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OSR Kons. Anton Kapl aus Bad Leonfelden (1933 - 2021): An ihm kam kein Künstler vorbei

Kaum war ein Konzert zu Ende, stand Anton Kapl schon vor der Garderobentür, um vom jeweiligen Star ein Autogramm zu erbitten. „Einige hundert Autogramme werden es schon sein, die in den Künstlerbüchern meines Vaters zu finden sind“, vermutet Sohn Johannes. Fein säuberlich in seiner sprichwörtlich schönen Schrift vermerkte Kapl natürlich das Datum und die Art des Konzertes. Schön schreiben zu können war ihm als Lehrer ganz besonders wichtig und er machte davon reichlich Gebrauch. In früheren Zeiten traten viele Vereine an Kapl heran, um für sie Urkunden aller Art zu gestalten, was er gerne ausführte. Dem Kopierer wie überhaupt der digitalen Technik stand er eher skeptisch gegenüber. „Der Toni hat uns immer aufgefordert, die Kinder viel schreiben und weniger kopieren zu lassen“, erinnert sich Elisabeth Hofer, die als spätere Kollegin selbst einmal Schülerin von Anton Kapl war: „Er hat uns soviel gezeigt und viel mit uns gesungen, wir haben ihn wirklich geliebt.“ Vieles, was sie durch Kapl erfahren hat, sei in ihr eigenes Lehrerinnen-Leben eingeflossen, sagt sie dankbar. Lehrer zu werden war nicht die erste Wahl von Anton Kapl. Mit 13 malte er Bilder, von denen heute noch gesagt wird, der junge Maler habe durchaus Talent gehabt. „Eigentlich wollte Toni nach der Matura Technik studieren, dafür war in der Familie aber zu wenig Geld vorhanden“, stellt Gattin Edda fest. Also wurde er Volksschullehrer. Der erste Dienstposten führte ihn für acht Jahre an die Volksschule Kollerschlag, wo er sich neben der Schule sofort im öffentlichen Leben nützlich machte: als Organist und Chorleiter, in der Theatergruppe und als Fest- und Trauerredner der Feuerwehr. Über Oberneukirchen, wo er nur ein Jahr unterrichtete, kam Kapl 1962 an die Hauptschule Bad Leonfelden, wo er vor allem Deutsch, Geschichte und Geographie unterrichtete. Seine letzten zehn Lehrerjahre leitete er die Volksschule als Direktor. Wie schon auf seinen früheren Stationen beließ es Kapl auch in seinem Heimatort nicht bei seinem Beruf und der Familie, die nach der Hochzeit mit der Professorin Edda durch zwei Söhne erweitert wurde. Durchaus Aufsehen erregend für die damalige Zeit kutschierte Kapl seine beiden Buben ohne Scheu im Kinderwagen durch den Ort, daheim wickelte und badete er sie und wurde so trotz seines ewigen Zeitmangels zum lieben Vater. „Während ich mit den Buben über manche Feiertage Urlaub machte, musste mein Mann daheimbleiben, weil er ja die Orgel zu spielen hatte. Manchmal drei Messen hintereinander“, erinnert sich Edda Kapl. Das Orgelspiel brachte sich Kapl weitgehend selbst bei, der erste Auftritt erfolgte 1950, der letzte 60 Jahre später und wie so oft und gerne improvisierte er, wenn es die Liturgie erlaubte, über seine geliebten Volkslieder. In Bad Leonfelden leitete er lange Jahre die Theatergruppe, den Trachtenverein, den Pfarrgemeinderat und das Katholische Bildungswerk. Für das KBW lud er einst Otto von Habsburg nach Bad Leonfelden, zu einer Zeit, als das politisch noch durchaus heikel war. Aber Habsburg kam und 700 Zuhörer lauschten dem Kaisersohn. Auch angehende Musikerkarrieren förderte Kapl über das Bildungswerk. So verschaffte er Franz Welser-Möst einen Auftritt, als dieser noch froh über solche Einladungen war. Unzählige wichtige Lebensereignisse hielt Anton Kapl mit seiner Kamera fest. „Jede Kollegin, die in Mutterschaftsurlaub ging, hat er fotografiert, weil er sich so mit ihr gefreut hat“, berichtet Heidi Pammer, die mit seiner Familie gut befreundet ist. „Jetzt sind fünf meiner Lehrerinnen schwanger“, habe er einst Freunden begeistert zugerufen. „Harmonius“ nannten Kapl seine Freunde in der Studentenverbindung Sternstein. „Das passt zu meinem Mann“, bestätigt Gattin Edda wie auch seine früheren Kolleginnen, weil er alle, Lehrer und Kinder sein ließ, wie sie waren. Die letzten Lebensjahre verliefen mühsam, Kapl wurde von Demenz erfasst und von Pflegerinnen betreut. Seine Familie freut sich über unzählige Kondolenzschreiben, die voller Lob und Dank über Kapls gutes Leben sind. Bürgermeister Alfred Hartl nennt Kapl „einen überaus humanen, ehrlichen und offenen Menschen“. So wie alle anderen Totenbilder hängt nun auch jenes von Anton Kapl in der Kirche von Bad Leonfelden. Die Überschrift „Wir gedenken der Verstorbenen“ hat Kapl einst mit eigener Hand geschrieben.




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