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  • bert brandstetter

RR Josef Haginger aus Niederneukirchen (1934 - 2020): Immer die einfachen Leute im Blick

„Der Sepp hat immer geschaut, dass keiner zurückbleibt“. Was der ehemalige Postchef von Oberösterreich, Manfred Schöndorfer, so formuliert, könnte als Motto über dem Leben von Josef Haginger stehen. Mit wem immer man spricht, wird sein „Kümmern um die Kleinen“ als besonderes Markenzeichen erwähnt. Als Postler stellte er das in all seinen Funktionen, vom Briefträger über den Personalvertreter und Gewerkschafter bis hinauf zum Vorstandsmitglied der Postdirektion oft und gern unter Beweis. Begonnen hat sein Leben als Kind eines Bergmannes in Geboltskirchen. Er war ein guter Schüler und durfte als einziger seines Jahrgangs die Hauptschule in Haag/Hausruck besuchen. Doch Arbeit fand er in den Nachkriegsjahren schwer, weshalb er es dem Vater gleichtat und ins Bergwerk ging. Mit 20 dann die große Chance über eine entfernte Verwandte: Die Post hatte für ihn Platz als Briefträger, aber nicht daheim, sondern im über 50 Kilometer entfernten Kematen an der Krems. In einem kleinen Zimmer konnte er wohnen, aber jedes Wochenende radelte er wegen des großen Heimwehs nach Geboltskirchen. Doch allmählich fand er Anschluss und begann im damaligen Gasthaus Leutgeb eine besondere Form der Amtshilfe, indem er Leuten half, alle möglichen Formulare auszufüllen. „Wir haben mit einer Gruppe von Freunden aber auch regelmäßig Kegel geschoben und sind wie Brüder zueinander geworden“, erinnert sich Ex-Wirt Rupert Leutgeb, der es seinem Freund nie vergisst, dass er später, als er bei der Post in Linz schon was war, Jahre lang die Weihnachtsfeiern in seinem Wirtshaus ausgerichtet hat: „Bis zu 400 Leute sind da mit Bussen gekommen und der Sepp hat das organisiert“, freut sich Leutgeb heute noch. Mit einem der ersten Gehälter als Briefträger schaffte sich Haginger ein Motorrad an. Es war sein großer Stolz, bei diversen Geschicklichkeitsfahrten konnte er sein Können unter Beweis stellen. Es wäre aber nicht Haginger, hätte er die dabei entstandenen Kontakte nicht gebündelt und als ARBÖ-Ortsgruppe organisiert. Sein besonderes Engagement zeigte sich, als er in einem Jahr bundesweit die meisten Neumitglieder geworben hat. Beruflich war Haginger damals ein gefragter Urlaubsvertreter als Postmeister, der sich im ganzen Land einen guten Namen machte und Bekanntheit erlangte. Privat hatte er längst geheiratet und wurde Vater von Rudi, Walter und Ulli. 1975 heiratete er in zweiter Ehe die Lehrerin Erni Haginger aus Niederneukirchen, mit der er die Söhne Christoph und Wolfgang bekam. „Wir waren eine interessante Patchwork-Familie. Die Enkel aus seiner ersten Ehe waren im ähnlichen Alter wie mein Bruder und ich“, erzählt Christoph. Probleme daraus ergaben sich in keiner Weise, die Eltern packten alle zusammen und fuhren mit ihnen auf Urlaub, gern in die Steiermark, an den Wolfgangsee oder auch nach Jesolo. Reisen war eine besondere Leidenschaft ihres Vaters. Für die Postgewerkschaft organisierte er zahllose davon, der Reisedienst geht auf Josef Haginger zurück, und wieder offenbarte sich sein Lebensmotto, wie es Ex-Postchef Manfred Schöndorfer schon formuliert hat: „Er hat immer geschaut, dass keiner zurückbleibt, was beim Schifahren besonders wichtig war. Der Sepp war immer bei den Letzten. Gefahren ist er zwar weniger, aber beim Apres Ski hat er auf alle aufgepasst“. So wie schon in Kematen engagierte sich Haginger auch in Niederneukirchen in allen möglichen Vereinen. Als „Berater, Chauffeur und Seelentröster“ war er in besonderer Weise gefragt, als seine Gattin Erni 12 Jahre lang als Bürgermeisterin fungierte. Vor allem, seitdem er als stellvertretender Postvorstand hochdekoriert in Pension war, hatte er für die Betreuung seiner politisch aktiven Frau Zeit. Sepp nutzte den Freiraum aber auch, um sich in seiner Pension mit dem Computer vertraut zu machen. Seine Kinder staunten, wie perfekt er damit seine Reisen organisierte oder Listen für alles und jedes anzulegen verstand. Als begeisterter Handwerker war er obendrein eine gefragte Adresse bei diversen Arbeiten in den Wohnungen und Häusern seiner Kinder. Nach einem Schlaganfall vor drei Jahren erholte sich Josef Haginger gut, in letzter Zeit wurde er aber immer müder und schlief am 16. November für immer ein, betrauert von seiner Gattin, den fünf Kindern, den acht Enkelkindern und sechs Urenkeln.




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