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  • bert brandstetter

Margarete Palm aus Linz (1924 - 2020): Eine Diva ohne Allüren

Heimische Musikergrößen haben regelmäßig zu schwärmen begonnen, wann immer der Name Margarete Palm gefallen ist. Joseph Kronsteiner, Augustinus Franz Kropfreiter, Balduin Sulzer oder Kurt Wöss haben sie regelmäßig bei wichtigen Konzerten als Altistin eingesetzt und sie hat ihre Erwartungen nie enttäuscht. „Ihr riesiger Stimmumfang war beachtlich, sie legte alle ihre Partien dramatisch an“, erinnert sich Konrad Fleischanderl, der Leiter der Vocalakademie des Landes, der Margarete Palm einst als Gesangsstudent erlebt und sie später gern als Solistin in der Linzer Stadtpfarrkirche engagiert hat. Frau Palm stand seit den 1950-er Jahren auf der Bühne und erlebte den Linzer Musikbetrieb als Sängerin im Vereinshaus oder der Diesterweg-Sporthalle, als es abgesehen von Kirchen weit und breit noch kein taugliches Konzerthaus gab. Umso mehr genoss sie später das Brucknerhaus oder zuletzt das Musiktheater, letzteres natürlich nur noch als Besucherin. Zur Konzert- und Opernsängerin ausgebildet wurde Margarete Gattermeyer von Luise Haager-Gruber und Gertrud Schulz, beziehungsweise von Ferdinand Großmann in Wien. Nachdem sie 1959 den musikbegeisterten Techniker Ernst Palm heiratete, wurde sie zur arrivierten Sängerin mit Engagements im heimischen Musikbetrieb und Gastauftritten in Deutschland, der Schweiz und der damaligen CSSR. Auch nachdem sie 1960 und 1965 ihre Söhne Wolfgang und Michael zur Welt brachte, konnte sie ihre sängerische Laufbahn fortsetzen. Eines ihrer Markenzeichen neben der wundervollen Altstimme war ihre ausgeprägte Textdeutlichkeit. Die hatte ihren Ursprung in ihrem ursprünglichen Beruf. Die ausgebildete Kindergärtnerin, Logopädin und Heilpädagogin Margarete Gattermeyer initiierte für Linzer Kinder die ersten logopädischen Behandlungen. Einer ihrer allerersten Einsatzorte als Kindergärtnerin war in Waizenkirchen. Mit Kolleginnen auf Fahrrädern unterwegs überstand Margarete in den Kriegsjahren sogar einen Angriff von Tieffliegern unverletzt, wie sie immer wieder erzählte. Die Wiege Margaretes stand aber in Sierning, das ihre Eltern bald verließen, um sich in der Nähe des Linzer Hummelhofs anzusiedeln. Vater Karl arbeitete in Linz als Geschäftsführer der Diözesan-Caritas. Drei Geschwister waren mit dabei, einer ihrer Brüder war der 2018 verstorbene Komponist Heinrich Gattermeyer. Musik war in ihrem Elternhaus ständig präsent, erzählt ihr Sohn Wolfgang Palm. Druck in Richtung Musik auszuüben sei den Eltern jedoch fremd gewesen. Bis in die 1980-er Jahre habe seine Mutter immer noch öffentliche Auftritte absolviert, dann war Schluss. Bald erlitt ihr Mann einen Schlaganfall und sie betreute ihn bis zu seinem Tod 1993. Ab dann lebte Margarete Palm alleine, es reichte eine Betreuung, die ein paar Mal pro Woche nach dem Rechten sah, abgesehen von Besuchen ihrer Söhne mit den beiden Enkeln Katharina und Samuel. Konzerte besuchte sie nach wie vor gern, sehr gerne hatte sie Opern von Richard Wagner. Große Freude hatte sie 2010, als ihr das Land die Kulturmedaille überreichte und mit dabei war sie noch 2018, als in Wilhering das Balduin-Sulzer-Archiv eröffnet wurde.



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