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Dr. Martin Schoiswohl (1961 - 2020) aus Bad Aussee: Er war ein Meister der Kommunikation

Aktualisiert: Feb 10

Wer im Jahr weit über 100.000 km im Auto zurücklegt, lebt nicht gerade langsam. Martin Schoiswohl war als Chef des von ihm 1992 gegründeten Kommunikationshauses Bad Aussee fast immer auf der Achse. „Sein Auto war sein Büro“, sagt Josef Moser, der Schoiswohl 20 Jahre lang chauffiert hat. „Zuerst mit dem Volvo, dann im BMW mit breitem Radabstand, damit er genug Platz zum Arbeiten hatte“. Auf sich selbst habe Martin dabei wenig geschaut, sagt Moser, nach anstrengenden Tagen endete der Abend oft an einer Tankstelle „mit Chips oder einer Jause“. Auch bei Hotelzimmern war Schoiswohl nicht anspruchsvoll. Oft habe es geheißen, er nehme genauso ein Zimmer wie der Chauffeuer, erinnert sich Moser an seinen Chef. Geboren und aufgewachsen ist Schoiswohl in Steyrling, die Matura legte er am Akademischen Gymnasium in Linz ab, um nachher in Salzburg zu studieren: Zuerst Jus, nach zwei Jahren wechselte er auf das damals noch ziemlich brotlos scheinende Studium der Kommunikationswissenschaft. Nur: Eine Sache alleine zu erledigen war Martins Sache nie, so beschäftigte er sich neben dem Studium mit dem Journalismus und arbeitete für die Katholischen Kirchenzeitungen Westösterreichs. Diese Arbeit brachte ihm neben wertvoller Berufserfahrung die Möglichkeit, seine junge Familie zu ernähren, die er mit Astrid in Leonding gegründet hatte. Nach dem Bundesheer heuerte der inzwischen zum Doktor promovierte Akademiker bei der Schärdinger Molkerei als Pressesprecher an, quasi über Nacht wurde er nach dem Zusammenschluss der größten Milchgenossenschaften damit in jungen Jahren Kommunikationsmanager des 8. größten Betriebes in Österreich. Doch auch das war nur eine Zwischenstufe seiner beruflichen Vorstellungen. Martin, dem alle, die ihn kennen, eine unbeschreibliche Betriebsamkeit zuerkennen, fühlte sich reif genug, sein Wissen und Können in einer selbständigen Agentur anzubieten und gründete in Bad Aussee das Kommhaus. Eine der zahlreichen Firmen, die er betreute, war die Autobahnrestaurantkette Landzeit, deren Chef Wolfgang Rosenberger sagt: „Wir haben in der 20-jährigen Zusammenarbeit die klaren strategischen Marketingvisionen sehr geschätzt. Seine Freundschaft ist unersetzbar“. Zugleich trat Schoiswohl als Lektor an wissenschaftlichen Instituten auf, sowohl im In- als auch im Ausland. Zuhause mit seinen drei Kindern in Bad Aussee konnte natürlich das größte Event seiner Heimatstadt, das jährliche Narzissenfest, nicht ohne ihn über die Bühne gehen. Ehrenamtlich übernahm er die Pressearbeit, was ihm laut Chauffeur Moser „einen Haufen zu tun“ bescherte. Der Bad Ausseer Bürgermeister Franz Frosch, der intensiv mit Schoiswohl zusammengearbeitet hat, spricht von einem „Vollgas-Menschen“. Wohl laufe das Kommhaus in dessen Familie weiter, das Tempo von Martin sei freilich schwer zu halten. „Bei Martin hat man nie gewusst, ob er gerade ein Boot baut, ein Bauernhaus kauft oder grad wieder was als Konsul macht“, sagt sein rotarischer Freund Michael Unger, der Pfarrer von Bad Aussee. Und tatsächlich: Der umtriebige Martin Schoiswohl hatte immer Projekte am Laufen, die alle mit Kommunikation zu tun hatten. Für die Republik Lettland agierte er so seit 2008 bis zuletzt als Honorarkonsul. Es ermöglichte ihm, sein Wissen über den ehemaligen Eisernen Vorhang hinaus zu verbreiten. Getan hat er das auch als Autor fachspezifischer Bücher. Die Arbeit an seinem Haus in der Oststeiermark sah er als ausreichenden Ausgleich an. Martin Schoiswohl, um den seine Frau Astrid, die drei Kinder und zwei Enkelkinder in besonderer Weise trauern, wird am 1. Februar um 12 Uhr in Bad Aussee verabschiedet.



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