Suche
  • bert brandstetter

RR Fritz Kieslinger aus Ried im Innkreis (1933 - 2020): Ein Beamter vom Scheitel bis zur Sohle

So manche Patienten und Spitalsbesucher mögen sich vor einigen Jahren an wunderbaren hölzernen Sternen erfreut haben, mit denen die Christbäume in der Kapelle des Linzer Kepler Klinikums geschmückt waren. Sie stammen aus der Hobbywerkstatt von Friedrich Kieslinger aus Ried, der die Sterne auf Wunsch seiner Tochter fabriziert hat, die dort Spitalsseelsorgerin war. Der Werkstoff Holz war für Kieslinger von besonderer Bedeutung, war sein Vater doch Tischler in Diersbach. Dort wuchs Fritz als viertes von sieben Kindern auf und erwies sich als so begabt, dass er an das Gymnasium geschickt wurde, wo er mit gutem Erfolg maturierte. Gleich seinen ersten Job fand er beim Arbeitsamt in Schärding, kurz danach wurde er nach Ried versetzt. Dorthin also, wo er Jahrzehnte später als Direktor in Pension gehen sollte. „Korrekt, ein Beamter durch und durch, für seine Zeit der richtige Chef“. So charakterisieren ihn Mitarbeiter des heutigen AMS, die Kieslinger noch kennen. Und sie liefern das passende Bild dazu: Nie erblickte man Kieslinger ohne Anzug und Krawatte, auch wenn beides vielleicht manchmal auch schon ein wenig abgetragen wirkte. Ins Amt fuhr er mit dem Fahrrad, die Hosenspange war immer angesteckt. „Er hatte einen sehr sozialen Zugang und die Verbindung mit seinem politischen Geschäft war durchaus hilfreich“, sagt sein Nachfolger, der heutige Landeschef des AMS, Gerhard Straßer, und weiter: „Kieslinger war allseits geachtet und ein geschätzter Diskussionspartner“. 1974 kam Kieslinger für die SPÖ in den Rieder Gemeinderat. 18 Jahre vertrat er vor allem soziale Interessen. So gehen die Tagesheimstätte, Essen auf Rädern oder die Hauskrankenpflege maßgeblich auf ihn zurück, hieß es ganz offiziell, als ihm die Stadt den Ehrenring verlieh. Den Höhepunkt seiner politischen Karriere erlebte er in seinen vier Jahren als Rieder Vizebürgermeister bis 1989. Günther Hummer, der damalige ÖVP-Bürgermeister, erlebte Kieslinger als „eher vorsichtig, konsensfähig und sehr gewissenhaft“. Othmar Donninger, sein langjähriger Partner im Gemeinderat, bestätigt diese Einschätzung und ergänzt sie damit, dass Kieslinger ein großes Herz für die Anliegen der Beschäftigten hatte: „Seine Basis war das Christlich-Soziale“. Die Grundlagen dafür dürfte Kieslinger bei Kolping erfahren haben, wo er sich von Jugend auf gerne aufhielt. Die Kolpingfamilie war es auch, wo er seine Frau Cilli kennenlernte. 1958 heirateten sie, vier Kinder gingen aus der Ehe hervor und seine Familie erlebte den Vater als „sehr liebevoll, aber auch als streng und manchmal sehr stur“, wie Tochter Jutta Asch-Kieslinger zugibt. „Der Papa war für uns eine enorme Respektperson, der zugleich äußerst lustig sein konnte“. Unvergessen für sie und ihre Geschwister sind die von ihm geschnitzten „Mai-Pfeiferl aus Eberesche, die er für sie fertigte. Oft und oft unternahm er mit seiner großen Familie Ausflüge und Wanderungen, anfangs meist mit Bahn und Bus. Wandern war überhaupt eine der großen Leidenschaften Kieslingers, bei den Naturfreunden firmierte er als „Wanderführer“. Zum Lebensrhythmus gehörte der gemeinsame Saunagang mit seiner Frau jeweils am Samstag oder der sonntägliche Stammtisch mit der „Haglstecka-Runde“. In seiner Pension merkten Weggefährten eine überraschende Veränderung: Fritz Kieslinger ging für einige Jahre mit Bart durchs Leben, was die Familie als erstaunliche Lockerung seines gewohnten Auftretens interpretierte. Robust und weitgehend gesund wurde Kieslinger noch vor wenigen Wochen in Ried angetroffen, bis er nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb.



88 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen