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Walter Wallnöfer aus Walding (1929 - 2020): Urgestein im Gemeindeleben

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Bürgermeister war Walter Wallnöfer nie. Aber wenn er einen Saal betrat, konnte es schon sein, dass automatisch Ruhe einkehrte. „Er war eine allseits geachtete Respektperson“, beschreibt Josef Eidenberger, der langjährige Waldinger Ortschef das Phänomen seines allerwichtigsten Mit- und Zuarbeiters: „Ich brauchte nur eine Idee äußern, und Walter grübelte bereits wieder tagelang an der Umsetzung“. Er war es auch, der nach heißen Diskussionen immer wieder einen Kompromiss fand, „weil er mit allen Leuten konnte, auch wenn sie nicht der SPÖ angehörten“. Rekordverdächtige 40 Jahre saß Wallnöfer im Gemeinderat, 28 Jahre davon im Vorstand und weit über 10 Jahre leitete er Ortspartei und Fraktion. Was immer in diesen Jahren in Walding entstand, kam an Wallnöfer nicht vorbei: Der Bau des Kindergartens samt Hort, die Krabbelstube, das Probelokal für die Musiker, der Mehrzweckraum und der Sportpark. Von den Kinderkulturtagen, dem landesersten Seniorenbeirat, dem Christkindlmarkt oder der Bücherei ganz abgesehen. Besonders intensiv geriet die Verbindung Wallnöfers mit dem Naturfreundehaus. Manche hielten die ehemalige Eisenbahnbaracke, die er antransportieren und adaptieren ließ, für seinen zweiten Wohnsitz. Als Verwalter verbrachte Walter tausende Stunden in dieser beliebt gewordenen Freizeitstätte. Zur Eisenbahn hatte Wallnöfer eine über Generationen reichende Verbindung. Schon sein Vater war Bundesbahner, so kam Walter an dessen steirischem Dienstort Irdning zur Welt. In Walters Volksschulzeit wurde der Vater nach Walding versetzt, Walter beendete die Volksschule also in Oberösterreich, die Hauptschule absolvierte er in Linz. „Teilweise ging er mit seinen Schulfreunden über den Kürnberg zu Fuß zur Schule“, erzählt Sohn Gerold. Ein erster Job als „Junghelfer der deutschen Reichsbahn“ dürfte ihn motiviert haben, einen dazu passenden Beruf zu erlernen und er wurde Maschinenschlosser und Dreher. Nach mehreren Zwischenstationen in Linz, unter anderem in der Voest, bei Sprecher & Schuh oder bei Rieseneder stieg Walter 1955 bei der ÖBB ein, wo er bis zur Pension 1989 blieb. Als Oberwerkmeister brachte er es im Lauf der Jahre bis zum frei gestellten Vorsitzenden des Vertrauensmännerausschusses. Privat gründete er 1951 mit Gertrude eine Familie, nach 67 Jahren Ehe starb seine Frau 2018. Drei Kinder, und je sechs Enkel und Urenkelkinder machten die Familie lebendig. „Streng, aber gerecht“, haben ihn die Kinder in Erinnerung und vor allem: „Er war immer gut drauf“. Viele Urlaube an den Neusiedlersee oder an die Obere Adria nach Lignano waren jährliche Fixpunkte. „Natürlich fuhren wir, wann immer es ging mit der Bahn. In den frühen 1970-er Jahren schuf sich Papa aber sein erstes Auto an, was damals für uns eine ziemlich große Sensation war“, wie Gerold Wallnöfer nie vergisst: „Es war ein Renault Dauphine“. Im Haus Wallnöfers fällt ein Wappen auf, das zur Familie der Tiroler Wallnöfers gehört und eine Verwandtschaft zum ehemaligen ÖVP-Landeshauptmann Eduard Wallnöfer aufzeigt. Großes Aufsehen hat Walter nie darum gemacht, das hätte nicht zu seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit gepasst. Außerdem war Walter ein überzeugter SPÖ-ler. Wenn er auf etwas stolz war, dann auf den Waldinger Ehrenring, der ihm verliehen wurde. „Er war ein richtiges Waldinger Urgestein, in seinem Wesen leicht aufbrausend, aber mit einem pudelweichen Kern“, beschreibt Josef Eidenberger die Art seines politischen Zwillings, als der er sich empfand.



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