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  • bert brandstetter

Ludwig Lanzerstorfer aus Hofkirchen im Mühlkreis (1923 – 2020): Briefträger der alten Schule

Widerspruch duldete Ludwig höchst ungern. Das gebot ihm schon seine Uniform, die er als Briefträger sehr stolz getragen hat. 35 Jahre stand er im Dienst der Post und er gehörte einer Berufsgeneration an, die noch nicht schnell von Haus zu Haus hetzte. In Ludwigs Zeit war es üblich, in den Häusern einzukehren, Platz zu nehmen und mit den Leuten vielleicht bei einer kleinen Stärkung zu reden. So wurde Lanzerstorfer zu einer Peron in der Gemeinde, der Vieles anvertraut wurde und der viel wusste. Es kam ihm sehr zu Gute, weil er bald in den verschiedensten örtlichen Vereinen gebraucht wurde und man ihm wenig vormachen konnte. „Wie eine alte Eiche steht der Name Ludwig Lanzerstorfer seit mindestens 65 Jahren für Hofkirchen“, sagt Bürgermeister Martin Raab. Sein Lebensmittelpunkt war die Ortschaft Emmerstorf. Dort wurde Ludwig geboren, dort betrieb er mit seiner Frau Paula eine kleine Landwirtschaft, dort wuchsen ihre sechs Kinder auf. Die Zahl ihrer beider Nachkommenschaft ist beeindruckend: 45 Enkel- Urenkel- und Ururenkelkinder sind zu verzeichnen. So stolz Lanzerstorfer auf seine Familie war, so wichtig war ihm das gesellschaftliche Leben in Hofkirchen. Mit aller Energie setzte er sich dafür ein, obwohl er im 2. Weltkrieg als junger Soldat eine schwere Verletzung der rechten Hand erlitten hat und damit zum Kriegsopfer geworden war. Klar, dass er sich im Kriegsopferverband engagierte, 45 Jahre als Obmann, fast genauso lang leitete er das Schwarze Kreuz. Mit von der Partie war er auch bei der Gründung des Seniorenbundes in Hofkirchen, hier brachte er es auf 43 Obmann-Jahre. Noch zu erwähnen der Veteranenverein, in dem Lanzerstorfer ebenfalls aktiv und über Jahrzehnte führend tätig war oder auch sein politischer Einsatz im Gemeinderat oder im Elternverein, in dem er sich sehr für die Gründung der Hauptschule einsetzte. „Er hat die Heugabel fallen gelassen, wenn einer der Vereine nach ihm rief“, sagen die Kinder Lanzerstorfers, die in ihm einen durchaus strengen Vater erlebten. Ohne das Verständnis seiner Gattin Paula wäre sein außerhäusliches Engagement undenkbar gewesen, sind sich die Hofkirchner einig. „Alles musste nach seiner Pfeife tanzen“. War das nicht der Fall, konnte Lanzerstorfers Stimme ziemlich laut werden, erinnert man sich. „Seine Augen konnten blitzen“, sagt Bürgermeister Raab, etwa wenn Ludwig fühlte, dass jemand seiner Uniform oder seinem Status nicht den nötigen Respekt erwies. Hinter der rauen Schale steckte aber ein gutes Herz. Sowohl als Briefträger als auch in den Vereinen bemühte sich Lanzerstorfer nach übereinstimmenden Aussagen darum, den Leuten zu helfen. Seine Pension erlebte Lanzerstorfer vielfach ausgezeichnet mit seiner Paula bei einigermaßen guter Gesundheit. Mit ihrem Tod vor zwei Jahren verlor auch Ludwig seine Lebensfreude, das letzte Lebensjahr verbrachte er im Altenheim von Lembach.



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