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Prof. Nikolaus Wipplinger aus Linz (1937 - 2018): Ein Sir der alten Schule

Es muss ein ganz besonderes familiäres Biotop gewesen sein, in das 1937 den Mühlviertler Eheleuten Wiplinger wenige Tage vor dem Nikolaustag ein Bub geboren wurde. Der Einfachheit halber wurde der Neugeborene gleich Nikolaus getauft. Er war das 9. Kind seiner Familie, ein 10. sollte noch folgen. Die Eltern der großen Schar betrieb am Haslacher Marktplatz eine Gemischtwarenhandlung, aber: es gab auch ein Klavier. Dieses Instrument hatte es ganz besonders dem kleinen Nikolaus angetan, so sehr, dass er ab dem 5. Lebensjahr unterrichtet werden konnte. Dass das Klavier jedoch zur Lebensbestimmung des Kleinen werden sollte, war damals dennoch nicht abzusehen. Er kam an das Petrinum nach Linz, nach der Matura ließ er sich zum Lehrer ausbilden, studierte zeitgleich aber sein Instrument weiter: am Mozarteum in Salzburg und an der Musikakademie in Wien. Nach ersten nennenswerten öffentlichen Solo-Auftritten mit dem Brucknerorchester, den Tonkünstlern oder dem Mozarteum-Orchester war für damalige Zeiten ein Star geboren. Seine Heimat Oberösterreich, wo er inzwischen am damaligen Brucknerkonservatorium zu unterrichten begonnen hatte, wusste das zu schätzen. Regelmäßige Auftritte beim Brucknerfest waren ihm sicher, Wiplinger absolvierte aber auch Konzertreisen nach Europa, China, Japan und Korea. „Papa erlebte ich vor allem übend, immer wieder hatte er aber auch Zeit zum Spielen“, erinnert sich Klaus, einer seiner beiden Söhne, der selbst zum Musiker geworden ist und vom Papa persönlich unterrichtet wurde. Nicht nur er, sondern auch alle anderen Schüler der Klasse Wiplinger fühlten sich einer ganz besonderen Familie zugehörig, die der Professor wie ein Vater betreute, förderte und auch nach dem Abschluss nicht mehr aus den Augen ließ. „Ein Sir der alten Schule“, beschreibt ihn einer seiner Kollegen der heutigen Anton Bruckner Privatuniversität. 15 Jahre lang betreute Prof. Wiplinger auch im ehemaligen Kloster Pulgarn bei Steyregg eine Konzertreihe als Intendant. Das Haslacher Biotop, dem er entspross, war wirklich ein ganz besonderes: wie er erlangten zwei weitere Geschwister überregionale Berühmtheit: sein älterer Bruder war der Philosoph Fridolin Wiplinger (1932 – 1973, sein jüngerer ist der Autor Peter Paul Wiplinger (1939).



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