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Univ. Prof. Dr. Manfred Rotter aus Linz: Ein Professor und Gentleman

„Er war für uns Studenten eine wichtige Leitfigur und ein unverzichtbarer Dialogpartner“. So charakterisiert der ehemalige Studentenvertreter und VSSTÖ-Mann Christian Denkmaier jetzt als Bürgermeister von Neumarkt i.M. den verstorbenen Völkerrechts- und Europarechtsprofessor. Der Umstand, dass Prof. Rotter jegliche Standesdünkel fremd waren, machten ihn zu einem sehr beliebten Ansprechpartner der Studenten, der immer als „hochintelligenter Grand Signeur“ geachtet war, wie Denkmaier sagt. „Er war ja immer so bescheiden“, schildert Witwe Christine ihren Mann, „nicht einmal über seine Krankheit hat er viel gesagt“. Seit Februar machte ihm die Lunge massive Beschwerden, drei Monate verbrachte er im Krankenhaus, seine Frau stand ihm täglich zur Seite. „Über seinem Spitalsbett hingen Zeichnungen seiner Enkelin Sophie (5). Sie und deren einjährige Schwester Beatrice waren Licht in seinem zu Ende gehenden Leben“, erzählt sein Schwager Herwig Sturm, der Altbischof der evangelischen Kirche Österreichs. Er erlebte Manfred Rotter als „Gentleman mit viel Rücksicht auf sein Gegenüber“. Faszinierend findet er das immer Frieden stiftende Bemühen seines Schwagers, das in vielen seiner Artikel zu erkennen war. Auf der Suche nach einem besseren Zusammenleben der Völker sei er nicht bei der Diagnose stehen geblieben. Die Formulierungen von Professor Rotter waren immer gut verständlich. Vielleicht haben sie ihren Grund in einem früheren Nebenjob des jungen Juristen bei der Radiogesellschaft BBC in London. Von dort fuhr er vor 50 Jahren heim zu einem Familienfest nach Wien, das seine Eltern mit langjährigen Freunden gaben. Genau bei diesem Fest verliebte sich Manfred in Christine, die Tochter der Freunde seiner Eltern. Sie war gerade auf Urlaub von ihrem Job im Spitzenhotel Waldorf Astoria in New York. „Heuer hätten wir goldene Hochzeit gefeiert“, trauert die Witwe, mit der Manfred Sohn Raphael bekommen hat, jetzt Oberarzt der Urologie am Linzer Universitätsklinikum. Die junge Familie war sehr an Kultur interessiert, Opern und Konzerte standen an der Tagesordnung, gerne und immer wieder auch Fahrten zu Freunden an die italienische Riviera, mit denen italienisch gesprochen wurde. „Wir fuhren fast alles mit der Bahn, Papa hat das Autofahren nicht besonders gemocht. Nur zu unserem Sommerhaus in St. Georgen im Attergau setzte er sich ans Steuer“, sagt Sohn Raphael. In St. Georgen half der Herr Professor natürlich im Garten mit, auch im Attersee ist er gerne geschwommen. Seiner Familie war er ein „liebevoller und warmherziger, durchaus auch humorvoller Vater“. Sein Arbeitszimmer entsprach ganz dem eines Professors: „ziemlich chaotisch“, wie sich Sohn Raphael erinnert. Außerhalb seiner Lehre engagierte sich Rotter aktiv in der SPÖ, wo er als Berater der Bundeskanzler Vranitzky und Klima gefragt war. Selbst als er als Professor offiziell in Pension war, blieb er in seinem Fachgebiet auf dem Laufenden und hielt Lehrveranstaltungen ab. Dazwischen aber fand er immer wieder Zeit, seine Enkelin vom Kindergarten abzuholen. Univ. Prof. Dr. Manfred Rotter wird am 7. Oktober um 14 Uhr in der Pfarrkirche von St. Georgen im Attergau verabschiedet, das Begräbnis wird von seinem Schwager, dem evangelischen Altbischof Herwig Sturm geleitet.



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