Suche
  • bert brandstetter

Marianne Mayer aus Linz (1935 - 2020): Beraterin für ein gutes Leben

Alles fein geordnet und säuberlich gepflegt, aber so platziert, dass nicht mehr viel dazu gepasst hätte, so präsentiert sich die Wohnung der Mayers in Urfahr. Nicht nur die Ablagen sind vollgestellt mit Figuren, Schalen, Gläschen oder Kerzenständern, auch die Wände sind dichtbehangen mit erlesenen Malereien. Marianne Mayer wollte kein Geheimnis machen um ihre Leidenschaft, das Einkaufen von Kunst und Antiquitäten. Der Flohmarkt auf dem Linzer Hauptplatz war eines ihrer geliebten Ziele, ihr Interesse galt darüber hinaus etwa den zierlichen Holzminiaturen aus dem deutschen Erzgebirge, wo sie sich immer gerne irgendwelche putzigen Nussknacker oder Räuchermanderl holte. Sie zu sammeln war ihre Freude, viele davon landeten auch wieder als Gastgeschenke bei Freunden. „So viel hat meine Mutter gar nicht eingekauft. Es war vor allem ihr Interesse an den Verkäufern, an den Menschen, dem sie auf diese Weise so gerne nachging“, sagt ihre jüngste Tochter Veronika.

So adrett wie sie ihre Wohnung gestaltete, achtete Marianne Mayer auch auf ihr eigenes Äußeres. Als modebewusste Dame wusste sie um die perfekte Abstimmung ihrer Kleider mit dem gerade getragenen Schmuck. Stets wirkte sie deutlich jünger als ihr tatsächliches Alter ausmachte. Ihr Lebensweg begann in Attnang/Puchheim. Zum Unverständnis der Verwandten zogen ihre Eltern mit der kleinen Marianne und ihren zwei jüngeren Geschwistern mitten im Krieg in die von Bombardierungen gefährdete Hauptstadt Linz, wo sie maturierte und in einer Bank ihre berufliche Karriere startete. Mit vollem Engagement arbeitete sie in ihrer Pfarre Christkönig eng mit dem damaligen Kaplan Bernhard Liss zusammen und lernte dabei ihren künftigen Mann, den Landesbeamten Rudolf kennen. Die Geburt der drei Kinder stoppte ihre berufliche Weiterentwicklung. Weil die Finanzen in der Familie knapp waren, übernahm sie nach und nach einzelne Buchhaltungen, um die Einkünfte zu erhöhen. Bernhard Liss war es schließlich, der sich an Marianne Mayer erinnerte, als er für die neue Beratungsstelle der Diözese Mitarbeiter suchte. Sie nahm seine Einladung an, sich dafür in einem zweijährigen Pionier-Kurs zur qualifizierten Beraterin ausbilden zu lassen und startete mit ihrer Beratertätigkeit in St. Georgen an der Gusen beziehungsweise in Rohrbach. Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu beraten, wurde zu einer weiteren Leidenschaft von Marianne Mayer. „Manche Familien hat sie über Generationen begleitet“, sagt Josef Lugmayr, der aktuelle Leiter der Abteilung: „Ihr lebensfrohes Wesen, ihr aufrechter Gang und ihre gute Grundeinstellung zum Leben machte jede Begegnung mit Marianne zur Freude“. Es waren nicht nur ihre Klienten, denen sie ihre Aufmerksamkeit widmete, Marianne interessierte sich für alle Mitarbeiter der Abteilung und ließ keinen Zweifel daran, dass sie riesig gerne zum Dienst im Diözesanhaus erschien, auch, als sie bereits weit über 80 war. „Wir waren schon so etwas wie ihre erweiterte Familie“, vermutet Josef Lugmayr. Keine Eifersucht auf diese „Spielstätte“ seiner Frau plagte Gatte Rudolf, der als Leiter des Landeskulturzentrums Ursulinenhof in Pension gegangen war. „Die Auswirkungen ihrer Arbeit auf unsere eigene Ehe waren sicher positiv, sie wurde durch diese Arbeit aber auch nicht zur Heiligen“, schmunzelt er. Außerdem blieb seiner Frau durch die freiberufliche Tätigkeit ausreichend Zeit für die Familie. „Wir haben alle Feste immer ausgiebig gefeiert, das war meiner Mutter sehr wichtig und sie machte es mit Hingabe“, sagt Veronika, „genauso wie die vielen Einladungen von lieben Freunden“. Zeit widmete Marianne Mayer bis zuletzt ihrer Pfarre St. Leopold als Kommunionspenderin und Lektorin. Extrem gern war sie bei den zwei Enkeln, der erste Geburtstag ihres Urenkels Theo wurde noch fünf Tage vor ihrem Tod am Krankenbett gefeiert. Ihr Krebs wurde erst im vergangenen Mai festgestellt. Leiden musste sie nicht, sie wurde nur auffällig müde. Am letzten August absolvierte sie ihre letzte Beratung.



117 Ansichten

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com