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  • bert brandstetter

Prof. Fridolin Dallinger aus Eferding (1933 - 2020): Musiker, Maler und Mensch

„In meiner Familie gibt es nur Musiker und normale Menschen“. So ironisch antwortete der Professor manchmal, angesprochen auf seine Herkunft. Bei ihm ist eindeutig die Musik durchgeschlagen, genauso wie bei seinem Vater Josef, der als Hauptschullehrer einst die Musikschule in Eferding gegründet hat. Das musikalische Talent seines Sohnes Fridolin ist bald aufgefallen. Geige und Klavier spielte er im Nu, mit 12 versuchte er erste Kompositionen, schon mit 16 war er Schüler von Helmut Eder am Konservatorium, ab 20 studierte er Komposition bei Robert Schollum. Daneben ließ er sich zum Volksschul-Lehrer ausbilden, unterrichtete in Eferding und St. Leonhard bei Freistadt, später an den Musikschulen von Eferding und Waizenkirchen. Zeitgleich erwarb Dallinger am Salzburger Mozarteum die Lizenz für den Musikunterricht an Höheren Schulen. Ab 1975 war er Professor an der Pädagogischen Akademie der Diözese, von den Studenten hochverehrt wegen seines Könnens und ebenso geschätzt wegen seines freundlichen Wesens. „Kollege Dallinger verstand es, aus jedem Motiv eine brauchbare Komposition zu machen“, staunt Herbert Saxinger, der spätere Landesschulinspektor, der als Leiter des ehemaligen Linzer Kammerchores zahlreiche Werke Dallingers zur Uraufführung brachte. „Mit Fridolin konnte man aber auch ganz herrlich blödeln, er war ungemein liebenswert“, sagt Saxinger. Wieviele Werke er komponiert hat, ist nicht zu sagen, vermutlich waren es über 200, Dallinger führte in seiner manchmal ein wenig chaotischen Art nicht Buch darüber. Bekannt sind neben seinen Symphonien einige Messen, die Oper „Asinus Rex“, das Ballett „Die sieben Todsünden“, das Musical „Die Goldenen Zwanziger“, das Oratorium „Der Turmbau zu Babel“, mehrere Kantaten und zahlreiche Lieder. Alle denkbaren Bundes- und Landespreise, sowie die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Eferding zeugen von der Anerkennung der Öffentlichkeit für diese Werke. „Fridolin Dallinger war in seiner Heimatstadt hoch geschätzt, nicht nur wegen seiner kompositorischen Tätigkeit, sondern auch als gern gesehener Mitbürger“, sagt Bürgermeister Severin Mair, der zuletzt bei ihm war, als dessen 85. Geburtstag gefeiert wurde. Dallinger saß auch dem künstlerischen Beirat des Heinrich Gleißnerpreises vor und hatte starken Einfluss auf dessen Vergabe. „Geh Landeshauptmann, hast nicht wieder einmal Zeit auf einen Kaffee“, fragte er mitunter beim damaligen Landeshauptmann Josef Pühringer an. Im Gespräch machte er auf die Situation der zeitgenössischen Künstler aufmerksam, die nicht vergessen werden dürften. Aus den vielen Kontakten entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Dallinger und Pühringer. „Er war immer zur Stelle, wenn wir etwas gebraucht haben und zeigte sich stets enorm liebenswert“, sagt Pühringer. Nicht zu vergessen ist bei Dallinger seine zweite große Leidenschaft, die Malerei. Schon als Kind schuf er die ersten Bilder, die Zahl seiner seither entstandenen Ölgemälde ist unübersehbar. Freunde kamen jährlich in den Genuss seiner selbst gemalten originellen Weihnachtskarten. Privat war Fridolin Dallinger ein Genussmensch. „Mein Mann liebte gutes Essen, vor allem die italienische Küche hatte es ihm angetan“, erzählt seine Gattin Margarete, „aber auch unsere Hausmannskost oder Wildbret hat ihm sehr geschmeckt“. Immer öfter übernahm er für seine Frau zuletzt die Einkäufe, „er wollte sicher sein, dass das Richtige daheim ist“, sagt Margarete schmunzelnd. Riesenfreude hatte Dallinger an seinem Schäferhund, später am Dackel seiner Tochter. Urlaube führten die Familie Dallinger mit den zwei Kindern nach Italien, Frankreich und Kroatien. Am Steuer saß immer der Vater, der seine Frau auch noch in den letzten Lebenswochen, als er schon schwach und müde wurde, gerne in die Scharten ausführte. Es ist auch noch nicht so lange her, dass er mit dem Rad rund um Eferding seine Runden drehte oder zum Stammtisch der Eisschützen fuhr. Irgendwo muss er sich bei seinen Kontakten das Corona-Virus eingefangen haben. Es sollte eine tödliche Begegnung werden. Die Ehefrau, die beiden Kinder, vier Enkel und zwei Urenkel trauern neben vielen Schülern und Künstlerkollegen um einen großen Menschen.




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