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P. Burkhard Zanzerl (1934 - 2018): Mädchen für alles in Schlierbach

„Wahrscheinlich war die Schwerhörigkeit die Ursache für den Unfall“, vermutet Abt Nikolaus Thiel, warum sein Mitbruder am Morgen des Stephanitages auf einer eigentlich wenig befahrenen Kreuzung ein Auto übersehen und von diesem erfasst wurde. „Ich denke, er hat das Auto nicht kommen gehört.“ Dem 81-jährigen Zisterzienserpater war nicht mehr zu helfen, er starb an Ort und Stelle. „Wir haben noch mitsammen gefrühstückt, Pater Burkhard war gut gelaunt wie immer“, erinnert sich Abt Nikolaus, der wenige Stunden später dann die traurige Nachricht vom Tod seines Mitbruders entgegennehmen musste. Das Fahrrad war das bevorzugte Verkehrsmittel von Pater Burkhard, er ließ sich nur ungern mit dem Auto chauffieren und sagte immer: „Das Fahrrad tut mir gut“. Wegen seiner Schwerhörigkeit, die schon während seiner Studienzeit einsetzte, besaß er auch keinen Führerschein. Spüren ließ der Pater dieses gesundheitliche Manko nicht, obwohl ihm deswegen sogar der Abschluss seines Studiums der Germanistik und Anglistik versagt blieb. Pater Burkhard war da, wo er gebraucht wurde: als Aushilfsprofessor am Gymnasium, als Klerikermagister und Novizenmeister, als Stifts-Imker und Buchhalter in der Käserei oder als Erzieher im Internat, um nur einige seiner Funktionen zu nennen. Über sich selbst sagte er gern, befragt nach seiner Tätigkeit: „Ich bin Mädchen für alles“. Besonders gefragt war der Pater bei seinen jungen Kollegen, vor allem bei jenen, die aus dem Ausland in die Gemeinschaft gekommen waren. Ihnen half er beim Verbessern der deutschen Sprache und er korrigierte ihre Predigtversuche. „Man musste halt laut mit ihm sprechen“, weiß Abt Nikolaus um diese individuelle Besonderheit seines Kollegen, der ansonsten außergewöhnlich fit war und dessen Humor in guter Erinnerung bleiben wird. Große Gesellschaften mied Pater Burkhard lieber, umso mehr engagierte er sich in akustisch leichter fassbaren Kleingruppen wie den Tarockierern. Diese seine Leidenschaft gab er sogar in Kursen im Bildungszentrum weiter. Herzlich verbunden war er bis zum Tod den Besuchern der Schlierbacher Filialkirche St. Ubald in Sautern. Mit ihnen feierte er zu Stephani noch Gottesdienst, bevor er sich mit dem Rad auf den Weg machte, um einem älteren Ehepaar die Kommunion zu bringen. Bei ihnen sollte er wegen des tragischen Unfalls nicht mehr ankommen.



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