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  • bert brandstetter

Regina Schnaars aus Elixhausen (1932 - 2020): Mit Fleiß und Bescheidenheit zur Firmenchefin

Fast nichts konnte sich die 12-jährige Regina aus ihrem Elternhaus im siebenbürgischen Draas mitnehmen, als sie 1944 mit ihren Eltern und den vier Schwestern von heute auf morgen den stattlichen Hof verlassen musste. Mit einem Pferdefuhrwerk legte die Familie den weiten und wegen vieler Schussattacken lebensgefährlichen Weg bis nach Österreich zurück, eingebettet in einen Treck vieler anderer Auswanderer. An der Grenze dann der nächste Schock für die ohnedies schon traumatisierten Flüchtlinge: Reginas Vater wurde in den Kriegsdienst nach Russland eingezogen, um später schwer krank wieder nach Siebenbürgen gebracht zu werden, wo er gestorben ist, ohne seine Familie je wieder gesehen zu haben. Regina kam mit ihren Verwandten in ein Flüchtlingsheim in Faistenau, ging dort zur Grundschule, begann eine Lehre in Salzburg und sie wohnte in einem Haus, in dem ein gewisser Gerhard Schnaars aus Bremen seinen Arbeitsplatz hatte. Auch ihn hatte der Krieg nach Salzburg geschwemmt. Die beiden verliebten sich und gründeten in der Steingasse eine kleine Familie. Beinahe wäre Regina mit ihrer Familie schon nach Kanada ausgewandert, hätte ihr Mann nicht die Chance bekommen, an seinem Arbeitsplatz einen neuen Zweig aufzubauen. Aus dem Zweig wurde ein eigenes Unternehmen für Tourismuswerbung, Gerhard und Regina waren damit Firmenchefs. Der Firmenname IGL kommt von den drei ersten Buchstaben des bis heute hochgeschätzten Geburtshelfers der Firma, Adolf Iglseder. Mit ihren 20 Angestellten engagierten sie sich für den Tourismus in Österreich und Jugoslawien, später kam Italien dazu. Regina war für die Buchhaltung und für die Lehrlinge zuständig. „Ihre Führung bewirkte, dass fast alle immer eine Auszeichnung bekamen“, berichtet Schwiegersohn Christoph. Mit ihrem Mann beschritt Regina Schnaars auch neue Wege, etwa durch die Gründung einer Sommerrodelbahn in Haag am Hausruck. „Die Frau Schnaars war eine so bescheidene Frau, die sich sehr um soziale Fragen gekümmert hat. Ihr war keine Arbeit zu schlecht, fast jedes Wochenende war sie mit ihrem Mann in Haag und sie hat hier sogar Kassadienst gemacht“, erinnert sich der ehemalige Haager Bürgermeister Franz Ziegelböck. Durchhaltevermögen zeigte sie mit ihrem Mann im Jugoslawienkrieg, der ihr dortiges Tourismusgeschäft bedrohte, sie aber trotzdem soziale Lieferungen zu den Kriegsopfern organisierte. „Meine Schwiegermutter war durch und durch Geschäftsfrau“, ergänzt Schwiegersohn Christoph, gleichwohl sie zugleich ein großes Herz für ihre Enkelkinder zeigte: „Oma war immer offen für uns und fröhlich“, bestätigt einer der sechs Enkel, der zu Omas großer Freude in „ihrer“ Firma bereits wieder Lehrling ist: „Sie hat so gut gekocht und wenn wir ihr im Garten geholfen haben, gab es auch immer ein wenig Taschengeld“. Seit den 1960-er Jahren wohnte die Familie in Elixhausen, einer Gemeinde im Salzburger Flachgau, wo die meisten ehemaligen Siebenbürger Sachsen untergekommen sind. Immer mit dabei: Ein alter Sessel, auf dem dereinst schon der betriebliche Geburtshelfer Iglseder gesessen und ihr daher heilig war. Bei siebenbürgischen Festen ließ sich Regina Schnaars eher selten sehen. Aber als es darum ging, für die evangelische Kirche in Elixhausen Glocken zu beschaffen, habe sie sich durch Spenden sehr aktiv eingebracht, bestätigen die Pfarrer der Gemeinde. Ein großer Tag war für sie im Vorjahr die Übersiedelung der Firma an einen neuen Standort in der Salzburger Nussdorferstraße. „Sie hat sich die Räumlichkeiten sehr interessiert angeschaut und war sehr angetan davon“, weiß eine Angestellte. Sehr gefreut hat sich die seit 2010 verwitwete Dame über Besuche, etwa zu runden Geburtstagen. Altbürgermeister Markus Kurcz beschreibt sie als „sehr angenehme Person, die ein erfolgreiches Lebenswerk hinter sich gebracht hat.“ Elixhausen verliere eine sehr wertvolle Mitbewohnerin. Ihre beiden Kinder und die sechs Enkelkinder verabschieden die tiefgläubige Regina Schnaars am Montag, 20. Jänner um 10 Uhr in der Evangelischen Honterus-Kirche in Elixhausen-Sachsenheim.



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