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Prof. Dr. Gerald Egger aus Linz (1929 - 2019): Chronist von Land und Leuten

Aktualisiert: 22. Dez 2019

Heutige junge Lehrer würden es als Strafversetzung empfinden, was Gerald Egger und seiner jungen Frau Gertrud in den 1950-er Jahren passiert ist. Die beiden wurden nach wenigen Dienstjahren in das hinterste Mühlviertel an eine zweiklassige Volksschule versetzt. Die Schule in Haid bei Königswiesen war zwar ganz neu, das Leben und der Unterricht dort aber doch ganz anders als in der Großstadt. Anstatt viel zu jammern begannen die beiden, sich mit der Situation zu arrangieren. Statt einer automatischen Zentralheizung galt es, gemeinsam mit den Schülern täglich die Öfen einzuheizen. Vor dem Schulhaus gediehen jede Menge Kräuter und Gemüse für die Lehrerfamilie, die inzwischen um drei Kinder angewachsen war und direkt in der Schule wohnte. Für Gerald war es eine Art Heimkehr zu seinen Mühlviertler Wurzeln, die in Lasberg ihren Anfang genommen hatten. Bescheiden zu leben war ihm nicht fremd. In Lasberg war der Vater wohl Gendarmerie-Kommandant, daneben führten die Eltern aber auch ein Gasthaus mit Bäckerei samt kleiner Landwirtschaft. Überall mit anzupacken war für ihn und seine beiden Geschwister eine Selbstverständlichkeit. Zugleich bekam Gerald dort und später in Haid die Eigenart der Mühlviertler mit ihren Bräuchen und Riten hautnah mit, was ihn mehr und mehr zu interessieren begann. 1961 dann die für eine inzwischen fünfköpfige Familie ziemlich drastische Entscheidung des 32-jährigen Pädagogen: er nahm in Wien das Studium der Volkskunde und Germanistik auf. Möglich war das, weil die Eggers inzwischen auf den Linzer Froschberg übersiedelt waren und Gerald wieder in Linz unterrichtete, während Gattin Gertrud die Kinder und den Haushalt schaukelte. Fast täglich pendelte Egger nach dem Unterricht an die Universität nach Wien. Die Mühe der Doppelbelastung machte sich jedoch bezahlt, acht Jahre später promovierte Egger mit Auszeichnung zum Doktor der Philosophie. Trotz eines Angebotes an das Volkskunde-Institut in Wien zog er eine Berufung als Professor an die Pädagogische Akademie des Bundes in Linz vor. „Das hat er nie bereut“, sagt sein Sohn Martin, „Vater hat nie über die Mühen des Unterrichtens geklagt“. Einer der Schüler Eggers war der spätere Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer, der den Professor als „immer unaufgeregt, ruhig und sachlich“ erlebt hat. Das gute Vorbild scheint Früchte getragen zu haben, drei Egger-Kinder landeten neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ebenfalls im Schuldienst, ein weiterer Sohn in der Pharmazie, die bereits verstorbene Tochter in der Medizin. Die Fächer Eggers waren Deutschdidaktik und Medienpädagogik. Tiefreichende Erfahrung sammelte er im Letztgenannten fast „immer und überall“, wie Sohn Martin sagt, „natürlich hatte mein Vater auch im Familienurlaub in Italien immer die Kamera dabei“. Daheim waren es die Brauchtümer seiner Landsleute im Mühlviertel, die er liebend gerne aufnahm und filmte. Weil das damals doch noch unüblich war, zeigte er die Dokumente in unzählig vielen Vorträgen. Daneben verfasste der Professor wissenschaftliche Bücher über Brauchtum und Volkskultur. Genehmigte er sich einmal Freizeit, suchte er gerne die verschiedensten Flohmärkte auf, wo er viele Händler seit Jahren kannte und sich mit ihnen kameradschaftlich unterhielt. Eine abschließende Einkehr im Klosterhof rundete manch solchen Ausflug ab. Die letzten Lebensjahre machte ihm ein Herzleiden zusehends zu schaffen, es hinderte ihn aber nicht, regelmäßig zur Abendmesse in den Linzer Dom zu kommen, wo vor wenigen Tagen das Requiem für ihn gefeiert wurde. Seine Gattin Gertrud, mit der er fast 70 Jahre verheiratet war, vier Kinder und fünf Enkelkinder verabschiedeten ihren herzensguten Opa.



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