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  • bert brandstetter

OSR Alois Buchberger aus St. Thomas am Blasenstein (1938 - 2020): Lehrer vom alten Schlag

Viele Porträts hat Alois Buchberger nicht gemalt. Einige wenige existieren allerdings, eines davon nennt der Altbürgermeister von St. Thoma, Johannes Nenning sein eigen und er ist stolz darauf: „Da kann man mich ganz gut erkennen“, lobt er seinen malenden Freund Lois Buchberger für dessen Kunst. Modell gesessen ist er ihm nicht, dem Lois hat ein Foto gereicht. Porträts waren tatsächlich die Ausnahme im bildnerischen Schaffen des ehemaligen Volksschuldirektors. Hauptsächlich waren es Blumen und Landschaften, denen er seine Aufmerksamkeit widmete und dann mit Kohle, Pastell oder Ölkreide zu Papier brachte. „Der Alois Buchberger hat schon als Schüler viel gezeichnet und dann in der Oberstufe die bildnerische Erziehung gewählt“, erinnert sich Klassen- und Maturakollege Alois Füreder vom Petrinum. Ansonsten sei Buchberger ein eher stiller Typ gewesen und auch geblieben, wie andere Weggefährten sagen. Am liebsten sei er alleine gewesen, wobei ihm seine Kunst eine große Unterstützung gewesen sei. Im konkreten Leben war Buchberger freilich immer von vielen Menschen umgeben gewesen, schon von Kindheit an. Acht ältere Geschwister hat es in seinem Elternhaus gegeben, die Gehstrecke zur Schule betrug eine Stunde. Seinen ursprünglichen Gedanken, Priester zu werden, verwarf er bereits ein Jahr nach der Matura, er absolvierte den Abiturientenkurs und startete 1960 für fünf Jahre als Lehrer in Rechberg. Immer öfter traf er dort die um 12 Jahre jüngere Resi, 1968 wurde Hochzeit gefeiert. „Eigentlich wollte ich gern Krankenschwester werden, ihm zuliebe gab ich diesen Wunsch auf“, sagt sie und fügte sich seinem pädagogischen Wanderleben: Zwei Jahre unterrichtete Alois in Klam, dann übernahm er die Volksschule Niederranna als Direktor. „Dort mussten wir fleißig Kohle und Holz schleppen, um unsere kleine Lehrerwohnung beheizen zu können“, berichtet Resi, die inzwischen Mutter einer Tochter und eines Sohnes war. Nach sechs Jahren übersiedelte die junge Familie nach St. Thomas am Blasenstein, wo Alois die zweiklassige Volksschule als Direktor leiten konnte. Dort bauten sie mit viel Fleiß und Energie in nur einem halben Jahr ein eigenes Haus und hatten endlich ein eigenes Nest, zwei weitere Söhne kamen in St. Thomas zur Welt. Wie die meisten Lehrer seiner Zeit auch engagierte sich Buchberger in seiner Gemeinde, wo immer man ihn brauchte: Er leitete das Bildungswerk und leitete den Kirchenchor. Für seine Tätigkeit bei der Laienbühne bescheinigt ihm Altbürgermeister Johannes Nenning „großes schauspielerisches Talent“ und erinnert an dessen Hauptrolle im Stück „Klaus von der Flüe“. Bekannt ist Buchberger weiters als Verfasser des Textes für das St. Thominger – Lied. Als Lehrer war Buchberger „streng, aber gerecht“, heißt es. Man habe viel gelernt bei ihm, er legte aber viel Wert auf Disziplin, sagen ehemalige Schüler. Buchberger blieb ihnen verbunden. Zu jedem runden Geburtstag erhielten alle ehemaligen Schüler von Rechberg und St. Thomas persönliche Glückwunschschreiben. „Mein Mann war ja so was von korrekt, er hat so etwas nie vergessen“, sagt seine Frau. Urlaube haben die beiden fast nie gemacht. „Einmal waren wir gemeinsam auf der Wurzeralm, ein anderes Mal fuhr er alleine nach Norwegen“, sagt sie ohne Verbitterung, weil sie sowieso immer lieber daheim war. Schwer zu schaffen machte der Familie 1996 der Tod von Sohn Florian. Alois war zu der Zeit bereits in Pension, er trat sie nach langen Jahren psychischer Belastung vorzeitig an und widmete sich fortan umso intensiver der Malerei. „War er früher mit der Schule verheiratet, so war er es dann mit der Kunst“, sagt seine Frau. Still genoss er am liebsten ihre Süßspeisen, manchmal begleitet von einem Gläschen Most, mehr hat sein nervöser Magen nicht vertragen. Nach einem Aneurysma verbrachte er fast drei Wochen im Krankenhaus, am Allerheiligentag konnte er sterben, betrauert von seiner Frau, drei Kindern und vier Enkeln.




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