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  • bert brandstetter

Univ. Prof. Dr. Gottfried Bachl aus Pregarten (1932 -2020): Eine Lichtgestalt der Theologie

Vier Jahrzehnte war Professor Bachl schon nicht mehr an der Katholischen Privatuniversität in Linz, sein überragender Geist scheint nach wie vor präsent. Fast 20 Jahre wirkte er dort als Professor für Dogmatik und er legte mit seinem Lehrstil Spuren, von denen sogar heute immer noch gesprochen wird. Prof. Bachl, das war der Mut zu eigenem Denken, das war der Kampf gegen Kleingeisterei, das war aber auch der Einsatz für echte Tradition gegen falsche Traditionalisten und nicht zuletzt stand Prof. Bachl für die Einbindung der Literatur in die Theologie. Begeistert saßen in seinen Vorlesungen nicht nur angehende Theologen, sondern auch viele Literaturliebhaber, um Bachls geniale Querverbindungen live mitzuerleben. Einer seiner Studenten war der heutige Rektor und spätere Nachfolger als Dogmatikprofessor, Franz Gruber: „Prof. Bachl war ein ausgeprägtes Individuum, einerseits durchaus zugänglich, für uns Junge aber auch wieder unnahbar. Bewundert haben wir ihn für seine Offenheit gegenüber jeglicher Diskussion, auch mit damals höchst umstrittenen Theologen.“ Solche Herrschaften nicht einmal zur Auseinandersetzung einzuladen, käme einer Entmannung der Universität gleich, habe er einmal gesagt. Früher als viele andere befasste er sich mit den Vorgängen von Mauthausen im 2. Weltkrieg. Kriegerdenkmäler seien um die Namen der Widerstandskämpfer zu ergänzen, hat Bachl gefordert und dafür viel Kritik einzustecken gehabt. Das Thema Nationalsozialismus und Erinnerungspolitik zog sich durch viele seiner öffentlichen Positionen, vielleicht kam das nicht ganz von ungefähr, ist doch Bachl nicht weit davon entfernt aufgewachsen. Seine Eltern waren Kleinbauern in Pregarten, Gottfried und seine drei Geschwister erlebten ihren Vater als erklärten Gegner des Nationalsozialismus. Ausgebildet im Petrinum, begann Gottfried die geistliche Karriere im Linzer Priesterseminar, bald schickte der Bischof den überaus begabten Studenten nach Rom, was damals als deutliches Indiz für eine spätere klerikale Karriere angesehen wurde. Bachl blieb 10 Jahre in der ewigen Stadt. „Anstatt in den Ferien nach Hause zu fahren, studierte er in Rom die Bücher der Kirchenväter“, beschreibt Franz Gruber den Lerneifer seines Professors und Kollegen. In Rom erlebte der inzwischen zum Priester geweihte Bachl noch den Beginn des 2. Vatikanischen Konzils und damit die Änderung der kirchlichen Großwetterlage hin in Richtung Aufbruch und Reformen. Dermaßen motiviert kehrte er 1963 nach Oberösterreich zurück, zunächst als Kaplan und Religions-Lehrer in Wels, nur drei Jahre später nahm er seine Lehrtätigkeit an der heutigen Katholischen Privatuniversität auf, die damals noch Philosophisch-Theologische Hochschule hieß. 1983 nahm er den Ruf an die Universität Salzburg an, an der er bis 1998 lehrte. Dort hat ihn ein anderer späterer Dogmatikprofessor kennengelernt: Josef Niewiadomski. Ihn faszinierte an Bachl dessen „tiefe Lebenslust und Bejahung der Leiblichkeit.“ Ihm sei die Freude am Himmel anzusehen gewesen. Absolut erwähnenswert sind Bachls Aktivitäten außerhalb der Universität. Er schrieb selbst Gedichte, war Mitglied des PEN-Club und agierte viele Jahre als Assistent des Katholischen Akademikerverbands. Seine in dieser Zeit entstandenen „Salzburger Briefe“ fanden eine große Leserschaft. Auf die Frage eines 16-jährigen Mädchens, worin er seine Aufgabe als Priester sehe, antwortete er: „Ich bringe den Menschen nicht Gott erst in die Welt; Gott ist da, und für dieses Dasein suche ich Worte und Zeichen.“ In fast allen katholischen Studienbibliotheken ist wohl Bachls Hauptwerk zu finden, das er 1980 verfasste: „Über den Tod und das Leben danach“. Neben diesem Buch hat Bachl 43 weitere theologische Werke veröffentlicht. Seit seiner Emeritierung lebte Bachl mit seiner Lebensgefährtin, mit der er einen 40-jährigen Sohn hat, sehr zurückgezogen in Vöcklabruck. Eine Parkinsonerkrankung machte ihm zusehends mehr zu schaffen.



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