsam bekamen sie zwei Kinder. Daniel und Sarah waren ihr absolutes Lebensglück und begleiteten sie bis zum Schluss mit ihrer unendlichen Liebe. Sie bauten sich ein Haus in der Ortschaft Schöferhof, gleich neben dem ihrer Schwester Isabella Gringer, die mehr und mehr zu einem weiteren Lebensmenschen wurde. „Ich habe ihren extremen Optimismus bewundert, den sie auch nicht verlor, als die gesundheitlichen Prognosen nicht mehr sehr gut waren“. Vor drei Jahren erreichte sie die Diagnose „Krebs“. „Meine Schwester hat die darauffolgenden zweieinhalb Jahre so gelebt wie manche in 10 Jahren“. Solange es ging, zog sie ihre Runden in Gutau, wanderte in den Bergen, am liebsten im Tiroler Ötztal oder begab sich mit befreundeten Menschen in eine Therme. Nicht zu vergessen ihre Teilnahme bei Pfarr-Reisen, die sie mit dem früheren Pfarrer Wolfgang Grubinger ins Leben rief. Ein großes Begräbnis lässt Corona leider nicht zu. Ein kleines Ensemble ihrer ehemaligen Sängerfreunde wird dabei aber auftreten, weil sie es sich gewünscht hat. „Trag mi, trag mi Wind“, war eines von Waltrauds Lieblingsliedern. Ihr fester Glaube hat ihr über stürmische Zeiten geholfen und sie friedlich im Kreis ihrer Liebsten einschlafen lassen.



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