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Maria Stumbauer aus Rainbach bei Freistadt (1925 - 2020): Großherziges Leben einer bescheidenen Frau

„Sie war ziemlich klein und eher zart von Gestalt. Aber wenn sie auf Besuch kam, trug sie immer Schmuck, Stöckelschuhe und zu Allerheiligen musste es auch schon ein eleganter Pelzmantel sein.“ So beschreibt Margit Langer ihre Tante Mitzi, zu deren vielen Tauf-und Firmkindern sie zählte. „Zwölfmal wird sie schon Patin gewesen sein“, schätzt die Familie Stumbauer. So genau weiß man das nicht, weil Maria auch gern einmal für ein fremdes Kind die Patenschaft übernahm, wenn es nötig war. Die Großzügigkeit der selbst kinderlosen Tante Mitzi war legendär, ihre selbstgebastelten oder gestrickten Mitbringsel gern gesehen. Sparstrümpfe, allerlei Herzerl, Deckerl und sogar Handytascherl gab es aus ihrer Hand. Dabei war Maria Stumbauer beileibe keine begüterte Frau. In Pension ging sie 1985 als Leiterin der Reinigungskräfte des früheren Kinderkrankenhauses in Linz. Auf diese Position war sie durchaus stolz, auch auf ihren damit verbundenen Status als Landesbedienstete, was ihren Lebensabend sicherte. Geboren wurde sie beim „Reschn“ in Rainbach bei Freistadt. Ihre Eltern betrieben im Ort eine kleine Landwirtschaft, sieben Kinder wuchsen dort auf. Die Schulzeugnisse von Maria Stumbauer wiesen fast durchwegs „Einser“ auf, nur in Turnen steht ein Zweier. Gerne wollte sie einen Beruf erlernen, ihre Eltern benötigten Maria jedoch zur Arbeit am Hof. Mit 26 begann sie ihren eigenen Weg zu gehen. In Wartberg ob der Aist fand sie Arbeit im Gasthaus Scheuchenpflug, dem heutigen Gasthaus Dinghofer. Drei Jahre war sie dort Landarbeiterin und Hausgehilfin in der angeschlossenen Fleischhauerei. Dem Gasthaus blieb Maria so wie ihren anderen Lebensstationen treu: „Wann immer die Mitzi mit ihrer Familie ein Fest zu feiern hatte, hat sie alle zum Dinghofer eingeladen“, erinnert sich ihr jüngster Bruder Friedrich Stumbauer. 1956 wechselte Maria dann in das Linzer Kinderkrankenhaus. Es war gerade im Aufbau und selbst dabei half sie mit. Ihre eigentliche Verwendung bestand jedoch in der Reinigung, deren Leitung sie schließlich übertragen bekam. Kurz vor ihrer Pension lernte sie den Linzer Bodenleger Anton Fleisch kennen. Einen freundlichen und tüchtigen Mann. Mit ihm ging sie 1988 die Ehe ein. Geschlossen wurde sie in Maria Schnee am Hiltschnerberg nahe Rainbach. „Die zwei haben sehr gut zusammengepasst, sie waren beide recht lustig, gingen gern in Konzerte und waren sogar Mitglied beim Stelzhamerbund“, erinnert sich Friedrich. Mit ihrem Toni zog sie in dessen Wohnung in der Linzer Pragerstraße, ohne aber ihre frühere Wohnung in der Unionstraße aufzugeben. „Alles war so klein bei ihr, auch die Wohnung“, erzählt Nichte Margit. Trotzdem durften Nichten und Neffen immer wieder bei ihr übernachten: „Der Besuch des Pöstlingbergs und des Botanischen Gartens waren dabei jeweils Pflichtprogramm“, sagt sie. Später, als diese Kinder größer waren, kam die Tante gern auf einen Sprung vorbei bei ihnen, „aber immer nur kurz und bündig, so wie sie auch ihre Telefonate führte“, erinnert sich Margit. Solange es gesundheitlich ging, reiste Mitzi gerne in fremde Städte oder in das Sommerheim der Landesbediensteten in Hinterstoder. Auch Porec in Kroatien stand auf der Favoritenliste der bis dahin sehr agilen Frau. Nach dem Tod ihres Mannes 2007 bezog sie wieder ihre frühere Wohnung und bekam es mit den Füßen zu tun, was sich als sehr selten auftretendes Nervenleiden herausstellte und sie bald an den Rollstuhl fesselte. Trotz bester Betreuung bei den Borromäerinnen, die sie aufnahmen, und trotz vieler Besuche von Freunden oder Arbeitskollegen, sagte sie immer wieder: „Heim ist nicht daheim“. Aber Maria Stumbauer erwies sich als „harter Knopf“, wie ihr Bruder erwähnt, sie jammerte kaum einmal und freute sich, wenn sie der Samariterbund manchmal heim nach Rainbach transportierte, wo sie auf diese Weise das Familiengrab und das Elternhaus besuchen konnte. In letzter Zeit wurde Maria schwach und schwächer, das Coronavirus tat sein Übriges dazu und sie starb am 30.12. letzten Jahres mit ihrem so oft zitierten Leitspruch auf den Lippen: „So ist das Leben“.




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