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  • bert brandstetter

Reinhold Günther Schütze (1945 - 2020): Ein Pionier der Zahngesundheit

Gut möglich, dass in so mancher Zahnarzt-Ordination noch ein Behandlungsstuhl steht, den Reinhold Schütze einst verkauft hat. Zähne mit allem Drumherum waren das Geschäft des in Enns geborenen Unternehmers. Sein Leben begann im zu Ende gehenden 2. Weltkrieg wegen der drohenden Bombengefahr in einem Ennser Bombenkeller. Damit verknüpfte er oft seine lebenslange Liebe zu schwarzem Kaffee, weil er bereits als Baby aus Not damit groß gezogen wurde. Auf sein Gemüt haben sich die düsteren Umstände freilich keineswegs geschlagen. Familie und Weggefährten beschreiben Schütze als immer fröhlichen und optimistischen Menschen, dessen besondere Eigenschaft es war, „auch im größten Tief einen positiven Ansatz“ gefunden zu haben, wie seine Ehefrau, die Zahnärztin Margit Schütze sagt. Bis er sie 1981 heiraten konnte, hatte er schon entscheidende Spuren gezogen. Mit den Eltern und drei Geschwistern lebte er ursprünglich am Linzer Spallerhof, freute sich guter Erfolge als Handballer, maturierte an der HAK und plante ein Leben als Weltreisender auf einem Schiff. Diesen Plan wusste sein Vater zu verhindern, der in Linz mit den beiden anderen Kindern einen ganz gut gehenden Handel mit Dentalwaren begonnen hatte. Er rief Reinhold zurück und hieß ihn mitzuarbeiten. Nach drei Jahren gründete Reinhold bereits eine Filiale in Wien und wechselte danach dennoch in den Dentalhandel der Firma Siemens. Von dort aus richtete er ab 1972 zahllose Ordinationen ein. Besonderes Augenmerk hatte die Firma auf Absolventen des Zahnarzt-Studiums als künftige Kunden. Schütze, damals bereits verheiratet und Vater von Tochter Barbara, organisierte für angehende Zahnmediziner ausgedehnte Heurigenbesuche und traf bei einem dieser Ausflüge auf Margit: „Es war Liebe auf den ersten Blick, ich wäre mit diesem Mann bis ans Ende der Welt gegangen“, gesteht die spätere Attnanger Zahnärztin. Jahre danach, als Reinhold Schütze längst Geschäftsführer einer auf Zahngold spezialisierten Firma war, erreichte ihn neuerlich der Ruf des Vaters in Linz. Der Sohn leistete dem Folge und stieg abermals in das elterliche Unternehmen ein. Es wäre aber nicht Reinhold Schütze, hätte er in dieser Zeit nicht einen weiteren Meilenstein gesetzt, indem er sich auf neueste Innovationen auf dem Gebiet der Implantologie konzentrierte. Zugleich eröffnete er die Möglichkeit, aktiven Zahnärzten in Kursen die Technik zu zeigen, wie Implantate richtig zu setzen sind. Ulrich Fürst, Zahnarzt in Attnang schätzt diese Initiative als „die vielleicht allerwichtigste Aktivität von Reinhold Schütze, weil sie bis heute von Bedeutung ist“. Schützes Firma war längst Marktführer in Österreich, belieferte mit 30 Mitarbeitern halb Europa bis Russland und übersiedelte von der Prunerstraße hinaus auf den Franzosenhausweg. Schütze, dem Weggefährten eine „ewige innere Unruhe“ nachsagen, hatte dennoch bereits ein neues Ziel im Auge. 2002 verkaufte er die Firma zum Leidwesen seiner Mitarbeiter, weil er „ein total angenehmer, innovativer und großzügiger Chef“ war, wie Andreas Lette gern bezeugt. Er erinnert sich an unvergessliche Betriebsausflüge nach Paris, Sizilien oder ins Burgenland, bei denen man Schütze, dem ansonsten größte Autorität zugestanden wurde, „wie ein normaler Mitarbeiter“ zu erleben war. „Sein Ansinnen war es so zu arbeiten, bis letztendlich alle Mitarbeiter Millionäre sind“, verrät Lette. Andreas Friedinger, ein weiterer langjähriger Mitarbeiter, bezeichnet Schütze als Pionier auf seinem Gebiet. Der ging künftig aber ganz gezielt den Weg eines Erfinders. Mit der „photodynamischen Therapie“, die es mit einem speziellen Photo-Laser schafft, Bakterien im Mundbereich sichtbar zu machen und abzutöten, meldete er ein Patent an. Zusätzlich zu der damit gegründeten neuen Firma führte er mit einem weiteren Unternehmen, das in Attnang seinen Sitz bekam, in Österreich die elektrischen Zahnbürsten in großem Stil ein. Und abermals ließ er die Firma nicht auf dem erreichten Erfolg sitzen, sondern versuchte in der ihm eigenen Innovationskraft Neues zu schaffen. Mit einem biologischen System gegen Zahnfleisch-Entzündungen und dem Produkt „Paromit Q 10 Spray“ schaffte er tatsächlich den Durchbruch und die Präsenz in unzähligen Ordinationen, wie ihm Kollegen neidlos zugestehen. Nicht ganz im Ernst sagte er manchmal, er hoffe, damit den Nobelpreis zu erhalten, erzählt seine Gattin, die ihre Ordination vor fünf Jahren geschlossen hat und mit ihrer Tochter Anna die Firma ihres Mannes weiterführen wird. „Daheim war unser Vater selten“, gibt Sohn Gregor zu, befragt nach dem Privatmann Reinhold Schütze. „Er war aber der denkbar beste Vater und vor allem Opa, er hat den älteren von insgesamt 7 Enkelkindern das Schachspielen beigebracht und war immer für uns da. Egal, was er gerade verhandelt hat, seine Standard-Antwort beim Anruf, ob man störe, war immer: Nie, und man konnte mit ihm sofort selbst über die banalsten Dinge telefonieren“. Ein erst im Oktober aufgetretenes Gefäßleiden beendete das Leben Schützes plötzlich, aber schmerzlos.




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