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Roman Konczalla aus Walding (1924 - 2019): Vom schlesischen Bäckerlehrling zum oö. Bauernvorbild

Aktualisiert: 31. Dez 2019

Den „Obermayr z`Lindham“ kennt man in der Umgebung von Walding. Nicht bloß den Hof, sondern auch den Bauern, der dort über viele Jahrzehnte gewirkt hat. Viele wissen, dass dieser Bauer aus dem Ausland gekommen ist und, das wird oft gleich dazu gesagt, „ganz einer von uns“ geworden ist. Roman Konczalla gilt als landwirtschaftliches Vorbild, bekannt ist seine Beziehung zur Literatur und geachtet wird seine enge Kirchlichkeit. Vieles davon hat seine Wurzeln in Schlesien, der alten Heimat des Verstorbenen. Geboren als Ältester von fünf Geschwistern auf einem mittelgroßen Bauernhof war klar, dass er, dem die Landwirtschaft so gut gefallen hat, keine Chance hatte, den Hof zu erben. Im Unterschied zu Westeuropa ging das Hoferbe in Schlesien, dem späteren Polen, an den jüngsten Bauernsohn. Weil zufällig eine Stelle frei war, hatte Roman Bäcker zu lernen. Der 2. Weltkrieg beendete die Ausbildung vorzeitig, nach dem Fall von Stalingrad wurde er eingezogen, dreimal verwundet und zu Kriegsende nach dem Lazarettaufenthalt in Wien entlassen. Zurück in die Heimat war politisch nur mehr schwer möglich, der junge Ex-Soldat schlug sich nach Dimbach im Mühlviertel durch, wo er auf einem Hof Unterschlupf und Arbeit fand. Die Ausbildung zum Bauern schaffte er in Katsdorf, danach war die Schweiz für zwei Jahre sein nächstes Ziel. „Daheim bekam ich 40 Schilling Lohn, dort sollten es 1400 Schilling sein“, erzählte er immer wieder voller Stolz. Für immer dort bleiben wollte er aber auch nicht, obwohl es verlockende Angebote gegeben hätte. Über die Landwirtschaftsschule in Weyregg, wo er nicht bleiben wollte, weil er als Hausmeister und nicht als Bauer gebraucht worden wäre und den Pleschingerhof bei Linz kam er über ein Zeitungsinserat zum Wallensteiner nach Walding als Wirtschaftsführer. Dort bestimmte sich sein Schicksal, weil er sich in Theresia, die Tochter des Bauern verliebte. Den beiden war klar, dass sie als Familie dort nicht bleiben konnten, der Hof war der anderen Schwester bestimmt. So begann am Tag nach der Hochzeit 1959 die Suche nach einem dauerhaften Nest für die beiden. Obwohl desolat, entschieden sie sich für den Obermayr-Hof. „Viel Zeit zum Nachdenken hatten sie nicht“, sagt der jetzige Bauer Walter Konczalla, „bald war die Kinderzahl auf vier angewachsen, das Haus musste nach und nach saniert werden und die Landwirtschaft war auch zu führen“. Doch Roman Konczalla und seine Theresia waren ein starkes Team, auch von manchen Rückschlägen ließen sie sich nicht beirren. So wurde der Obermayr zum Betreiber und Vorreiter des Maisanbaus und der Maistrocknung in der Region. „Vergeben und verzeihen können waren sein Motto, wobei ihm der starke Glaube so wie schon im Krieg auch hier wieder massiv geholfen hat“, sagt Sohn Walter. Das bestätigen sowohl Ortspfarrer Franz Schauer als auch Hermann Scheinecker von der Nachbarspfarre Herzogsdorf: an Konczallas Kirchentreue gab es nichts zu rütteln. Statt irgendwelcher Urlaubsfahrten setzte der Obermayr auch schon vor der Grenzöffnung seine Familie in das Auto, um die alte Heimat zu besuchen. Wiewohl die meisten Verwandten das Land verlassen hatten, war seine Beziehung zu diesem Landstrich ungebrochen. Weil wenige Kilometer von seinem Geburtsort Glöglichen an der Hotzenplotz die Wiege des Dichters Joseph von Eichendorff steht, errichtete er in der Nähe des Waldinger Tierparks eine sehr stimmungsvolle Eichendorff-Gedenkstätte. Die Jahre nach seiner Pensionierung verbrachte Konczalla mit der Pflege und Beschriftung von Bänken für Wanderer, auch begann er sich wieder mit der Bäckerei zu beschäftigen. Bis ins hohe Alter saß er am Steuer seines alten, weißen Autos oder er verbrachte die Zeit mit Zeitunglesen, was er auch noch ohne Brille schaffte. „Einen Fernseher hat Papa nie gebraucht“, sagt Sohn Walter. „Es ist erstaunlich, wie jemand als Zugereister in Walding so fest und erfolgreich Fuß fassen konnte, staunt der langjährige Seniorenbund-Obmann und Puchenauer Alt-Bürgermeister Fritz Gabriel. Diese Meinung deckt sich mit der vieler Nachbarn, die Konczalla als netten und offenen Bauern in Erinnerung halten, „auf dessen Hof wir als Kinder oft und oft verstecken spielen durften“, wie Nachbar August Huemer erzählt. Wie wichtig Konczalla die Familie war, zeigt sein Lebensende: so, als ob er darauf gewartet hätte, bis die ganze Familie am Stephanitag versammelt ist, zögerte er seinen letzten Atemzug hinaus. Erst dann schloss er glücklich die Augen. Um Roman Konczalla, dessen Frau Theresia vor 11 Jahren gestorben ist, trauern die vier Kinder, 9 Enkel und drei Urenkel. Das Begräbnis findet am Donnerstag, 2. Jänner um 10 Uhr in Walding statt.



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