Suche
  • bert brandstetter

Ludwig Mülleder aus Bad Leonfelden (1953 - 2021): Patron vieler afrikanischer Missionsstationen

Die Berge haben den Lebensweg von Ludwig Mülleder maßgeblich bestimmt. Gerne machte er sich auf, um dort Schi- oder Klettertouren zu unternehmen. Bei einer dieser Touren lernte er die Lehrerin Maria aus Baumgartenberg kennen, die 1979 seine Frau wurde. Ein anderes Mal erfuhr er vom Wunsch eines Hüttenwirtes, mit einer Photovoltaikanlage elektrische Autonomie erreichen zu wollen. Ludwig, gelernter Elektrotechniker, war gern zur Stelle und verhalf dem Hüttenwirt zu seinem Ziel. Nachhaltigkeit und Ökologie interessierten Ludwig prinzipiell und etliche andere Berghütten wurden zu photovoltaischen Nutznießern dieser Philosophie. Hauptberuflich arbeitete Mülleder im internationalen Industrie-Anlagenbau, später in leitender Funktion bei Sprecher & Schuh, bevor er 1997 mit seinem Freund Johann Hammerschmid eine Firma zum Bau von Sondermaschinen gründete. Im allergrößten betrieblichen Stress erfuhr Mülleder von der Suche nach einem Techniker eines Spitalsprojektes im afrikanischen Tansania, jenem Spital, das der oberösterreichische Arzt und Missionar Herbert Watschinger in den 1960-er Jahren aufgebaut hatte. Zwei Wochen nahm sich Mülleder Urlaub, um in Wasso nach dem Rechten zu sehen. Ambitioniert kehrte er zurück, um bald aber wieder Richtung Afrika zu starten. Diesmal animiert vom Waldviertler Schuherzeuger Heini Staudinger peilte er das Spitalsprojekt der Tiroler Ärztin Maria Schiestl in Kenia an. Neben der Notwendigkeit einer autonomen Stromversorgung ging es dort auch darum, medizinische Apparate zu reparieren. „Nichts wegwerfen, möglichst vieles wiederverwerten“, dieses Prinzip Mülleders konnte dort auf breite Weise umgesetzt werden. Zugleich galt es für ihn, taugliche Einheimische zu finden, die er als Techniker einschulte. Wieder daheim in Bad Leonfelden, wurde Mülleder nicht müde, in zahllosen Vorträgen über die Situation in Afrika zu informieren und Gelder für weitere Projekte zu sammeln, die er inzwischen in Simbabwe, Äthiopien und Guinea betreute. „Es geht zwar in erster Linie um Technik, in Wirklichkeit sind aber immer die Menschen gemeint, die dort leben. Mein Ziel ist es, deren Leben in bescheidenem Rahmen zu verbessern“, brachte Mülleder seine Philosophie einmal zu Papier. Er hatte die Afrikaner lieb gewonnen, ihre Herzlichkeit und Dankbarkeit erfahren und von ihrer ganz anderen Lebensweise persönlich profitiert. „Der Ludwig war selbst äußerst umgänglich und bescheiden“, beschreibt ihn Hans Haider von der Pfarre Bad Leonfelden. Oder Hermann Fleischanderl, ein langjähriger persönlicher Freund: „Ludwig hat es sich selbst nicht leicht gemacht, aber auch nicht den anderen. Er war ohne jede Eitelkeit, herzlich, umsichtig und hellwach. Zu sich selber war er streng, aber großzügig zu anderen.“ Gerne blickte Mülleder nach übereinstimmenden Aussagen über seinen Tellerrand, motiviert dazu wurde er durch sein geliebtes Studium zahlloser Bücher, vor allem in seiner Pensionszeit fand er dazu viel Gelegenheit. Schon früher studierte er dazu zwei Jahre lang Philosophie an der Katholischen Privatuniversität Linz. Gerne wäre er wohl auch Seelsorger geworden, sagte er einmal zu seinen Freunden. Seine Frau Maria erlebte diese Begabung in vielen Gesprächen, die Ludwig mit ihr und anderen führte: „Er konnte ganz wunderbar zuhören“, erzählt sie. Die ideale Basis für seine philosophische Ausprägung dürfte Mülleder im Stiftsgymnasium Wilhering gefunden haben, wo er maturierte, bevor er in Graz Elektrotechnik studierte. Eigene Kinder blieben ihm und Maria versagt. Ihr Haus war jedoch immer offen für Flüchtlingskinder, von denen ihnen fünf ganz besonders ans Herz gewachsen waren: Der Afrikaner Aboubacar, aber auch drei afghanische und ein syrischer Jugendlicher. Die Diözese Linz würdigte das Wirken Mülleders mit dem Solidaritätspreis. Eine plötzliche Magenblutung setzte Ludwig Mülleder ein plötzliches Ende.



468 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen