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Walter Swoboda aus Linz (1923 - 2020): Linzer Kaufmann der ersten Stunde

Dass es heuer nach so vielen Jahren erstmals keinen Urfahranermarkt gegeben hat, schmerzte einen Mann ganz besonders. Walter Swoboda war 1948 einer der Ersten, der dort seine Waren angeboten hat. So lange er konnte, besuchte er mit seiner Frau Traudi jeden Markt. Damals, so erzählte er vor einigen Jahren den Oberösterreichischen Nachrichten, „war der Markt bloß ein Tingeltangel-Markt. Dann hat der alte Hofstetter Hansl gesagt: Walter, tu doch was für den Urfahranermarkt. Da hab ich eine große Wand aufstellen lassen, Fahnen rundherum und die Fahrräder hingestellt.“ Bei Rädern kannte sich Walter aus, betrieb doch schon sein Vater August in Urfahr ein Fahrradgeschäft, in dem Walter den Beruf des Fahrradmechanikers erlernte. Gleich, nachdem er aus der russischen Gefangenschaft heimgekehrt war, gründete Walter Fahrradläden in Linz, Steyr und Enns. Die Nachfrage boomte total, auch am Urfahranermarkt galt Swobodas Laden als vielbestaunte Sensation, besonders, als dort die ersten gebrauchten Mopeds angeboten wurden. Einige Jahre später begannen für die Oberösterreicher Autos interessant zu werden. Walter Swoboda, „immer unglaublich kreativ und innovativ“, wie Tochter Liane Hasslacher sagt, gründete auf dem Bulgariplatz den ersten Gebrauchtfahrzeugmarkt. Vor allem verkauft wurden dort Motorräder. Immer vertreten war Swoboda in den 1950-er Jahren beim Linzer Blumenkorso mit geschmückten Fahrzeugen und ihm, dem Firmenchef auf einem Hochrad fahrend. Swoboda wäre ein schlechter Geschäftsmann gewesen, hätte er nicht auf einen weiteren Trend reagiert, der sich damals zeigte. Dringend gebraucht wurden Wohnungen, weshalb er auf Immobilien umstieg und bald Häuser neben Linz auch in Wien besaß und vermietete oder weiterverkaufte. So wurde aus dem Auto-Swoboda der Immobilien-Swoboda. In den 1980-er Jahren wollte er es noch einmal wissen und gründete gegen viel behördlichen Widerstand das erste private Pfandleihhaus. „Sogar Autos haben die Leute damals belehnt, um irgendwie weiterleben zu können“, erzählt seine Tochter. Ihm stets zur Seite stand Gattin Traudi, die er an einem 25. Dezember auf dem Eislaufplatz kennen gelernt hat. Zwei Kinder, fünf Enkerl und vier Urenkerl gehören seitdem zur Familie. Ein Familienmitglied ist der bekannte Weltmeister im Para-Kanufahren, Mendy Swoboda. Sein Bruder Matthias ist preisgekrönter Wasserslalomsportler, deren Vater Christian war Weltmeister im Wasser-Skilift-Springen. Ihr sportliches Talent verdanken alle drei wohl ihrem Opa Walter. Schon er frönte neben dem Geschäftemachen mit Begeisterung dem Wassersport und nahm seine Familie dabei in die Pflicht. Die ersten Wassershows auf dem Traunsee gehen auf Walter Swobodas Initiative zurück, Frau Traudi, Tochter Liane und Sohn Christian zeigten mit ihm dort ihre Künste. Um geschäftlich auf dem Laufenden zu bleiben, setzte Swoboda auf zwei Medien: die Zeitungen, die er täglich im Linzer Traditionscafe Traxlmayr studierte und auf die Filme der Wochenschau, die er ebenfalls täglich besichtigte. So bildete er sich nach und nach immer weiter, sodass er in seinem Pfandleihhaus auch Kunstobjekte stimmig einschätzen konnte. Unverzichtbar für seinen Handel waren ihm regelmäßige Inserate in den Oberösterreichischen Nachrichten. Seit 1959 treu begleitet wurde die Familie Swoboda von Haushälterin Frieda Hintringer und seiner Sekretärin Sanda Ladkowicz, die bei Swoboda gelernt hat und ohne Unterbrechung bis zur Pension bei ihm blieb. Seinen Kindern war Swoboda ein äußerst großzügiger Vater. Tochter Liane ermöglichte er nach der Handelsakademie einen längeren Sprach-Aufenthalt in England, nur ein Studium schien ihm nicht ideal: „Mädchen sollen nicht zu gescheit werden, sie sollen lieber gescheit heiraten“, zitiert Liane ihren Vater, dem sie deswegen aber nicht gram ist. Schifahren und der Wassersport blieben lange seine Hobbys, in den späten Jahren probierte er, es noch zum Piloten eines Segelflugzeugs zu bringen und besuchte dazu auch entsprechende Kurse. Um in die Luft abzuheben, war sein Alter dann aber doch schon etwas zu fortgeschritten. Mit seiner Traudi unternahm er noch so manche Reise, bevor ihn jetzt das Coronavirus traf und er zur Erleichterung seiner Familie ohne Schmerzen friedlich einschlafen konnte. Tochter Liane erinnert abschließend an ihrer beider Schlachtruf: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und auf Weltreise ging. Leider hat Covid den Weg abgekürzt und Vater sieht sich jetzt die Welt von oben an.“



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