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Prim. Dr. Otmar Pachinger aus Wels (1944 - 2019): Kein Gott in Weiß

Priester, Lehrer oder Arzt. Vor diesen Alternativen stand Otmar Pachinger nach seiner Matura im Welser Gymnasium Schauerstraße. Er war Vorzugsschüler und hätte sich eine Tätigkeit als Pädagoge gut vorstellen können. Als Ministrant war ein geistlicher Beruf für ihn ebenfalls nicht ausgeschlossen. Doch schlussendlich entschied sich Pachinger, der mit seinen Eltern und drei Brüdern in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus Wels lebte, für die Medizin. Den Doktortitel „sub auspiciis“ verlieh ihm Bundespräsident Franz Jonas. Seine erste Wirkungsstätte war in Wien, danach im deutschen Freiburg im Breisgau. Dort erlebte er eine schicksalhafte Begegnung: er lernte Carolyn kennen, die nach einem schweren Schiunfall mehrere Wochen im Spital verbringen musste. Die gebürtige Amerikanerin hatte in den USA Germanistik studiert und war zum Unterrichten nach Baden-Württemberg gekommen. Aus anfänglichem Englisch-Unterricht zum Aufpolieren seiner Englisch-Kenntnisse wurde eine Beziehung, die zur Heirat führte. Gemeinsam zogen sie nach Kalifornien, wo Pachinger an unterschiedlichen Universitätskliniken wertvolle Erfahrungen sammelte. Ab 1974 ging er als Oberarzt an das AKH Wien. In Wien komplettierte sich die Familie durch die Geburt von drei Töchtern. 1986 kehrte Pachinger für elf Jahre zurück in seine Heimatstadt Wels als Vorstand der 2. Internen Abteilung. Sein Ruf als exzellenter Herzspezialist führte 1997 zu einer Berufung an die Universität Innsbruck, wo er eine kardiologische Abteilung aufbaute und bis zu seiner Pensionierung 2013 leitete. Dort galt er als Macher, der von seiner Mannschaft dasselbe verlangte, was er selbst zu bringen versuchte. Innerhalb weniger Jahre wurde seine kardiologische Abteilung zu einer internationalen Top-Adresse. „Prof. Pachinger zog Patienten vom Burgenland bis nach Bayern an, weil er sein hohes Können mit einer unglaublichen Empathie zu verbinden wusste“, sagt sein Kollege und Freund Prof. Peter Knoflach, der seinem verstorbenen Kollegen gerne zugesteht, „DER Kardiologe Österreichs“ gewesen zu sein. „Er war ein wirklicher Könner, aber absolut nicht abgehoben. Zu ihm konnte jeder kommen, meist setzte er sich an die Bettkanten seiner Patienten und erklärte jedem den weiteren Vorgang“, erinnert sich Dr. Knoflach. Die Wurzeln seiner bescheidenen Lebensweise dürfte in seinem Elternhaus gelegen sein, wo es nach dem Krieg nötig war „jeden Schilling“ zu sparen. Die Freizeit, die sich Otmar Pachinger gönnte, verbrachte er früher gerne einmal Fußball, fuhr Schi, oder begab sich in späteren Jahren zu seinen rotarischen Freunden. Wichtig waren ihm weiters Reisen mit seiner Familie. Liebend gerne war er mit seinen vier Enkelkindern zusammen. In seiner Pension baute er eine Ordination auf und amtierte als Präsident des Österreichischen Herzfonds. Höchste Wertschätzung gesteht ihm sein Nachfolger als Herzfonds-Präsident Peter Siostrzonek zu. Waren es die Strahlen, denen er berufsbedingt über 40 Jahre ausgesetzt war oder liegt die Ursache anderswo: Otmar Pachinger wurde von einem sehr aggressiven Krebs getroffen. „Nicht viel drüber reden, tapfer sein“, scheint seine Devise gewesen zu sein. Er soll auch gemeint haben, dass es vielleicht sogar ein tröstlicher Gedanke war, in der Aufopferung für seine Kardiologie das Leben verloren zu haben. „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll“. Dieses Goethe-Zitat steht auf der Parte von Otmar Pachinger.



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