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  • bert brandstetter

Richard Bauer aus Hofkirchen im Mühlkreis (1936 - 2020): Ein Mann für alle Fälle

„Für einen wirklich guten Freund die Trauerrede halten zu müssen, fällt mir wirklich nicht leicht“, gesteht der Hofkirchner Altbürgermeister Erich Moser. Sein Nachfolger Martin Raab hat ihn gebeten, diese Aufgabe kommenden Samstag zu übernehmen, weil Moser Richard Bauer schon ein halbes Leben lang kennt. „Ich weiß gar nicht mehr, wie lang wir uns schon kennen, aber der Richard war immer an meiner Seite“. Es sind beinahe mehrere Leben, die Richard Bauer geführt und in seinen 84 Jahren untergebracht hat. Und wen immer man fragt, er wird als geselliger, hilfsbereiter und treuer Mensch beschrieben, für den es aber zu guter Letzt eine Erlösung war, dass er sterben konnte. Aufgewachsen ist Richard Bauer im benachbarten Pfarrkirchen im Kreis einer großen Familie. Er lernte Tischler und erwarb zugleich viele andere handwerkliche Fähigkeiten, die ihm später wertvolle Dienste leisteten. Als Geselle zog es ihn zur Tischlerei Thaller nach Hofkirchen, wo er vor 60 Jahren die Gastwirtstochter Margarete heiratete. Drei tüchtige Kinder wurden den Beiden geboren. Der Unfalltod seiner Frau im Jahr 1987 versetzte ihn und seine Kinder in eine schwere Krise, die sie aber gut meisterten. Neben seinem Tischlerberuf engagierte sich Bauer beim Roten Kreuz, zunächst als ehrenamtlicher Sanitäter, 1970 machte er daraus seinen Hauptberuf. Weil Platz war, parkten die beiden Rettungsautos in Bauers privater Garage, die Zivildiener wohnten in seinem Haus. Dienst machte Richard Bauer praktisch 24 Stunden am Tag, mit Leib und Seele lebte er für seine Aufgabe und wurde so zum Gesicht des Roten Kreuzes in der Region. Immer auf der Suche nach dringend nötigen zusätzlichen Mitarbeitern, warb er 1988 die junge Witwe Elfriede Fischer aus Niederkappel als Rettungssanitäterin an. Wenig später feierte er mit ihr Hochzeit. Als er 1996 verdienstvoll ausgezeichnet in Pension ging, war für ihn noch lange nicht Schluss beim Roten Kreuz. Wie ganz am Beginn arbeitete er 20 Jahre ehrenamtlich weiter, erst 2016 trat er endgültig aus. Seine geballte Lebensfreude, seine Leidenschaft für Wein, Unterhaltung, für Witze und Gesang prädestinierten Richard Bauer für Vereine aller Art. Bei der örtlichen Bürgerwehr war er unverzichtbar, wie Kommandant Andreas Neundlinger bestätigt: „Genau 55 Jahre rückte Richard zu Fronleichnam aus. Bei unserer Gründung 1963 zum ersten, 2018 zum letzten Mal“. Weil im Gasthaus seiner Schwiegermutter in den 1970-er Jahren Not am Mann war, sprang er wie selbstverständlich helfend ein. „Er war ein richtiger Anreißer, der alles am liebsten sofort erledigte“, sagt der jetzige Wirt Alexander Froschauer über seinen Onkel. Die „Lebenslust in Person“, wie Bauer von Bürgermeister Martin Raab zugeschrieben wird, machte auch keinen Bogen um die Politik. 18 Jahre saß er im Gemeinderat und zeigte sich in all den Jahren loyal zu den drei Bürgermeistern, die er erlebte. Spuren hinterließ Bauers Engagement im Hofkirchner Sozialwesen, sein Einsatz in der Wasserversorgung und beim österreichweit erstmaligen Einsatz einer Turbine im Kanalnetz, mit der Strom erzeugt werden konnte. Die vielen Engagements schlugen sich nach und nach auf das Herz von Richard Bauer. Erholung fand er beim wöchentlichen Tarockieren im Nachbarhaus. „Der 80-er hat mir das Genick gebrochen“, sagte er aber nach der ausgiebigen Geburtstagsfeier. Schmerzen und das allmähliche Schwinden seiner Kräfte setzten ihm zu. Bestens betreut von seiner Frau, bezeichnen seine Angehörigen sein Sterbenkönnen als Erlösung.




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