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Veronika Schütz aus Eidenberg (1930 - 2019): 100.000 Knödel in fast 70 Jahren

Jenes Bauernhaus, von dem aus man fast das ganze Oberösterreich auf einen einzigen Blick sehen konnte, hat Veronika Schütz schon immer angezogen. Manchmal ging sie als kleines Mädchen hinauf zum Benetedergut, um diesen erhabenen Blick zu genießen. Dabei war Veronika zu dieser Zeit ohnedies viel auf den Beinen: der Schulweg von der Hammermühle betrug sechs Kilometer. Daheim musste sie ab 10 fleißig mitarbeiten, weil ihre Mutter nach dem Unfalltod des Mannes alleine die Verantwortung für die Mühle und das Sägewerk zu tragen hatte. Die größte Freude bereitete Veronika die Arbeit mit den Pferden. 13 Kinder hatte ihre Mutter geboren, ihre beiden Drillingsschwestern starben im Kindesalter, drei Brüder waren im 2. Weltkrieg zu betrauern. Dieser Umstand hat dazu beigetragen, dass Veronika „so sehr um den Frieden bemüht war. Sie hat jeden Krieg gehasst“, sagt ihr Sohn Johann Schütz, der die Eidenberger Alm 1993 von seinen Eltern übernommen hat. Mama Vroni zog sich da aber noch nicht zurück, noch lange nicht: „erst als sie 85 war, hörte sie ganz zu arbeiten auf“, sagt ihr Sohn bewundern. Bis dahin kümmerte sie sich noch um die Wäsche, zuvor aber stand sie liebend gern am Herd. Als ihre Spezialität galten Strudel und Knödel aller Art. „An die 100.000 Knödel wird Mama wohl mit ihren Händen gedreht haben“, rechnet er kurz nach, aber so richtig gezählt hat das nie jemand. So, wie auch niemand Buch geführt hat über die Gäste, die gekommen sind und dabei nur durch die Küche in den Gastraum gehen konnten: „das war Mama wichtig, dass alle Gäste bei ihr vorbeigekommen sind. Für manche hat sie bei Bedarf extra gekocht, anderen wusste sie bei Problemen immer Tipps und Ratschläge. Sie war wie eine Seelsorgerin“, sagt Johann. Natürlich hat sie sich gefreut, wenn ein Linzer Bürgermeister, ein Landeshauptmann oder Generaldirektor gekommen sind, „behandelt wurden von ihr aber immer alle gleich und ohne Rangunterschied.“ Auf den Benetederhof kam Veronika 1954, der Beneteder Hansl musste wohl nicht lange um sie werben, weil Veronika sowieso schon immer dort hinauf wollte. Vier Töchter und zwei Söhne entsprossen der Ehe, dass aus allen etwas „Gescheites“ wurde, war ihr wichtig und darauf war sie bis zum Schluss auch stolz, genauso wie auf ihre 13 Enkel und 12 Urenkel. Trotz der vielen Arbeit in der Familie und dem Betrieb galt Veronika Schütz als fröhliche Frau, die gerne ein Lied auf den Lippen trug und immer im Laufschritt unterwegs war. Den ersten Urlaub unternahm das Ehepaar Schütz bei Vronis 50. Geburtstag. Die 14 Tage auf Teneriffa seien ihr aber eher zu lang geworden, weiß die Familie. Das mit dem Gehen hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, Veronika Schütz verbrachte die letzten Jahre im Seniorenheim Gramastetten. Dort führte sie gewissenhaft Buch, wann immer in Zeitungen über „ihre“ Eidenberger Alm berichtet wurde, die sich inzwischen zum vielbeachteten Hotelbetrieb entwickelt hatte. Nach einem Sturz vor wenigen Tag erholte sie sich nicht mehr und starb ganz plötzlich.



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