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  • bert brandstetter

Marianne Mair aus Linz (1934 - 2018): Stille Kämpferin für Frauenbildung

Sehr eitel kann Marianne Maier nicht gewesen sein. Nirgendwo in der Diözese ließ sich ein brauchbares, halbwegs aktuelles Foto der Verstorbenen auftreiben. Das ziemlich letzte von ihr stammt noch aus der schwarz-weiß-Zeit. Eitelkeit war tatsächlich keine Kategorie in ihrem Leben, sehr wohl aber Zielstrebigkeit. Die junge Hausruckviertlerin aus Grieskirchen tat 1956 einen mutigen Schritt für die damalige Zeit: als 22-jährige übernahm sie ihren ersten kirchlichen Dienst, nichts ahnend, dass die oft als männerlastig gescholtene Kirche zu ihrem Lebensinhalt werden sollte. Sie übernahm die katholische Landjugend als Vorsitzende, zunächst für Oberösterreich, später bundesweit. Als die katholische Frauenbewegung KfB mit dem nach wie vor bestehenden „Haus der Frau“ in der Linzer Volksgartenstraße erstmals ein Bildungszentrum gründete, wurde Marianne Maier dessen erste Leiterin. Bischofsvikar Willi Vieböck war zu der Zeit gerade Jugendseelsorger und er erinnert sich, mit der resoluten Dame den „Linzer Club“ gegründet zu haben. Im Haus der Frau sollten Mädchen und Burschen, die aus den Landpfarren nach Linz gekommen waren und sich in der Freizeit oft heimatlos fühlten, attraktive Angebote finden. Der Linzer Club tat seine Wirkung: nicht wenige Jugendliche, vor allem auch junge Frauen fanden dadurch Mut, sich öffentlich zu engagieren. Fast zwei Jahrzehnte leitete Marianne Maier das Haus der Frau bis zu ihrer Pensionierung, ähnliche Zentren gibt es seither auch in Steyr, Wels und Ried. Die Offenheit und ihre Begeisterung, jemandem zuhören zu können, was in den zahlreichen Würdigungen als eines ihrer Markenzeichen gerühmt wird, ist ihr bis ins hohe Alter geblieben. „Oft kam sie noch zu Veranstaltungen zu uns, und als ich die Leitung des Hauses übernahm, brachte sie mir einen Blumenstrauß“, freut sich darüber heute noch Gabi Eder-Cakl, die inzwischen zur Pastoralamtsdirektorin aufgestiegen ist. „Marianne hatte eine klare Vorstellung für das Haus, war eigentlich eine zurückhaltende und leise Frau, die ihre Vorstellungen aber durchaus resolut durchzusetzen wusste“. Eva Kienast, die derzeitige Chefin im Haus der Frau, wollte Marianne einen letzten Wunsch erfüllen: alle bisherigen sechs Leiterinnen zum bevorstehenden 50-Jahr Jubiläum zu treffen. Dazu sollte es freilich nicht mehr kommen, der Tod kam schneller als erwartet. Aber auch beim allerletzten Besuch traf Kienast auf eine Frau, „die so viel Interesse zeigte und beeindruckend warmherzig war“. Ihren persönlichen Lebensweg ging Marianne Maier bescheiden und zuversichtlich. Selbst die Krebserkrankung konnte daran wenig ändern, sie sei fröhlich geblieben bis zum Schluss“, heißt es aus dem großen Bekanntenkreis der unverheiratet gebliebenen Marianne Maier.



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