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  • bert brandstetter

Leopold Haberfellner aus Grieskirchen (1922 - 2019): Voller Einsatz für die Mühlen

Wie jemand ein so hohes Alter erreichen könne, haben sich viele Grieskirchner immer wieder gefragt, wenn die Rede auf Leopold Haberfellner kam. Adoptivsohn Markus versucht eine Antwort: „Vater hat vor allem in den letzten Jahren schon sehr gesund gelebt: Fisch, Ginseng, Weizenkeime, kaum Alkohol, aber auch: er hat nie geraucht und nie Sport betrieben“. Seiner Gesundheit hätten wohl auch die vielen und monatelangen Aufenthalte auf Gran Canaria gut getan, wo er sich mit Gattin Irene gern zurückgezogen hat. Er konnte das guten Gewissens tun, wusste er doch seine Mühle mit Markus in besten Händen. Diese Mühle, die schon sein Vater Isidor als kleine Lohnmühle geführt hatte, war sein Um und Auf. Sie sollte die größte Mühle im Land werden, dann aber kam 1995 der EU-Beitritt. Die damit verbundene Aufhebung der Kontingentierung traf die Branche, deren Bundesinnungsmeister er bis dahin war, hart. Gab es nach dem Krieg noch 4000 Mühlen in Österreich, waren es zum EU-Beitritt nur noch 260, aktuell bestehen 98 Mühlen. Eine davon, die größte private Österreichs, steht und floriert in Grieskirchen und sie liefert Mehl bis Afrika, was den Seniorchef bis zuletzt freute, wie sich Sohn Markus erinnert: „eine seiner Standardfragen war, wie es mit Afrika gehe“. Im Betrieb legte Leopold großen Wert auf Höflichkeit. „Er achtete stets darauf, von allen gegrüßt zu werden“, wissen die Angestellten zu berichten: „Lieber dreimal am Tag ein lautes Grüß Gott, als ihn einmal zu übersehen“. So sehr sich Haberfellner mit Leib und Seele für den Ausbau und für die Interessen der Mühle einsetzte, so sehr war er zur Stelle, wenn er darüber hinaus gebraucht wurde. Zum Beispiel in der Gemeindepolitik, was Alt-LH Josef Pühringer in seiner Grabrede hervorheben wird: „30 Jahre Kommunalpolitik sind schon was, davon fünf Jahre Stadtrat und weitere fünf Jahre Vizebürgermeister und Finanzreferent. Haberfellner hatte Handschlagqualität, er war ein zielstrebiger und korrekter Partner“. Sein „offenes Ohr für die Anliegen seiner Branche und der Umgebung“ streicht auch Wirtschaftskammerpräsidentin Doris Hummer hervor und sie dürfte damit auch den Einsatz Haberfellners für das Rote Kreuz gemeint haben, dessen Bezirksstellenleiter er einst war. Unvergessen ist sein Einsatz für das 100-Jahr-Fest, dessen Erlös letztlich zum Bau der derzeitigen Einsatzzentrale geführt hat. „Er hat unsere Stadt geprägt, mit ihm ist einer der letzten ganz Großen gegangen, bedauert die Grieskirchner Bürgermeisterin Maria Pachner den Tod des Unternehmers. Ihr Vorgänger Wolfgang Großruck lobt dessen großzügige Haltung, um den auch „mindestens 10 Leute trauern, denen er sich als Firmgöd zur Verfügung gestellt hat“. Oder sein Herz für Uganda, wo seine Frau ein Schulprojekt tatkräftig unterstützt. Privat sei Haberfellner im Lauf der Jahre milder und ruhiger geworden. Gerne traf er sich mit Freunden im Lionsclub, „sein Wort hatte bei uns großes Gewicht“, erinnert sich Kollege Gerald Wildfellner. Im Familienkreis setzte er sich mit der Familie seines Adoptivsohnes Markus gerne zum Kartenspiel. „Vater sagte immer, er wäre zufrieden“, sagt Sohn Markus Haberfellner, was vielleicht das wichtigste Rezept für sein langes Leben gewesen sei.



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