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  • bert brandstetter

Prof. Werner Jocher aus Linz (1950 - 2021): Ein musikalischer Allrounder

Wo immer in den 1970-er Jahren die fünf „Tornados“ auf Bällen oder anderen Feiern für Stimmung sorgten, war er mit dabei. Er saß am Keaboard oder ließ über das Mikro seine Stimme erschallen und war unverzichtbar für die Truppe, zu der ihn sein Lehrerkollege Fredi Wiesinger geholt hatte, weil ihm Werner Jocher als außergewöhnlicher Musiker aufgefallen war. „Bis zu 70 mal sind wir jährlich an Wochenenden aufgetreten damals, und das neben unseren Berufen“, erinnert sich Wiesinger an die „schöne, aber anstrengende Zeit“, die sie durch halb Österreich geführt hat. Werners Brotberuf war die Schule. In Leonding war er einer der Betreiber für die Gründung der Musikhauptschule. Mit dem Schülerchor dieser Schule gewann er später sogar das Bundesjugendsingen, eine werbewirksame Auszeichnung, die den musikalischen Rang dieser Schule und ihres Chorleiters auf Jahre hinaus absichern sollte. Werner Jocher nahm neben seiner schulischen Tätigkeit in Leonding gerne auch die Aufgabe an, den Chor der damaligen Pädagogischen Akademie zu übernehmen, in dem er einst als Lehrer-Student selbst mitgesungen hatte. Um die Stimmen seiner Sänger möglichst gut klingen zu lassen, konzentrierte sich Jocher auf eine professionelle Stimmbildung. In diesem wissenschaftlichen Bereich brachte er es wegen seiner zahlreichen Lehrbücher zu überregionaler Bekanntheit in Fachkreisen. Sogar mit der Universität Wien kooperierte er über Sing- und Sprechstimmen von 8-10-jährigen Volksschulkindern. Weiters geht die Software „VidiVoice“ zur standardisierten Stimmfeldmessung auf sein Konto. Längst war die Anton Bruckneruniversität auf den umtriebigen Pädagogen aufmerksam geworden, der sich nebenher am Salzburger Mozarteum zum klassischen Sänger hatte ausbilden lassen. Er bekam einen Lehrauftrag ganz passend zu seinen Interessen: „Gesang und Stimmbildung“. Goldschmied oder Schlagzeuger. Diese beiden Berufe standen ursprünglich auf der beruflichen Wunschliste des jungen Werner. Oder vielleicht Fußballer, weil er als Kind stundenlang mit Freunden kickte. Sanft geführt von seinen Eltern versuchte er sich in frühen Jahren aber auf dem Klavier, kombiniert mit seiner Ausbildung zum Lehrer waren die früheren Berufsträume bald vergessen. „Als ich ihn an der damaligen Pädak unterrichtet habe, war er durch frühere Band-Auftritte bereits ein routinierter Pianist und Musiker“, sagt der spätere Landesschulinspektor Herbert Saxinger. „Seine freundlich, engagierte und durchaus auch ehrgeizige Wesensart war ihm bei seiner Karriere sicher behilflich“. Das bestätigt Fredi Wiesinger, sein Kollege von den Tornados: „Beim Werner musste alles möglichst perfekt sein“. Um diesem Anspruch zu genügen, holten die beiden einst ein spezielles Mischpult aus London. Erstmals in Österreich saß von da an ein eigener Tonmischer gegenüber der Bühne. Werners Ziel: die Tornados müssten live so gut klingen wie aus der Stereoanlage. Als der bekannte Linzer Elvis-Interpret Ty Tender einst auf der Suche nach einer Band war, ging er auf die Tornados zu und wieder war es Werner Jocher, der dessen Show mit Sängern und Instrumenten arrangierte. „Konzertmeister“ nannten ihn seine Freunde daher spaßweise. Jocher spielte nach wie vor, komponierte auch und untermalte so manchen bekannt gewordenen Werbejingle im Fernsehen, jedoch: „die ganz guten Gagen dafür hat immer das Tonstudio gefressen“, bedauert Fredi Wiesinger, zugleich: „Wir machten es ja in Wahrheit als Hobby“. In die Zeit der ersten Tornado-Auftritte fällt seine erste Heirat, aus der die Kinder Christoph und Katharina stammen. Deren Liebe zur Musik führen sie auf die musikalisch-kreative Erziehung ihres Vaters zurück. Seine zweite Ehefrau Sabina hat Werner bis zu seinem Tod begleitet. In der Pension taten sich die Tornados noch einmal in alter Formation zusammen, um 2015 auf dem Leondinger Stadtplatz 1000 Besucher zu begeistern. In seiner Pensionszeit entdeckte Jocher die Freude am Tennis, bis zu fünfmal die Woche spielte er mit Freunden im Keferfeld. Ein schleichend auftretender Hirntumor lähmte Werners Aktivitäten zusehends. Seine Familie mit den vier Enkelkindern trauern um ihn mit vielen Freunden und musikalischen oder sportlichen Weggefährten.



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