Suche
  • bert brandstetter

Maria Heinzl aus Hofkirchen im Mühlkreis (1930 - 2020): Großes Vorbild für sieben Kinder

Noch am Sterbebett zeigte Maria Heinzl, wie sie zum Leben eingestellt war. Ihren Kindern hinterließ sie ihr Motto: „Haltet´s alle z´samm´ und lasst´s niemanden fallen!“ Was sie damit konkret gemeint hat, bezeugt ihr Leben mit den sieben Kindern, 12 Enkeln und 7 Urenkeln. Gern versammelte sie alle bei sich im großen Haus am Ortsrand. Wie selbstverständlich stand sie dafür persönlich am Herd, um alle gut zu versorgen. Für jeden von ihnen hatte sie oft noch ein Stück Braten oder Cevapcici als Wegzehrung parat. „Sie war eine Perle“, schwärmt Schwiegersohn Rudi Königsdorfer aus Niederranna. „Bis zu 30 Leute waren wir immer wieder bei ihr und als sie zuletzt schon im Rollstuhl saß, verteilte sie am Muttertag noch Schokolade“. Geburtstage in der Großfamilie vergaß sie nie, auch nicht jene der Schwiegerkinder. Selbst wenn ihre Kinder mit Freunden mitunter länger und lauter feierten als üblich, zeigte sie keinen Grant. Manchmal stand sie sogar auf, um sie mit Essen zu versorgen. Das Haus Heinzl war immer offen, nicht nur für die große Familie. Weil ihr vor 10 Jahren verstorbener Mann Norbert 15 Jahre als Bürgermeister und Musikvereinsobmann sehr gesellig war, kamen oft Gäste im Haus. Maridl, wie sie ihr Mann nannte, zauberte Essen und Trinken auf den Tisch, obwohl sie nicht selten von der Gästeschar überrascht worden war. Selbst tagsüber gab es keine Zeit zum Ausrasten für Maria Heinzl. Den frühen Morgen nutzte sie zum Putzen, dann waren die Kinder zu versorgen und nach dem Frühstück aus dem Haus zu bringen, das Mittagessen vorzubereiten, bevor sie in die Schneiderei eilte, um zu nähen und Kunden zu bedienen. Kamen die Kinder zu Mittag von der Schule, war sie schon vorher daheim und hatte gekocht. Der Nachmittag gehörte wieder dem Geschäft. Die Buchhaltung nahm sie am Abend mit nach Hause und erledigte sie in der Nacht. Wie sie es schaffte, ihren Garten auf Schuss zu halten, sowie Unmengen von Gemüse und Marmeladen einzukochen, bleibt ein Rätsel. Ihren Kindern, denen die Heinzls eine gute Ausbildung zukommen ließen, war sie eine natürliche Autorität, die von ihnen auch Mithilfe einforderte. Derart fleißig und gewissenhaft zu sein, hatte Maria in ihrem Elternhaus in Neustift gelernt. Zu gern wäre sie Lehrerin geworden, sie wurde als Älteste aber am Hof gebraucht. Vergnügungen waren damals rar, manchmal ging sich ein Ball aus. Bei einem derartigen Ausgang in Oberkappel lernte sie den jungen Schneidermeister Norbert kennen, sie heirateten 1955, innerhalb von 9 Jahren kamen ihre 7 Kinder zur Welt. Das Haus des Schneiders musste ständig vergrößert und umgebaut werden, auch ein Geschäftslokal im Markt Hofkirchen wurde eingerichtet. Schon bevor Norbert Bürgermeister wurde, übertrug sich die Last der Verantwortung mehr und mehr auf Maria. „Sie war das tragende Gerüst des Hauses Heinzl“, sagt der heutige Bürgermeister Martin Raab und er zieht auch einen politischen Vergleich: „Wenn ihr Mann im Haus der Regierende war, dann war Maria als Korrektiv im Hintergrund die diplomatische Präsidentin“. Besonders harte Zeiten kamen auf Maria Heinzl zu, nachdem ihr Mann 1990 einen schweren Schlaganfall erlitten hatte. Kurzerhand kaufte sie ein Auto mit Drehsitz, um ihm bei Ausflügen seine schöne Heimat zeigen zu können. Größere Reisen, die sich die beiden gemeinsam gewünscht hätten, gingen sich nicht mehr aus. Vor 10 Jahren starb Norbert, nachher war es sie selbst, die medizinische Hilfe brauchte. Ihre Knie waren kaputt, eine Herzklappe ebenso. Die Operationen überstand sie mit eisernem Willen. Bis vor einem Jahr war sie mit dem Auto unterwegs und nahm noch an einem Bergausflug ihrer Familie teil. Dann ein Sturz im Haus, bei dem sie sich mehrere Knochen brach. Doch wieder rappelte sie sich trotz unvorstellbarer Schmerzen auf, dass sie zuletzt sogar ihre 24-Stunden-Betreuung wieder heimschicken konnte. „Es war bewundernswert, wie eifrig sie mit dem Rollator unterwegs war und übte“, sagt Nachbarin Adelheid Mairhofer, die über Maria Heinzl nur das Beste sagen kann, „auch wenn sie zum Tratschen wenig Zeit hatte“. Die Coronakrise bescherte Maria ungewohnte Einsamkeit, die sie locker parierte: „Da müssen wir einfach durch“.



69 Ansichten

0043 664 4559171

©2019 Gute Nachrede. Erstellt mit Wix.com