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Lukas Daniel Wachter aus Wels (1995 - 2021): Ruhiger Anker für seine Mitmenschen

Freunde erlebten Lukas oft, wie er mit seiner Gitarre spielte. Das tat er gern, auch am Heiligen Abend mit der Familie seiner Schwester Julia, bei der jetzt seine Mutter lebt. Bei ihr hielt er sich seit 16 Monaten besonders gern auf, „weil er durch meine Tochter Amalia ein ganz stolzer Onkel geworden war“, wie Julia Bibl erklärt. „Um sie hat sich Luki liebevoll gekümmert, sogar mit dem Tragetuch war er mit ihr unterwegs“. Gewohnt hat Lukas in der früheren Wohnung seiner Mutter in Wels, wo er mit seinen beiden etwas älteren Geschwistern aufgewachsen war. 2012 dann der katastrophale Einschnitt: Bruder Fabian starb nach einer vermutlich verschleppten Lungenentzündung mit 19 an Herzversagen. Lukas war zu der Zeit gerade Zivildiener im Flüchtlingshaus Courage in Wels. Es war, als hätte dieses Ereignis bei Lukas alles auf den Kopf gestellt. Sein ursprünglicher Wunsch, Koch zu werden, schien vergessen, auch seine begonnene Ausbildung zum Behindertenbetreuer brach er ab. Er verbrachte sein Leben mit verschiedenen Gelegenheitsjobs. „Dabei hätte Luki nie zugegeben, den Tod seines Bruders schwer verarbeitet zu haben“, vermutet Schwester Julia. Ein zweiter Todesfall in seinem Bekanntenkreis war für Lukas verständlicherweise ebenfalls nicht gerade hilfreich. Seinen Charakter schienen diese tragischen Ereignisse nach außen hin aber nicht beeinträchtigt zu haben. „Er war so ein sonniger Mensch, lustig, hilfsbereit und für alles zu haben“, schwärmt Schwester Julia. Fünf Jahre seines kurzen Lebens teilte Lukas mit Birgit, die sein „ansteckendes Lachen, seinen Humor und seine beruhigende Art“ nicht vergisst. „In seiner Gegenwart musste man sich einfach wohlfühlen.“

Besuchte Lukas Freunde, unterhielt er sich oft zuvor schon lange mit deren Eltern, die ebenfalls von seiner offenen Art angetan waren. „Dabei war er überhaupt kein lauter Mensch, er hat verglichen mit anderen eher wenig geredet“, findet Julia, die auf ein weiteres Wesensmerkmal ihres Bruders verweist: Lukas war extrem bescheiden. Er aß wenig, brauchte kaum etwas zum Leben und fand mit dem, was er mit seinen Jobs verdiente, gut das Auslangen. Richtig großzügig zeigte sich Lukas gegenüber seinen beiden Katzen „Butzi und Baby“. Für sie schien ihm nichts zu teuer, ihnen baute er sogar einen über die ganze Wand reichenden Kratzbaum. Um sie kümmert sich jetzt Freundin Birgit, die sie streichelt, während sie über ihn trauernd sinniert. Regelmäßig beschäftigt war Lukas in den letzten Jahren als Betreuer beim Verein „Miteinander“, wo ebenfalls seine „große Kompetenz in der Betreuung und seine Beliebtheit extra erwähnt wird. Im Vorjahr schließlich gab er sich einen Ruck und nahm seine ehemals abgebrochene Ausbildung zum Behindertenbetreuer wieder auf. Riesig gefreut hätte er sich, endlich wieder einmal auf einem Rockfestival wie Nova Rock teilnehmen zu können. „Die Eintrittskarte war unser obligatorisches Geburtstagsgeschenk für Lukas“, sagt Julia. Besucht hat er Festivals wie dieses meist mit seinem Freund Benjamin Kokalj, der Lukas als den „besten Typ und herzensguten Menschen“ bezeichnet. Enorme Schmerzen in der Nierengegend veranlassten Lukas Wachter vor wenigen Tagen zu einer kurzen Spitalsbehandlung. Nach der Entlassung fand ihn seine Schwester Julia tot in der Wohnung auf. Die Obduktion ergab keine Erklärung für seinen plötzlichen Tod, weitere Untersuchungen folgen. Am 30. März können sich seine Freunde in der Welser Aufbahrungshalle von ihm verabschieden, das Begräbnis erfolgt am 31. März im kleinen Kreis.




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