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  • bert brandstetter

Otto Dirnberger (1931 - 2020): Eine starke Spur durch Enns

„Willst du, dass dich Otto lobe, atme vor und nach der Probe!“ Aufforderungen wie diese bekamen Sänger des Ennser Singvereins recht oft zu hören, wenn sich ihr Dirigent Otto Dirnberger eine gesungene Phrase ohne jede Unterbrechung vorstellte. „Einen ernsten Hintergrund witzig zu verpacken“, das war geradezu die Spezialität des studierten Pädagogen, den ehemalige Sängerinnen wie Helga Schobesberger und Schüler gleichermaßen als „sehr genau, aber humorvoll“ charakterisieren. Otto Dirnberger war in Enns eine Legende, bei weitem nicht nur in Musikerkreisen. Legendär war er als Lehrer und Direktor der Hauptschule, die er konsequent in eine Musikhauptschule umwandelte. Christoph Thiel, ehemals Schüler und jetzt selbst Lehrer erinnert sich aber auch daran, dass Dirnberger nichts zu dumm war, wenn es darum ging, die Stimmung in der Schule lebendig zu erhalten: „Der Herr Dirnberger fuhr zum Beispiel im Schikurs vor allen Schülern mit Kollegen um die Wette den Hang hinunter“. Johann Mayrhofer, der ihm 1991 als Direktor nachgefolgt war, findet ebenfalls nur lobende Worte über den „besten Chef“, den er je hatte: „Er war einfühlsam, gerecht und wertschätzend. Genauso wie man sich einen guten Lehrer vorstellt“. Dass Otto Dirnberger neben der Schule genug anderes zu tun hatte, konnte man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Aber er war 20 Jahre in der Ennser Stadtpolitik aktiv: Als SPÖ-Gemeinderat, Stadtrat und Vizebürgermeister. Sein Engagement für die Kultur ist sogar dem heutigen Bürgermeister Franz Stefan Karlinger noch präsent, wenngleich die beiden von alters wegen nicht gemeinsam Politik machten. „Ich lernte Otto aber noch kennen und schätze ihn als ungemein ausgleichenden Menschen“, sagt der Ennser Bürgermeister, der Dirnberger noch im Jänner beim Ennser Neujahrskonzert begrüßen konnte. So verbindlich Dirnberger war, so konsequent und streng konnte er sich zeigen, wenn etwas nicht nach seinem Geschmack verlief. Als junger Kapellmeister von Ebelsberg habe er einst den Taktstock zornig weggelegt, weil die Musiker zu viel Bier getrunken hatten. Seine Devise war: Am Tag vor einem Konzert kein Alkohol. Umso herzlicher konnte Otto mit seinen Kameraden und Sängern aber feiern, wenn ein Auftritt erfolgreich absolviert war. Unvergessen war ihm sein Dirigat von Haydns Schöpfung beim 750-Jahr-Jubiläum der Stadt Enns, bei dem alle Ennser Chöre und das spätere Brucknerorchester von dem erst 31-jährigen Otto Dirnberger geleitet wurden. Genauso unvergessen war es aber auch, als er selbst 2005 mit einem seiner Enkelkinder Trompete blasend beim Stefaniekonzert auf der Bühne stand. Manche seiner Konzerte waren bahnbrechend, etwa in der Basilika St. Laurenz, als es nach einer Aufführung entgegen der Anweisung des gestrengen Pfarrers Marckhgott frenetischen Applaus gab und der Kirchenmann diesen dann doch wohlwollend gelten ließ. Dass Dirnberger Musiker wurde, erfüllte anfangs seine Familie mit wenig Freude. Die Mama war Trafikantin in Ebelsberg, der Papa Eisenbahner. Der Bub sollte etwas „Ordentliches“ werden. Mit sieben begann er Geige zu spielen und musste wegen des Unterrichts zu einer Tante in das Linzer Zaubertal ziehen. Nach der Hauptschule traf der Familienrat die Entscheidung, dass Otto die Lehrerbildungsanstalt besuchen solle. Zugleich studierte er am Brucknerkonservatorium neben Geige als Zweitfach Horn und noch Trompete. Ausgezeichnet mit der Bruckner-Plakette gelang ihm die Aufnahme in den Linzer Konzertverein und er trat als Musiker, bzw. Dirigent in verschiedenste Ensembles ein. Privat vermählte sich Otto mit der Ennser Lehrerin Trude, die er schon lange zuvor kennen gelernt hatte. Um das erträumte Haus zu finanzieren, ließ sich Otto während der Ferien als Trompeter gerne von den „Linzer Buam“ engagieren und lernte mit ihnen halb Europa kennen. „Als Kinder waren wir viel mit Papa unterwegs, auf Zeltlagern zum Beispiel, aber er hatte immer so viel zu tun“, bedauert Sohn Klaus, der wie sein Bruder Haimo aber oft einer der Musiker in den von Papa dirigierten Ensembles war. „Der Sinn des Lebens ist es, eine Spur zu hinterlassen“, soll Dirnberger manchmal philosophisch gesagt haben. Zugleich unterstrich er durch sein Leben die Bedeutung sozialer Beziehungen zu Kollegen und Freunden und er legte Wert darauf, die Leistung anderer zu würdigen. Gattin Trude, die beiden Söhne, 6 Enkelkinder und ein Urenkerl trauern um ihren Opa, der am 14. Februar um 14 Uhr in der Basilika Enns-St. Laurenz verabschiedet wird.



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