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Renate Sacher-Neubauer aus Wartberg ob der Aist (1960 - 2021): eine wahre Bürgerin der Herzen

Ein Lichtermeer von Kerzen rund um die Pfarrkirche und Hunderte Teilnehmer bei der live übertragenen Begräbnisfeier: „So ein Begräbnis hat Wartberg noch nie erlebt“, erzählt Bernhard Rudinger, ein Nachbar der Verstorbenen, der Renate als „die gute Seele der Pfarre“ bezeichnet und dabei nicht übertreibt. Renate Sacher-Neubauer war die Obfrau des Pfarrgemeinderates und seit ihrer Jugend mit der Pfarre Wartberg verbunden. Dass sie ihr Leben bei einem tragischen Unfall im Wald verloren hat, steigerte die Betroffenheit in ihrer Gemeinde über ihren frühen Tod umso mehr. Ihr Leben ist ohne ihren Mann Josef schwer zu denken. Altersmäßig nur zehn Tage auseinander, besuchten beide gemeinsam die Volksschule. Am Stephanitag 1990 lud sie Freunde zu einem Weihnachtsessen, Josef kam auch und zwei Jahre später wurde Hochzeit gefeiert. Ihre Kinder Raffael und Hanna sind bereits erwachsen. Beruflich übernahm Renate die Firma ihrer Eltern, die auf Betonwarenerzeugung, den Baustoffhandel und auf Transporte spezialisiert war. Der Markt veränderte sich und Renate reagierte darauf mutig, indem sie das Unternehmen auf ökologische Produkte hin umstrukturierte und auch nach ihrer Pensionierung mit dem Handel von Naturfarben und Chico-Hängematten weiterführte. Möglichst viel Zeit widmete sie ihrer Familie, was die Betreuung ihrer Eltern und Schwiegereltern miteinschließt, die in der zweiten Hälfte der 1990-er Jahre vor deren Tod intensive Hilfe brauchten. Seit ihrer Jugend war die Pfarre Wartberg quasi ihre zweite Familie. Renate leitete Jungschargruppen, ging regelmäßig mit den Sternsingern, saß im Pfarrgemeinderat und hatte vor allem „immer Zeit für ein gemeinsames Lachen“, wie Helmut Bayer bei seiner Ansprache vor Renates Sarg erwähnte. 30 Jahre waren die Bayers Teil einer Familienrunde, zu der Renate und ihr Mann auch gehörten. Wie überhaupt sich Renate gern in Gruppen und Runden einbrachte. Ob das nun der „Fünfertreff“ ehemaliger Schulkolleginnen oder eine tratschende Strickrunde war, bei der eher weniger gestrickt als getratscht wurde, oder ob sie mit Freunden bei einer „Tour de Herz“ auf dem Fahrrad Spendengelder für herzkranke Kinder in Entwicklungsländern erstrampelte. „Renates hauptsächlicher Netzwerkplatz war der Kirchenplatz“, erzählt Josef, „dort hat sie die Leute getroffen und sich Vieles ausgemacht“. Dabei war Renate Sacher-Neubauer alles andere als eine Frontfrau oder ein Alphatyp. „Sie stand überhaupt nicht gerne vorn und redete auch nicht gern vor größeren Gruppen“, weiß Josef: „Ihren Erfolg holte sie sich aus ihrer natürlichen Herzlichkeit“. 2014, als die Kirche zu renovieren war, erfand sie die „ARGE Genuss“, bei der verschiedene Gruppen für die Ernährung der Arbeiter zu sorgen hatten. Oder 2018 bei der Pfarrheim-Adaptierung: Renate schuf in ihrem Haus für einen Tag ein „Cafe Sacher“, bei dem 300 Gäste jede Menge mitgebrachter Sachertorten prämieren durften und der Reinerlös gespendet wurde. Je mehr sie durch derlei Aktionen gefordert war, desto mehr schien sie aufzuleben, freut sich Josef, der mit vielen Freunden Nutznießer der unglaublich positiven Stimmung war, die von Renate ausging. In der Zeit der Flüchtlingskrise 2015 sorgte sie in Wartberg für ein besonders herzliches Klima den Schutzbedürftigen gegenüber. Sie war, wie ihre Nichte Bianca beim Begräbnis sagte, in Wartberg „die Bürgerin der Herzen“. Ihr Feuer sei nicht erloschen, steuerte Pfarrassistent Franz Küllinger bei, „das Grundmuster von Renate Sacher-Neubauer war ihr Lächeln“.




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