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P. Benedikt Pitschmann (1932 - 2018): Zwei Seiten eines Mönches

Ein ganzes Jahr musste sich der junge Benediktiner Klaudius Wintz aus dem deutschen Rheinland gedulden, bis ihn sein Mitbruder Pater Benedikt des ersten Wortes würdigte. „Bei ihm galt es, eine Schwelle, einen Eispanzer zu überschreiten, um in Kontakt zu kommen“, so beschreibt Pater Klaudius den Verstorbenen, mit dem er dann aber recht guten Kontakt pflegte. „Ganz einfach war P. Benedikt sicher nicht, er hatte einfach zwei Seiten“, gesteht auch Kellermeister P. Siegfried Eder, der ihn noch als seinen Erzieher im Stiftsinternat kennen gelernt hat. „Da war er pingelig genau, später als Professor für Geschichte verstand er es aber sehr gut, den Unterricht mit vielen Geschichten aufzulockern“.

In das Stift Kremsmünster kam der junge Leo Pitschmann über Mannersdorf am Leithagebirge, wo seine Familie zunächst wohnte und von wo aus er die ersten Gymnasialjahre in Wien erlebte. Als seine Eltern mit den 4 Buben nach Pettenbach zogen, kam Leo in das Stift, wo er beim Eintritt in den Orden den Namen Benedikt übernahm. Er studierte Philosophie am Stift, die Theologie vier Jahre lang in Rom, danach aber auch noch Geschichte und Deutsch an der Universität Wien, die er als Doktor phil. verließ. Klar, dass er mit dieser guten Ausbildung Jahrzehnte lang als Professor am Stiftsgymnasium eingesetzt wurde. Aber nicht nur das: er war auch Stiftsarchivar und Chef der Klosterchronik. Dort konnte er seiner Leidenschaft nachgehen, sich über alles und jedes ein eigenes Bild zu machen. „Er war berüchtigt für Nebenbemerkungen“, sagt Pater Klaudius. „Auch bei der Abtwahl vom vergangenen Freitag hätte er es nicht damit belassen, dass Abt Ambros wiedergewählt wurde, sondern er hätte das Geschehen wohl mit einem persönlichen Kommentar versehen“. Menschen und Situationen aus dem Augenwinkel heraus genau zu beobachten scheint die besondere Spezialität Pater Benedikts gewesen zu sein. Pater Klaudius: „In seiner Amtszeit als Chronist hatte er für jeden Mitbruder bereits eine fertige Parte für den Todesfall vorbereitet, nur das Sterbedatum fehlte noch“. Die eine Seite von Pater Benedikt war das eher Eigensinnige, das so typische „Knurren in der Stimme“, wie P. Klaudius sagt. Seine andere Seite war das auffällig Humorvolle. „Mit seinen unzähligen Anekdoten konnte er die ganze Klostergemeinschaft unterhalten“, wissen seine Mitbrüder, die immer wieder über sein detailgenaues Gedächtnis und sein Gefühl für Situationskomik gestaunt haben. Die Mitbrüder konstatieren eben zwei Seiten einer Persönlichkeit: „einerseits sehr zurückhaltend, andererseits und manchmal wohl auch über die Grenzen gehend zugänglich“. Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Pater Benedikt großteils in der stiftseigenen Krankenabteilung. Auch die von ihm so geliebten seelsorglichen Sonn- und Feiertags-Aushilfen in seiner Heimatgemeinde Pettenbach waren ihm nicht mehr möglich.



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