Suche
  • bert brandstetter

Univ. Prof. Dr. Michael Bauer aus Linz (1940 - 2021): Pionier in der Plastischen Chirurgie

Aktualisiert: Mai 26

Drei Landeshauptstädte benötigte Michael Bauer um zu wissen, wo er eigentlich hingehörte. In Wien stand seine Wiege, dort lebte er fast 30 Jahre lang und sah, wie gern sein Vater als HNO-Arzt am Kaiser Franz Josef Spital tätig war. Für den jungen Michael gab es wenig zu überlegen, selbst auch einmal als Arzt zu wirken, weiß die Familie. Tatsächlich begann er nach der Matura 1958 in Wien Medizin zu studieren. Einsätze am Anatomischen Institut dürften in ihm den Keim gelegt haben, sich für die Plastische- und die Wiederherstellungs-Chirurgie zu interessieren. Einen entsprechenden Ausbildungs- und Assistenzplatz bot die Universitätsklinik Innsbruck, wohin Michael 1968 übersiedelte. Dass Tirol für 20 Jahre seine Heimat werden sollte, ahnte der junge Arzt freilich nicht. Bald lernte er an der Universitätsklinik seine spätere Frau Gisela kennen, zugleich entdeckte der geborene Wiener die Faszination der Tiroler Bergwelt. Neben seiner beruflichen Weiterentwicklung legte er die Jagdprüfung ab, um fortan einerseits als Facharzt für Chirurgie, andererseits als Pächter eines 60 Hektar großen Reviers die Jagd zu betreiben. „Jeden Sommer waren wir oben, ohne fließendes Wasser und ohne Strom“, erinnert sich der 1978 geborene Sohn Stefan an durchaus einprägsame Stunden in den Simmeringer Bergen auf fast 2000 Metern Seehöhe. An Abenteuerlust hatte es seinem Vater schon vorher nicht gefehlt. Zu einer Zeit, als die österreichischen Mittelmeerländer nach dem Krieg wieder interessant zu werden begannen, war Michael Bauer schon dort. Per Zug hatte er mit Studienfreunden die kroatische Kurstadt Opatja erobert, die italienische Adria war ebenso dabei und in einem klapprigen VW-Käfer besuchte mit seiner Mutter Süditalien und Spanien. Jetzt also die Jagd in Tirol, zu der die Betreuung zweier Jagdhütten gehörte und die Freizeit des engagierten Chirurgen entsprechend in Anspruch nahm, der es beruflich inzwischen zum außerordentlichen Universitätsprofessor gebrachte hatte. Sein Spezialgebiet war die Verbrennungsbehandlung. Derartiges war in den 1980-er Jahren in Oberösterreich noch ziemliches Neuland und die Barmherzigen Schwestern bemühten sich um den Tiroler Spezialisten als Primar für ihre erste Abteilung für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie. Ab 1987 besetzte Dr. Bauer diese Stelle und war fortan Linzer. „Leicht ist Papa dieser Umstieg nicht gefallen“, sagt Sohn Stefan. Er vermisste die Berge und alles, was damit zusammenhängt: das Schifahren, die gute Luft, das Wandern“. Ersatz fand er aber bald im Mühlviertel. Er schloss sich nahe der tschechischen Grenze der Jagd an, war aber auch bei der Trauner Jagdgesellschaft oft und gern gesehen, wann immer er neben seiner intensiven Tätigkeit in Krankenhäusern und in seiner Privatordination dafür Zeit fand. Auch im Lionsclub Linz, dem er einige Perioden als Präsident und Vizepräsident vorstand, fand er Erfüllung und konnte dort seiner sozialen Ader freien Lauf lassen. „Primar Bauer war ein Gentleman alter Schule“, charakterisiert der ästhetische Chirurg Sebastian Pilz seinen ehemaligen Chef und Lehrer bei den Barmherzigen Schwestern. „Er hatte ein sehr hohes Lehrbewusstsein, neumodische Strömungen in der Chirurgie, mit denen vielleicht schnelles Geld gemacht werden konnte, lehnte er ab“. Dass seine chirurgischen Schüler wie Dr. Pilz oder sein Nachfolger als Primar Dr. Hintringer namhafte Laufbahnen machten, freute ihn natürlich. Schwer getroffen hat Bauer 2007 der Tod seiner Frau Gisela. In Carmen fand er Jahre später eine zweite, liebevolle Partnerin, mit der er sich erst im Vorjahr offiziell verpartnerte. Sie teilten beide eine große Leidenschaft für Reisen nicht nur auf die kroatische Insel Mali Losinj, aber auch für das regelmäßige Tarockieren mit Freunden. Großes Interesse entdeckte er in seinen späten Jahren am Beruf seines Sohnes, der als Hotelmanager international unterwegs ist und derzeit in Polen arbeitet. „Papa ist mir auf viele meiner Stationen nachgereist, ob das in Asien oder den USA war. Einmal hat er gemeint, das wäre wohl auch etwas für ihn, wäre er nicht Mediziner geworden“, sagt Sohn Stefan. Bald nach seiner Pensionierung begannen Michael Bauer Rückenprobleme nicht nur in seiner Mobilität stark zu beeinträchtigen, auch eine Hüftoperation musste er über sich ergehen lassen. Der doch sehr unerwartete Tod kam für seine Familie, Freunde und Wegbegleiter überraschend. Seine letzte Ruhe fand er in seinem geliebten Landeck in Tirol.



275 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen