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Michael Schöllhammer aus Puchenau (1946 - 2019): Vollblutwirt am Pöstlingberg

Aktualisiert: 22. Dez 2019

Der Pöstlingberg war dem verstorbenen Seniorwirt vom Freiseder und vielen seiner Freunde nicht nur in religiöser Hinsicht heilig. Am liebsten hätten sie ihn so wie früher als eigene Gemeinde gesehen, was oft und oft bei unzähligen Stammtischen auf halbernst durchgespielt wurde. 11 Jahre diente der Freisederhof bereits als kleine Jausenstation, als Michael geboren wurde. Sein Vater hatte gerade einmal begonnen, den Hof als Wirtshaus umzubauen. Den Anstoß zum Ärmelaufkrempeln mag vielleicht der zu Ende gehende Weltkrieg geliefert haben: alle Dachziegel des Hofes waren kaputt, die Felder rund herum von 21 Bombentrichtern übersät. Nicht aufzugeben scheint schon den Eltern Michaels in den Genen gelegen zu sein. Die kleine Mostschänke wurde 1960 vergrößert und es war klar, dass Michael als Erstgeborener von drei Geschwistern die Nachfolge anzutreten hatte. Michael tat es ohne Murren 1979, obwohl für ihn wegen seines außergewöhnlichen Geschickes ein Leben als Bauer oder Handwerker genauso denkbar gewesen wäre. Gemeinsam mit seiner 1972 angetrauten Gattin Gertrude packte er an, versorgte vormittags die 200 Schweine, die Rinder und kümmerte sich um die Mostproduktion, nachmittags war er für die Gäste da. Nach und nach trennte er sich von dieser Doppelbelastung, das Wirtshaus wurde zum überaus gefragten Vollerwerb und wieder galt es aus- und umzubauen: „jeden Raum hat er mit seinen eigenen Händen verschönert, er stand ja nach wie vor so gerne in seiner Werkstatt.“ Besonders um Weihnachten war Schöllhammer oft auch nächtens dort zu finden, wenn er seine geliebten hölzernen Weihnachtsgeschenke schnitzte. Im Wirtshaus selbst war er die Zentralfigur: „er erzählte so gerne Witze und unvergesslich bleiben mir auch seine Reise-Achterl, mit denen er lustige Gästegruppen noch animierte, ein wenig zu bleiben“, sagt Gattin Gertrude. So, als ob er vom eigenen Wirtshaus noch nicht genug gehabt hätte, fuhr er mit seiner Gerti oft noch nach der eigenen Sperrstunde nach Lichtenberg in ein kleines Bauernwirtshaus, um dort mit Freunden den Tag ausklingen zu lassen. Nicht ausgelassen hat Schöllhammer die monatlichen Wirte-Stammtische, bei denen es neben gemeinsamen Berufsproblemen vor allem auch um das Erleben der Kollegialität und der Freundschaft untereinander gegangen ist. Gut gepasst hat zu dem technikbegeisterten Wirten seine Leidenschaft für das Fotografieren, der er besonders bei den großen Reisen nachkommen konnte: „In China waren wir, in den USA, am Persischen Golf, mit den Kindern zum Wandern in Tirol oder im Winter in Obertauern“, erzählt seine Gattin. Dass sich hinter dem äußerlich so kraftvoll-lustigen Menschen aber auch eine Tragik verborgen hat, war nur Wenigen bekannt. Schon in der Jugend musste er sich vier Tumoroperationen am Hals unterziehen, andere schwere Krankheiten kamen dazu und zuletzt wieder der Tumor am Hals. Schöllhammer ertrug die damit verbunden Schmerzen nach Übereinstimmung seiner drei Kinder tapfer „wie ein Stehaufmanderl“. Einer seiner engen Freunde ist Christoph Leitl, beide sind am Pöstlingberg gemeinsam aufgewachsen und haben miteinander den einen oder anderen Streich gespielt, ihre Beziehung hat bis zuletzt angehalten, sagt der Wirtschaftspräsident: „Ich habe mit Michl einen guten und lieben Freund verloren“. Größe zeigte Schöllhammer 2003, als er den Betrieb an seinen Sohn Michael übergab. Trotz teilweise anderer Ideen seines Sohnes erwies sich der Senior als völlig loyal und half mit, wo er konnte und meinte immer wieder: „jetzt bist du der Chef, du musst die Verantwortung tragen“. Erst 2018 ist Schöllhammers Mutter verstorben, sein eigener Begräbnistag fällt ausgerechnet auf den Todestag seines Vaters, einem 18. Dezember im Jahr 1981. Das Begräbnis wird um 10 Uhr in der Pöstlingbergkirche gefeiert.




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