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Roland Kiesl aus Helfenberg (1952 - 2021: Postmeister und Busunternehmer in einer Person

Dschibuti. Was dieses ostafrikanische Land mit einem Mühlviertler Busunternehmer zu tun haben soll, erschließt sich nur schwer, eigentlich gar nicht. Aber irgendetwas, vielleicht war es nur der originelle Name, muss den jungen Roland Kiesl daran so fasziniert haben, dass er zu einem seiner oft gebrauchten Ausdrücke wurde. „Unter Dschibuti hat ihn schließlich jeder gekannt“, erklärt Sohn Emil den ungewöhnlichen Rufnamen seines Vaters. Noch lange vor der Dschibuti-Zeit besuchte Roland Kiesl in Helfenberg die Schule und später die Handelsschule in Freistadt. „Bei Wind und Wetter setzte er sich dazu auf das Moped, weil er keinesfalls in einem Internat leben wollte“, erzählte seine Schwester Elisabeth. Den ersten Arbeitsplatz fand er bei der Post in Linz, nebenher legte er die B-Matura ab und bekam daraufhin zu seiner großen Freude das Postamt in seiner Heimatgemeinde Helfenberg als Postmeister übertragen. Eigentlich wäre das eine Lebensaufgabe für ihn gewesen, wäre nicht sein Onkel Josef an ihn herangetreten, doch dessen Busunternehmen zu übernehmen. Roland sagte zu, ohne aber bei der Post zu kündigen. Zwei Busse und ein alter Nostalgie 380-er Steyr waren für ihn unterwegs. Nach etwa zehn Jahren entschied er sich, zwei Jahre vor der Pensionierung als Postbediensteter in Karenz zu gehen, um sich dann voll und ganz seinem Betrieb widmen zu können. Als ausgesprochen wirtschaftlich denkender Unternehmer schaffte er es, die Firma aus ihrem Dornröschenschlaf zu küssen. Nach und nach schaffte er neue Luxus-Busse an, einen davon in leuchtend gelber Farbe. Dieses Signal kam bei seinen Kunden so gut an, dass es quasi zur Firmenfarbe und zur Richtfarbe aller weiteren Busse wurde, von denen derzeit acht in der von Roland erweiterten Garage stehen und auf ihren baldigen Einsatz nach Corona warten. Sein allererster Angestellter war 1989 Manfred Wolkerstorfer, der den Chef „streng und gerecht, aber auch sehr großzügig in Erinnerung hat: „Wir hatten viel Gaudi miteinander“. Thomas Reisinger, seinen zweiten Fahrer, stellte er 1994 ein. Er ist nach wie vor im Unternehmen. Gerne lenkte Dschibuti einen dieser Busse immer wieder nach Italien, besonders Südtirol war eines seiner bevorzugten Reiseziele. Seine Gäste erlebten dabei nicht nur einen umsichtigen und erfahrenen Lenker, sondern zugleich einen blendenden Unterhalter, der sich mit seinen Gästen auch so manchen Spaß erlaubte und sie mit Witzen zum Lachen brachte. Am liebsten setzte er sich aber an das Steuer seines alten 380-er, mit dem er sehr gefragte Nostalgiefahrten durchführte. „Vor allem fuhr unser Vater aber mit den Schulbussen, auch in seiner Pensionszeit noch“, sagt Sohn Emil. Er ist eines von vier Kindern von Roland, die seiner Ehe mit Maria geschenkt wurden, die er 1976 geheiratet hatte. 2006 übergab er die Firma als florierendes Unternehmen an seine Söhne Richard und Emil. Von da an fand er, der zuvor schon im Afiesl Gemeinderat war, mehr Zeit für die Führung des Pfadfinderlagers „Toheiblmühle“ mit Herberge und Zeltplatz in Haslach, das er mit großem Engagement managte. 2016, im Jahr der Flüchtlingskrise, gesellte sich ein weiterer Schwerpunkt in Rolands Leben: Mit allergrößter Zuwendung widmete er sich den Flüchtlingen, denen er neue Heimat in der Toheiblmühle gab. Ohne viel zu reden, versorgte er sie weit über das normale Maß hinaus mit Zuneigung und Geschenken. Roland war auch ein sehr tierliebender Mensch – ein Hund war Zeit seines Lebens immer treuer Wegbegleiter seiner Familie.

Dass sich seine Familie mit zwölf Enkelkindern vergrößerte, war ihm eine ganz besondere Freude, wenngleich er bei der jüngsten Enkelin doch gehofft hatte, noch einen zweiten Enkelbuben zu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits schwer an der Lunge erkrankt. Seit Weihnachten benötigte er eine Betreuung, die vor allem seine Frau Maria liebevoll erfüllte, bis er jetzt friedlich verstarb.



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