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Reinhard J. Schöfecker aus Linz (1945 - 2021): Sicherer Kapitän in stürmischen Lebenslagen

Die Natur und seine eigene Freiheit waren Reinhard Schöfecker heilig, so heftig die Stürme auch waren, die ihm entgegenschlugen. Als für alle Gewässer ausgebildeter Kapitän war er ausreichend gewappnet, es mit ihnen aufzunehmen. „Reinhard ist nie in Seenot geraten, auch nicht, als wir in Neuseeland mit dem Segelboot in ein Gewitter kamen. Er schaffte es, im Zickzackkurs dem Sturm auszuweichen“, erzählt Gattin Astrid. Als Skipper war Schöfecker oft auf der Donau im Einsatz. Die MS Helene oder MS Apollo wurden von Berufs wegen oftmals von ihm gesteuert. Wirklich begeistert hat ihn aber das Meer, seine Atlantik-Überquerung auf dem Schul-Segler „Khersones“, auf der ihn Sohn Alexander begleitet hat, gilt als sein Meisterstück. Stürmisch wie so mancher Segeltörn begann das Leben von Reinhard Schöfecker. Seine Mutter gebar ihn während eines Fliegerangriffs auf der Fahrt vom Linzer AKH nach Bad Hall, wohin die gesamte Abteilung aus Sicherheitsgründen verlegt worden war, wie sich sein älterer Bruder Klaus erinnert. Gewohnt hat die Familie im Linzer Domviertel. Als durchaus musikalisches Kind fand Reinhard Zugang zum Dom-Jugendchor, zum Hans Sachs- und zum Bachlchor. Die schulische Laufbahn verlief etwas holprig über das Akademische Gymnasium, das Stiftsgymnasium Wilhering, wo er Balduin Sulzer kennen und schätzen gelernt hat, bis hin zur Arbeitermittelschule, wo er schließlich die Matura abgelegt hat. Sein Studium der Pharmazie musste er beenden, weil seine Frau Edith, die er 1967 geheiratet hatte, zu Alexander schwanger wurde. Als pharmazeutisch-technischer Assistent konnte er seine Familie, zu der 1973 noch Tochter Verena kam, gut ernähren. Später wechselte er zur Pharmafirma Mayrhofer, bevor er sich 1995 beruflich völlig neu orientierte und sich zum Kapitän ausbilden ließ. Inzwischen war Astrid mit zwei Kindern in sein Leben getreten und es begann eine Phase intensiven Patchwork-Lebens. War Reinhard mit seinen eigenen Kindern früher viel in den Bergen, wo er in Grünau wochenlang eine alte Hütte ohne Wasser und ohne Strom bewohnte, so war es nun das uralte Haus in Lichtenberg, das er mit viel Geschick restaurierte und zum Zentrum all der vielen Zusammenkünfte und Feste machte, die allen unvergessen bleiben. „Er hat so oft Fondue gemacht und gegrillt, diese Feiern hat er sehr genossen“, erzählt Astrid. Nie zu kurz kommen ließ Reinhard in seinem Leben das sportliche Abenteuer. Dreimal stand er auf einem Viertausender, engagiert war er im Verein der Höhlenforscher, weil ihn auch das Leben „darunter“ sehr interessierte. Oder ganz oben die Sterne und das Universum: „Mit ihm konnte man über alles reden“, weiß Astrid. Brauchen ließ sich Reinhard Schöfecker gerne von der Pfarre Bindermichl, vor allem wenn Jungscharlager auf dem Programm standen. Als erfahrener Camper war seine Expertise beim Zelteln gefragt, „abends saßen wir dann beisammen und sangen gemeinsam Lieder“, erinnert sich Christian Öhler, der damalige Pfarrer, der Reinhard auch als sehr verlässlichen Teilnehmer bei den pfarrlichen Schiwochen in Wagrain weiß. Reinhard Schöfecker wusste sich nicht nur auf dem Wasser oder auf Pisten gut zu bewegen, genauso liebte er möglichst weite Ausfahrten mit dem Wohnmobil. Dreimal Amerika, Neuseeland, Alaska, Kanada, das Nordkap und Marokko: „Manche Jahre verbrachten wir länger im Wohnmobil als in unserer Wohnung“, sagt Astrid, die sich jetzt an den vielen Fotobüchern erfreut, die Reinhard über jede Reise akribisch genau angelegt hat. Gerne hielt er über seine Reisen Powerpoint-Vorträge, dabei kam seine Begabung als humorvoller Rhetoriker voll zur Geltung, wie Freunde berichten. „Reinhard war ein genialer Lebenskünstler. Er erreichte mit minimalem Aufwand das Maximum“, schildert ihn Reinhard Bloch, ein Freund und Kapitänskollege, aber: „Auch wenn seine Persönlichkeit polarisiert hat und er nicht jedermanns Freund war, hatte er ein großes Herz“. Sohn Alexander bezeichnet ihn als „unheimlich aktiv, er war mein bester Freund“. In den letzten drei Jahren ging es gesundheitlich bergab. Seine angeborene Lungenschwäche machte sich mehr und mehr bemerkbar und er verkaufte das Wohnmobil. Realistisch wie Reinhard Schöfecker war, hat er sich auf seine letzte Reise, die er am 20. Jänner angetreten hat, gut vorbereitet.



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