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P. Benno Wintersteller (1940 - 2018) Wandelndes Lexikon im Ordenskleid

Der Unterricht bei Pater Benno muss faszinierend gewesen sein. So sehr, dass Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl noch heute davon schwärmt: „wann immer es möglich war, stellte Pater Benno vom aktuell zu behandelnden Thema in Deutsch einen Bezug zu anderen Disziplinen her, zur Kunst, zur Philosophie usw. Sein Unterricht verlief nicht linear, sondern synoptisch und fächerübergreifend“. So ruhig und bescheiden der Benediktiner war, so aufbrausend und emotional konnte der „Professor alter Schule aber werden, wenn etwas gegen seinen Strich ging. Deutsch und Englisch waren die Fächer, die er im Stiftsgymnasium unterrichtete, seine Interessen gingen aber weit darüber hinaus. Besonders angetan hatte es ihm die Musik. Leidenschaftlich gern sang er Choral, 20 Jahre übte er im Stift auch das Amt des Choralmagisters aus, im Kirchenchor sang er bis zuletzt mit. Pater Benno war aber auch Kunstsammler, „er verwaltete die umfangreiche Briefmarkensammlung des Stiftes“, sagt Abt Ambros Ebhart, der seinen Mitbruder als streng, aber menschenfreundlich bezeichnet. „Er war ein sehr geschätzter Lehrer der alten Schule“. Massiv zu schaffen machte Benno die Missbrauchsaffäre im Stift. Sie ging im sehr zu Herzen und auch er „konnte nicht verstehen, wie so etwas vorfallen konnte“, sagt Abt Ambros. Ein ganz besonderes Steckenpferd war das Reisen, ganz besonders oft zog es ihn als gefragten Reisebegleiter nach Rom. Die ewige Stadt kannte er bis ins Detail, hatte er doch dort auch vier Jahre lang studiert. Seine Reisegäste erfuhren daher etwa vom Petersdom jede Besonderheit, „manchmal vielleicht auch ein wenig zu viel davon, weil sie das alles ja gar nicht mehr aufnehmen konnten“, sagt Abt Ambros schmunzelnd. Benno wird als wandelndes Lexikon beschrieben. Mit Stiftspfarrer Pater Arno Jungreithmair, dessen Kaplan Pater Benno zuletzt war, besuchte er noch vor zwei Jahren Brasilien, wo das Stift Kremsmünster in Barreiras eine Missionsstation betreibt. „Dreimal war er drüben, beim letzten Mal machten sich aber schon gesundheitliche Probleme bemerkbar“, erinnert sich P. Arno. Reisen, gut essen und trinken waren ihm wichtig und „eigentlich sind mit ihm alle immer gut ausgekommen“, sagt Pater Arno, der die verlässlichen Dienste seines Kaplans besonders in Kirchberg hoch geschätzt hat. Dort kamen die Kirchenbesucher jeden Faschingsonntag in den Genuss selbst verfasster Reime ihres Priesters. Am heurigen Faschingsonntag baute er für alle überraschend den Dank an seine Mitarbeiter ein, „so als wolle er sich verabschieden“, sinniert Pater Arno. Ein Jahr lang litt er am Krebs seiner Bauchspeicheldrüse, sein Leiden trug er nicht nach außen, sondern er sagte jedem Besucher, es gehe ihm gut.


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