Suche
  • bert brandstetter

Univ.Prof. Dkfm. Dr. Hans Dolinar aus Linz (1940 -2020): Ein wissenschaftliches Universaltalent

Genaue Planung schien den Eltern von Hans Dolinar sehr wichtig gewesen zu sein, auch was die berufliche Zukunft der beiden Kinder betraf. So machte Tochter Hannelore wie der Vater in der Gynäkologie Karriere. Hans, der Erstgeborene wurde in Richtung Jus gelenkt, „vielleicht wegen seiner Fähigkeit, besonders logisch denken zu können“, wie seine Schwester vermutet. Was die Familie vielleicht nicht ahnte, war das enorme intellektuelle Reservoir ihres Sohnes. Hans studierte in seiner Heimatstadt Wien wohl Jus, daneben aber auch noch Welthandel und die französische Sprache bis zum fertigen Dolmetsch. Mit 23 hatte er seinen Doktor, kurz darauf den Diplomkaufmann in der Tasche. Seinen weiteren Lebensweg beeinflusste die Begegnung mit dem renommierten Rechtsprofessor Richard Holzhammer im Lauf der Gerichtspraxis in Wien. Holzhammer imponierte der junge Jurist, die beiden vertieften sich in Kaffeehäusern gerne in Fachdiskussionen und als Holzhammer als Professor an die noch relativ neue Linzer Universität berufen wurde, holte er sich Dolinar, der ihm inzwischen zum guten Freund geworden war, 1967 als Assistenten. „Mit Hans konnte ich ganz fabelhaft kooperieren, ich habe ihn sogar für Zivilprozessrecht habilitiert“, sagt Richard Holzhammer. In seinem Fach galt Dolinar als internationale Koryphäe, seine Schriften zum „Außerstreitverfahren“ zählen zur Standardliteratur für Juristen. Die allgemein anerkannte Kompetenz des Professors führten 1983 zu seiner Wahl als Rektor der JKU. Daneben unterhielt er Beziehungen zu renommierten amerikanischen Universitäten, wie etwa der Georgia State University, der Duke Law School und der Harvard Law School. Einer seiner Studenten war der spätere Linzer Bürgermeister Franz Dobusch, der den „ansprechenden Stil Dolinars und dessen guten Zugang zu den Studenten“ als sehr positiv in Erinnerung hat. Ähnlich Josef Pühringer, einst ebenfalls Student Dolinars und dann Landeshauptmann: „Dolinar war immer sehr korrekt, ein richtiger Sir, der die Universität äußerst gut vertreten hat“. Privat beteiligte sich Dolinar aktiv in mehreren Clubs, unter anderem im Cartellverband „Nibelungia in Wien“. Sein einziges Kind Veronika entspross seiner zweiten Ehe. Ihren Vater erlebte Veronika als „ungemein lebensbejahend, optimistisch und zupackend“. Und sie erzählt von seinen zahlreichen Hobbys neben dem Parlieren in fremden Sprachen wie Spanisch oder Italienisch bei den diversen Urlaubsfahrten. Die Liebe zu Fremdsprachen unterstützte seine geistige Frische wohl ebenso wie sein ungebrochenes Interesse für Geschichte und Philosophie. Hans Dolinar zeigte weiters enormen Ehrgeiz in sportlicher Hinsicht, sei es auf dem Tennisplatz, auf dem Golfplatz oder auf der Schipiste. Nicht ohne Stolz habe er gerne auf seinen Segelschein verwiesen. „Mein Vater hat sein Leben ausgenutzt und immer nach vorne geblickt“, sagt Veronika. „Selbst nach seiner Knieoperation vor wenigen Wochen sprach er davon, bald wieder auf den Schiern stehen zu wollen“. Dazu sollte es leider nicht mehr kommen.




100 Ansichten

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com