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  • bert brandstetter

Theresia Reichl aus St. Florian und Frankenburg (1940 - 2020): Ein halbes Jahrhundert für die Pfarre

Aktualisiert: Apr 4

Wenn sogar ein österreichischer Fußballbund-Präsident und ehemaliger Generaldirektor ins Schwärmen gerät, dann muss es sich um eine ganz besondere Persönlichkeit handeln. „Die Schwester Resi ist nicht wegzudenken aus der Silhouette der Stiftspfarre St. Florian“, sagt Leo Windtner, der schon lange mit ihr zu tun hat, ganz besonders intensiv war das in seiner Zeit als St. Florianer Bürgermeister. „Sie war immer der gute Geist der Pfarre. Man hat sie nicht gesehen, aber überall gespürt“, beschreibt er das Wesen von Theresia Reichl. Ohne sie scheint wenig gegangen zu sein. „Sie war einfach und irgendwie immer da“, sagt der ehemalige Stiftspfarrer Rupert Baumgartner, der erzählt, dass man Schwester Resi auch gegen 10 Uhr nachts noch im Büro antreffen konnte, wenn es nötig war. Oder erst bei der Renovierung der Stiftskirche, wo ebenfalls viel Organisation über ihren Arbeitstisch gelaufen war. Ihr Privatzimmer hatte sie im ersten Stock des Stiftes, „nur 100 Schritte waren es bis zur Pfarrkanzlei, die Schwester Resi hat auch deshalb nie auf die Uhr geschaut, wenn etwas zu tun war“, sagt Pfarrer Rupert. Auch im Religionsunterricht arbeitete sie mit und war dort als sehr gütige Lehrerin bekannt, durch deren Hände Generationen von Schulkindern gegangen sind. Die Fähigkeiten dafür holte sich Theresia Reichl in den 1960-er Jahren in Wien, wo auf Anregung von Kardinal Franz König die ersten Seelsorge-Helferinnen ausgebildet wurden. Das war die Stunde von Theresia, die bis dahin auf dem kleinen Frankenburger Bauernsacherl mitgearbeitet hat, das ihre Mutter mit den drei Kindern betrieb. Der Vater war im Krieg gefallen, die Mutter verdiente sich bei einem Nachbarhof ihr Geld als Magd, die eigene Wirtschaft schaukelten die Kinder bis zur Heirat von Theresias Schwester. Resi übersiedelte nach Wien zur Ausbildung, arbeitete kurz in der Linzer Pfarre Neue Heimat, bis sie dann in St. Florian als „Seele der Pfarre“ ihre endgültige Bestimmung fand. Ihr Ein und Alles war die Stiftspfarre, Auszeit gönnte sie sich gern bei Familie Riess, mit der man sie auch spazierend antreffen konnte. So lustig und offen für Späße sie zum Beispiel beim Pfarrfasching bekannt war, so bescheiden kannte man Schwester Resi auch, die sich auf Ausflügen jeweils mit der billigsten Speise begnügte und dafür so manche Hänselei der Mitreisenden erdulden musste. „Mit einem Paar Würstel war sie immer zufrieden“, weiß auch Neffe Georg Zieher aus Frankenburg, der seine Tante nicht genug loben kann, weil sie ihre Neffen und Nichten und auch wieder deren 9 Nachkommen immer und überall unterstützte, wo es nottat. Oft wanderte einer ihrer legendären roten VW-Polos in deren Besitz über, wann bei Tante Resi ein neuer Wagen anstand. Nach der Pensionierung zog Theresia Reichl für mehrere Jahre in die kleine Wohnung, die sie sich in ihrem Elternhaus eingerichtet hatte. Einige Zeit später fand sie im Altenheim Ottnang wegen ihres zunehmenden Pflegebedarfs Aufnahme, wo sie schließlich auch verstorben ist. In St. Florian wird sie nicht vergessen. Sobald es wegen Corona möglich ist, werde ihr die Pfarre samt allen Verwandten eine würdige Gedenkmesse bereiten, verspricht Stiftspfarrer Werner Grad.



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