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  • bert brandstetter

Walter Wagner aus Linz (1952 - 2018): Er kochte für Peter Ustinov

„Er war ein richtiger Koch, so wie man ihn sich vorstellt“, schwärmt Manfred Grubauer vom Linzer Tourismusverband. Allerdings war Walter Wagner einer, der sich nicht sehr um hygienische Vorschriften gekümmert hat. Jeder Gast, der einen Blick in die unglaublich kleine und leicht einsehbare Küche der „Wagnerei“ warf, konnte sich davon überzeugen. Und dann kam er an die Tische seiner Gäste. Viele davon kannte er persönlich und liebend gerne plauderte er mit ihnen, immer wieder fuhr er sich mit den Händen durch die strähnigen Haare, um gleich wenig später wieder in den Töpfen und Pfannen nach dem Rechten zu schauen. Acht Jahre schwang er den Kochlöffel in seiner „Wagnerei“ in der Pfarrgasse, ganz nahe dem Linzer Hauptplatz und dort war auch seine „Haube“ daheim, auf die er mächtig stolz war. Aus dem Nichts war diese krönende Ehre natürlich nicht gekommen. Vor der Wagnerei residierte Wagner viel bescheidener ein paar hundert Meter vom Zentrum entfernt in der Goethestraße. Dort betrieb er jahrelang die Goethestubn. Nur Eingeweihte wussten von der gastronomischen Qualität in diesem kleinen Wirtshaus an der Ecke Goethestraße-Dinghoferstraße ohne Gastgarten (was Wagner mitunter auf die Palme trieb). Einer seiner Stammgäste war Alt-Landeshauptmann Erwin Wenzl in seinen letzten Lebensjahren. Von seinem Domizil im Hotel Kolping ließ er sich mit dem Taxi zum Walter chauffieren, zuvor gab er, der gutes Essen und Trinken liebte, telefonisch seine Wünsche durch. Und Walter kochte. Ohne Kochbuch, frei nach seinem Talent. Große Freude machten ihm auch regelmäßige Besuche der Mitarbeiter vom nahe gelegenen ORF-Landesstudio, die vor allem am Wochenende gern bei ihm einkehrten. Leute vom Funk waren Wagner vertraut. In seinen Lehrjahren hatte es ihn als Cateringkoch bis nach London verschlagen, wo er dann mehrere Jahre für die BBC kochte. Sein berühmtester Gast in dieser Zeit war der weltbekannte Schauspieler Peter Ustinov. Als begnadeter Hobbykoch wollte Ustinov seinen Freunden in London einmal Beuschel servieren, so wie er es von Walter Wagner kennen gelernt hatte. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit holte er sich von Wagner das Rezept, besorgte sich unter erheblichen Schwierigkeiten von Fleischhauern die in England kaum erhältlichen Innereien und brillierte wenig später vor den Geladenen einmal mehr als Wunderkoch. Diese und viele andere Geschichten trug Wagner gerne auf, lockte vor allem in der Goethestubn mit günstigen Preisen, ärgerte sich vor seinen Gästen über die Apothekerpreise, die am Südbahnhof verlangt wurden, den er täglich, meist in Schlapfen bekleidet aufsuchte.

„Wenn ich einmal in Pension bin, werde ich Hüttenwirt“, verriet er seine Zukunftspläne. Dazu kam es nicht. Die Wagnerei im Stadtzentrum kam dem zuvor. Die anstrengende Arbeit in dem Lokal ließ seine Kräfte lähmen, nach acht Jahren sperrte er zu und zog sich zurück. Wohin genau, darüber weiß kaum jemand Bescheid. Vor kurzer Zeit ist er verstorben.



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