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Waltraud Ortner aus Alkoven (1949 - 2019): ein Schöngeist als Bäuerin

Waltraud Schobesberger vom durchaus stattlichen Kirchmayrgut in Alkoven hatte nicht wirklich eine Wahl. Als einziges Kind ihrer Eltern stand zumindest für diese fest, dass die Tochter dereinst den Hof zu übernehmen hätte. So ließ sich Waltraud ohne viel Murren zur Bäuerin ausbilden und wusste nach Abschluss der HBLA in Linz auch, was sie in diesem Beruf erwartet. Mit 21 heiratete sie Josef Ortner, den Hoferben des Schwarzmayrgutes aus dem sechs Kilometer entfernten Oftering. Zusammen hatten die beiden damit 70 Hektar Acker und 12 Hektar Wald zu bewirtschaften. „Dabei wollte Waltraud insgeheim etwas ganz anderes“, verrät Josef: „am liebsten wollte meine Frau einen medizinischen Beruf erlernen“. Waltraud, inzwischen allgemein geachtete „Kirchenmayerin“, stürzte sich mit ihrer ganzen Energie in die Hofarbeit, die Söhne Johannes und Andreas kamen bald dazu, Waltraud dirigierte das Haus, während Gatte Josef die Außenarbeit managte. „Oft half mir meine Frau auch mit dem Traktor aus, wenn Not am Mann war“, beschreibt Josef Waltrauds Engagement. Ihre große Leidenschaft war freilich die ästhetische Gestaltung des großen Hauses. „Sie war ein richtiger Schöngeist mit ungemein viel Gefühl für eine gute Atmosphäre“, bewundert Altbauer Josef Ortner seine Frau, mit der er knapp 50 Jahre verheiratet war. Leichter wurde die Arbeit der beiden, als sie begannen, Josefs Elternhaus, das Obernberger Schwarzmayrgut in Oftering in Mietwohnungen umzubauen. Auch das eigene Haus in Alkoven erhielt einige Wohnungen und eine Zahnarztpraxis. Diese Optimierung, kombiniert mit der Hofübergabe an Sohn Andreas, ermöglichte es Waltraud, auch mit ihrem Mann öfter als bisher zu reisen. „Sie hat sich alles angeschaut: die Karibik, Amerika, die Türkei oder Ägypten“. Gern war sie mit ihren Cousinen unterwegs und holte sich bei diesen Reisen viele Ideen und einen erweiterten Horizont. Ein Fixpunkt im Leben des Ehepaares Ortner waren die Fahrten zu den Musikfestspielen in Mörbisch und St. Margarethen, wo sie mit ansässigen Winzern eng befreundet waren. Natürlich vergaß Waltraud Ortner daneben auch nicht die Kultur vor ihrer Haustür: bei den Goldhauben war sie Kassierin und bei entsprechenden Anlässen der evangelischen Pfarre Eferding war sie gern mit ihren Mehlspeisen vertreten. Waltraud galt weitum natürlich auch als exzellente Köchin. „Nach Ballveranstaltungen war es früher Brauch bei uns, dass man in der Früh noch kurz bei der Kirchenmayerin eingekehrt ist: da gab es die legendäre Einmachsuppe mit gebackenen Knödeln“, schwärmt Gatte Josef. Vor vier Jahren dann die schockierende Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Sie hat schwer gelitten die ganze Zeit, die Chemo hat sie nicht vertragen und die alternative Medizin hat halt auch nur bedingt gewirkt“, bedauert ihr Mann. Viel Freude haben ihr aber bis zuletzt ihre vier Enkelkinder bereitet, das Foto entstand am Tauftag von Enkel Max vor zwei Jahren.



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