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  • bert brandstetter

Margaretha Ludwiczek aus Weitersfelden (1923 - 2020): "Essen auf Rädern mit dem Schlitten"

Die zu Ende gegangene Weihnachtszeit ist in der Großfamilie Ludwiczek untrennbar mit Margaretha, der jetzt verstorbenen Mutter, Oma und Uroma verbunden. Die „Keckserl-Oma“ versorgte die gesamte Verwandtschaft so lange sie konnte mit unterschiedlichsten Bäckereien und sie verschickte diese sogar bis nach Amerika, wenn etwa ein Enkerl gerade dort studierte. Ziemlich unbeschreiblich weiters „der legendäre gefüllte Kalbshals, den meine Mutter gern am Abend des Heiligen Abend servierte“, wie Tochter Ursula preisgibt, die in Linz eine Zahnarzt-Ordination geführt hat: „Einmal pro Woche bekam das ganze Team Suppen oder Eintöpfe zu essen, die Mama für uns gekocht hat“. Sich zu kümmern war der rote Faden im Leben der Margaretha Ludwicek. Ganz Weitersfelden ist des Lobes voll über das Engagement der ehemaligen Lehrerin, die 12 Jahre ihrer Pensionszeit dem Seniorenbund als Obfrau vorstand. „Sie war die Grand Dame des Seniorenbundes“, sagt ihre Nach-Nachfolgerin Maria Anna Ruhaltinger und sie führt aus, warum man Margaretha diesen Titel verliehen hat: „Jeden Ausflug ist sie im Vorfeld abgefahren, jedes Restaurant hat sie ausprobiert und bei jedem Hotel hat sie genau überlegt, ob es auch preislich für alle machbar ist“. Sich um andere zu kümmern zeigte sie gerne gegenüber Kranken. „Sie besuchte möglichst alle und versorgte sie mit essbaren Kleinigkeiten“, wird ihr nachgesagt und als es galt, Essen auf Rädern zu organisieren, war sie es, die drei Jahre lang die Transportdienste übernahm. „Im Winter brachte sie manches Essen sogar mit dem Schlitten zu den Familien“, sagt Gemeinde-Chronist Ludwig Riepl. In ihrer Dienstzeit als Lehrerin war sie vor allem für die ganz kleinen Schüler zuständig. „Sie zeigte immer eine geradlinige Konsequenz, eingebettet in mütterliche Liebe“, erinnert sich Riepl. Einige Jahre war Hermann Mühlbachler ihr Direktor, in dessen Kirchenchor sie einige Jahre sang: Das gute Klima in der Schule sei zum guten Teil ihrer „vornehmen Zurückhaltung“ und ihrem „respektvollen Umgang“ zu danken gewesen. Weitersfelden war die fünfte und letzte Schule in der pädagogischen Laufbahn von Margaretha Ludwiczek. Zuvor unterrichtete sie in Reichenau, Schenkenfelden, Steyr-Münichholz und Gallneukirchen. Dort lernte sie ihren Mann kennen, der später als Dentist mit Frau und drei Kindern nach Weitersfelden zog. 13 Jahre betreute sie ihre eigenen Kinder, bevor sie 1966 wieder zu unterrichten begann. Aufgewachsen ist Margaretha im niederösterreichischen Gresten an der Erlauf im Bezirk Scheibbs. Der Vater betrieb ein Fuhrunternehmen und führte ein solches nach seiner Übersiedelung nach Gallneukirchen weiter. Neben all ihrem Engagement für die Senioren galt der zentrale Fokus ihrer Bemühungen ihrer Familie: Den drei Kindern, den 5 Enkeln und 6 Urenkeln. „sie war die denkbar beste Schwiegermutter und Oma“, schwärmt Schwiegertochter Barbara. „Als Pädagogin hat sie alle von ihnen in ihrer Persönlichkeit gut erkannt und ihnen beim Spielen und bei Ausflügen viel Zeit gewidmet.“ Bevor ihre Mutter 1985 starb, ließ sie ihr viel Betreuung zukommen, genauso wie sie auch in ihren eigenen letzten Lebensjahren viel Zuwendung von ihrer Tochter erfuhr. „Bis sie 90 war, fuhr Mama noch Auto und spielte für die Enkelkinder Taxi“, sagt Ursula. Erholung fanden die beiden bei manchen großen Reisen auf dem Fluss und am Meer und sogar die USA bereiste die Tochter mit ihrer erstaunlich fitten und schon betagten Mama, die mit 92 Jahren in Weitersfelden noch in eine behindertengerechte Wohnung übersiedelt war. Margaretha Ludwiczek wird am Freitag, 10. Jänner um 13.45 in Weitersfelden verabschiedet.


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