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  • bert brandstetter

Sieglinde Stöglehner aus Freistadt (1943 - 2021): Der Tod der Fischerwirtin

Es war wohl ein gebrochenes Herz. Nichts deutete darauf hin, dass Sieglinde Stöglehner nur wenige Tage nach ihrem Mann Alois sterben sollte. Dessen Nachruf war eben erst in den OÖN erschienen, als seine Frau Sieglinde die Augen für immer schloss. „Papa, was soll denn ich ohne dich tun?“, rief sie ihm in ihrer Trauer nach, aber keine ihrer drei Töchter ahnte, wie ernst es ihr damit war“. „Sie wollte einfach nicht mehr“, sagt Tochter Petra, die das auch verstehen kann, waren ihre Eltern doch zeitlebens mehr als andere geradezu aneinander geschweißt: Sie in der Küche der Fischerstube, er der charmante Mann im Service, der vormittags seinem Beruf als Hauptschullehrer nachging. Die Fischerstube war offiziell Sieglindes Betrieb. Bevor sie damit beginnen konnte, war eine strenge Konzessionsprüfung notwendig. Ein Jahr lang pendelte Sieglinde Stöglehner dazu nach Linz und sie schaffte es als eigentlich ungelernte Kraft ohne spezielle küchentechnische Ausbildung. Was ihr zugute kam, war ihre Liebe zum Kochen, kombiniert mit der entsprechenden Begabung. 1978 war Eröffnung der Fischerstube in der Bruckmühle in Rainbach, ganz klein mit drei Tischen und einer 12 Quadratmeter großen Küche. „Da hatte jeder Mitarbeiter seinen Stehplatz, den er womöglich nicht verändern sollte“, erzählt Petra von den beengten Verhältnissen, in denen Chefin Sieglinde aber die allerbesten Variationen von frisch gefangenen Forellen, aber auch andere Gerichte auf die Teller zauberte. Bald war die Fischerstube zu klein, ein Ausbau schaffte Erleichterung, vor allem dann der noch später angefügte Wintergarten. 150 Sitzplätze standen zu guter Letzt zur Verfügung. Was sich um keinen Zentimeter vergrößerte, war Sieglindes Küche. Vielen Lehrlingen, auch ihren Töchtern und manchen Enkelkindern war sie während deren Ferialjobs eine strenge, aber nette Lehrmeisterin. Sieglinde tat es für ihr Leben gern. „Die Fischerstube ist mein Leben“, sagte sie oft und es war sie selbst, die sich ab fünf Uhr früh auch um die saubere Tischwäsche kümmerte. Viel und selbständig zu arbeiten war Sieglinde nicht fremd. Aufgewachsen als Kind einer Kriegsehe in Freistadt, erlebte sie ihre Mutter als vielbeschäftigte Betreiberin einer Sandgrube, zwei ihrer Geschwister starben im Kindesalter. Nach der Schulausbildung wurde Sieglinde Maschinenstrickerin und in der Folge Assistentin des Betriebsleiters der Firma Mäser in Freistadt. Als Alois in ihr Leben trat, war es bald damit vorbei. Petra, Ulrike und Susanne erweiterten die Familie nach der Hochzeit 1965 und die ganze Familie erlebte die Begeisterung ihres Vaters Alois mit seinen Fischen oben in der Bruckmühle. Es dauerte nicht lange, und die Idee, diese Fische selbst auszukochen und anzubieten, war geboren. 2009 schloss die inzwischen weit über die Grenzen bekannte Fischerstube, Sieglinde und Alois kehrten ganz in ihr Freistädter Haus zurück und fanden neue Freude an ihrem Garten. „Jetzt kann ich ihm zurückgeben, was wir während all der Jahre aneinander vermisst haben“, sagte Sieglinde manchmal. Dass damit auch ein Jahr mühsamer Pflege ihres schwer erkrankten Mannes verbunden war, beklagte sie nie. Weinend habe Alois oft und oft ihre Hand gestreichelt und getröstet: „Sei nicht traurig, wir haben doch ein so schönes Leben gehabt!“ Bereichert haben ihr Leben die sechs Enkel und der kleine Urenkel Florian. Sie alle und viele Kunden der Fischerstube betrauern ihren Tod, dessen Eintritt als überraschend und berührend zugleich empfunden wird.



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