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  • bert brandstetter

Tatjana Gamerith aus Waldhausen (1919 - 2021): Die naturbegeisterte Malerin

„Mutter und Malerin“. So pflegte die junge Tatjana gerne auf die Frage zu antworten, was sie denn einmal werden wolle. Beide Wünsche gingen in Erfüllung, wenn auch auf teilweise ziemlich steinigen Umwegen. Geboren in Berlin als Kind eines Österreichers und einer Baltendeutschen schloss sie relativ früh eine erste Ehe, in der sie zwei Kinder gebar. Doch dieBeziehung scheiterte, die Verbindung zu ihren Kindern Veronika und Michael wurde konsequent verhindert und konnte erst wieder aufgenommen werden, als diese erwachsen waren. In Wien versuchte Tatjana einen Neustart in ihrem Leben. Gegen Kriegsende wurde sie zur Zwangsarbeit in einer Rüstungsfabrik verpflichtet, erlebte Bombardierungen, die Notzeit nach dem Kriegsende und brachte ihr drittes Kind Martin zur Welt, den sie alleine aufzog. Der aus Bulgarien stammende Vater hatte wohl versucht, den Buben zu entführen, dieses Vorhaben konnte aber mit Hilfe von Tatjanas Mutter erfolgreich vereitelt werden. Unter größten Entbehrungen erwarb Tatjana ein Diplom als Grafikerin und musste zuerst von schlecht bezahlten Entwürfen für Postkarten leben. Etwas einträglicher war später das Malen von Tieren für die Beschilderung im Tiergarten Schönbrunn.Eine glückliche stabile Wende erlebte Tatjana erst Anfang der 1960-er Jahre, als Werner Gamerith in ihr Leben trat. Mit ihm erwarb sie 1963 ein kleines Sacherl in Waldhausen im Strudengau. Das Haus wurde saniert, ein Biogarten versorgte das Paar mit Gemüse, Kartoffeln und Beeren, ein Naturgarten bescherte allerlei Zier- und Wildblumen. Unverzichtbar für das Einkommen blieben im Anfang auch dort die Auftragsmalereien für den Schönbrunner Tiergarten. Ein Umbau des ehemaligen Stalls zu einer Werkstatt für einfachen Siebdruck erweiterte die beruflichen Möglichkeiten enorm. Per Handdruck wurden von Tatjana entworfene Muster auf Textilien aufgebracht, die sich u.a. im Oö. Heimatwerk gut verkauften. Ihr Mann Werner druckte nicht nur, sondern engagierte sich darüber hinaus als Umweltaktivist, der sich seit den 1970-er Jahren als Vortragender, Fotograf und Buchautor einen Namen macht. Groß war die Freude, als ihnen 1984 der damalige Umweltminister Kurt Steyrer den Konrad Lorenz Preis verlieh. Als Grund nannte er die gelungene Verbindung von Kunst und Ökologie. Im selben Jahr beteiligten sich beide an der Rettung der Hainburger Au durch deren legendäre Besetzung.Auf ihrem Anwesen in Waldhausen war inzwischen ein vielbeachteter Naturschwimmteich mit einer Barriere zwischen Bade- und Pflanzenteich entstanden, er war der erste seinerzeit. Die Malerei bestimmte immer mehr das Leben von Tatjana Gamerith. Immer spiegelt sich in ihren sanften und farbenfrohen Gemälden die Liebe zur Natur. Ihre stark abnehmende Sehkraft konnte ihren Schaffensdrang und Ideenreichtum aber kaum bremsen, sondern zwang sie zur Entwicklung eines großzügigeren, teilweise abstrakten Malstils. Zu ihrem 100. Geburtstag, nach einem Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt, kam sie zur Eröffnung ihrer letzten Ausstellung nach Linz, wo ausgewählte Werke im Festsaal der Elisabethinen gezeigt wurden und sich hunderte Gratulanten um Tatjana scharten. „Ihre Bilder preisen die Schönheit und den Lebensreichtum der Schöpfung. Sie werden ihren Betrachtern noch lange vom Glück erzählen, das uns eine liebevolle Begegnung mit der Natur schenkt“, heißt es auf der Parte der hochbetagten Künstlerin, um die neben ihrem Mann Werner, Verwandten und Freunden auch die Gemeinde Waldhausen trauert. Bürgermeister Franz Gassner sagt: „Mit Tatjana Gamerith verlieren wir nicht nur die älteste Gemeindebürgerin von Waldhausen im Strudengau, sondern vor allem eine besondere Persönlichkeit. Sie war ein Mensch voller Liebenswürdigkeit und Herzensgüte“.




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