Suche
  • bert brandstetter

Dr. Rainer Nimmervoll aus Pabneukirchen (1976 - 2020): Frühes Ende einer richterlichen Karriere

Aktualisiert: Feb 10

Dieser eine Augenblick im Jahr 1988 hätte wohl viele Menschen völlig aus der Bahn geworfen: Der 12-jährige Rainer fährt rund um den elterlichen Bauernhof mit dem Moped, kollidiert mit einem PKW und ist seither querschnittsgelähmt. Auch für Rainer ändert sich dadurch das Leben. Anstatt das Gymnasium in Wilhering fortsetzen zu können, wechselt er nach der REHA an die Hauptschule Pabneukirchen. Sofort zeigt sich, dass der wissbegierige Bursch aber so aufgeweckt bleibt wie früher und überall so mitmacht, als würde er laufen. Nur das schulische Stiegenhaus wurde zur unüberwindlichen Hürde, wie sich der ehemalige Lehrer Robert Zinterhof erinnert: „Aber da schnappten ihn die Klassenkollegen samt dem Rollstuhl und trugen ihn hinauf“. An all den künftigen Lebensstationen des Rainer Nimmervoll sollte sich die erstaunliche Beobachtung bestätigen, dass seine Querschnittslähmung beinahe übersehen wurde angesichts seiner sonstigen Vitalität. Die HAK Perg verließ er mit ausgezeichneter Matura, sein Jusstudium absolvierte er in der Rekordzeit von acht Semestern, neun Monate später trug er den Doktortitel, die ausgezeichnete Richteramtsprüfung erfolgte 2003. Was folgte, war beileibe kein beschauliches Dasein als Richter. Nimmervoll engagierte sich mit Feuereifer für die Sache der Justiz: Er hielt Vorträge zu strafrechtlichen Themen vor Kollegen, er publizierte fachspezifische Bücher, von denen er zuletzt eines seinem 2004 tödlich verunglückten Bruder Franz Gerrit, ein anderes seiner „Mutter, ohne die Vieles nicht möglich geworden wäre“ gewidmet hatte. Dabei machte er im privaten Kreis kaum auf seine berufliche Karriere aufmerksam, „Rainer war da sehr zurückhaltend und wir kommen erst jetzt so langsam darauf, welchen Stellenwert er auf diesem Gebiet bereits hatte“, sagt Schwester Lisa Nimmervoll, auch bezogen darauf, dass ihr Bruder 2017 den Master der Juristerei erworben hatte. Dass er eine juristische Koryphäe war, bestätigt der Präsident des Landesgerichtes Linz, Andre Starlinger: „Wir verlieren mit ihm einen ganz besonderen Menschen, mit dem nicht nur der fachliche Austausch auf einem ganz hohen Niveau möglich war, sondern bei dem auch die besonders herzliche, fröhliche, stets positive Begegnung, sein hilfsbereites Streben ganz besonders hervorstachen.“ Vizepräsident Walter Eichinger ergänzt mit dem Verweis auf Nimmervolls publizistischen Nachlass: „In seinen Büchern ist er in meiner täglichen Arbeit gegenwärtig – stets habe ich im Journaldienst und in den Haftverhandlungen sein „Haftrecht“ bei mir.“ Journalisten wie Philipp Hirsch von den OÖN bescheinigen Dr. Nimmervoll als Richter „eine sehr kompetente Prozessführung, hohe Einfühlsamkeit, aber auch die nötige Härte“. Dass Nimmervoll sein Wissen sehr launig vorzutragen wusste, daran erinnert Oberstaatsanwalt Harald Winkler, der auch privat zu seinem seiner ganz engen Freunde zählte: „Mit seinem extrem hohen Wissen und seiner hohen menschlichen Qualität war er eine wichtige Stütze für den ganzen Kollegen- und Freundeskreis“. Nicht nur bei Gericht, seit zehn Jahren unterrichtete Nimmervoll das Fach Recht an der HAK Linz-Auhof und er sei wohl auch wegen seines interessanten Unterrichts nicht ganz unschuldig daran gewesen, dass immer wieder manche seiner Maturanten danach Jus studiert haben. „Er hatte einen perfekten Draht zur Jugend, verstand ihre Sprache und vermittelte ihnen Rechtsprobleme aus erster Hand“, beschreibt Direktorin Irene Ackerlauer ihren jetzt ehemaligen Kollegen. Nie sei er wegen seiner Behinderung das Opfer gewesen, selbst als an der HAK einmal der Lift streikte, habe er sich so wie früher völlig unkompliziert in den nächsten Stock tragen lassen. Überhaupt habe sich „Rockfan“ Rainer durch den Rollstuhl von nichts abhalten lassen: „Oft war er in Amerika, in Europa ist er herumgereist und er hat gelebt, als ob er nicht im Rollstuhl säße“, sagt seine Schwester Lisa. Der FC Bayern war obendrein seine große sportliche Leidenschaft und an Autos sei er ebenfalls sehr interessiert gewesen. „Ältere Modelle von Mercedes und Audi waren seine Favoriten, er hatte eine Riesenfreude, wenn er wieder alte Teile oder Radios fand, die er einbauen lassen konnte“, schmunzelt Freund Harald Winkler. Ein bösartiger Blasenkrebs verdunkelte das Leben von Rainer Nimmervoll, wenige Wochen vor seinem Tod gab er noch seiner letzten großen Liebe Franziska das JA-Wort, bevor er, begleitet von seiner Schwester Michi, als „geliebter und aufgehobener Mensch gegangen ist“. Vielleicht habe er in seinen nur 43 Lebensjahren mehr hineingepackt als mancher Mensch in doppelt so vielen Jahren. Rainer Nimmervoll wird am 14. Februar um 12 Uhr am Linzer Urnenhain verabschiedet.



1,338 Ansichten

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com