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Leo Watzinger aus Leonding (1926 - 2019): Engagierter Kämpfer für soziale Gerechtigkeit

Der ehemalige Vizekanzler Hannes Androsch traf Leo Watzinger während eines Besuchs in der Voest auf dem falschen Fuß, als er ihn anherrschte: „hättens halt was gelernt!“ Watzinger hatte etwas gelernt, er war Schweißer, und ein besonders gefragter noch dazu. Darüber hinaus war der in Neumarkt geborene Mühlviertler ein Mensch, dem soziale Gerechtigkeit ein enorm tiefes Anliegen war, für das er zeitlebens kämpfte und vor niemandem zurückschreckte, auch nicht vor einem Vizekanzler. Diesem hatte er seinen Lohnzettel gezeigt und ihn als Schande bezeichnet, was Androsch zur erwähnten Bemerkung hingerissen hatte. Leo Watzinger war in der Betriebsgemeinde der Voest verwurzelt und dort eine wichtige Stütze des legendären Kaplans Hans Innerlohinger. Mit ihm gemeinsam vertrat er die These, niemand dürfe mehr als das zehn oder fünfzehnfache des kleinsten Arbeiters verdienen. In Neumarkt war Leo mit acht Geschwistern Sohn eines Kleinhäuslers aufgewachsen. Der Vater arbeitete als Steinmaurer, die Mutter war Taglöhnerin. Schon mit 15 kam Leo in die damaligen Hermann-Göhring-Werke und begann als Botenjunge. Inspiriert von der katholischen Soziallehre, die er in der Betriebsgemeinde aufsog, war er bald Ansprechpartner für viele Kollegen in sozialen Fragen. Der Leo half, wo er konnte. Für sich selbst lehnte er jegliche Beförderungen ab, um nur ja bei seinen Leuten bleiben zu können. Auch Betriebsrat wollte er nicht werden, um sich nicht mundtot machen zu lassen, wie er befürchtete. Für verstorbene Kollegen engagierte sich Watzinger vor mehr als 60 Jahren für die Gründung der legendären Kokerei-Messe. „Leo hatte einen auffälligen Buckel, er hatte aber trotzdem ein starkes Rückgrat“, sagt Hans Wührer, der nach Innerlohinger Voest-Pfarrer war, und: „er war ein prophetischer Kämpfer für die Sache der Arbeiter.“ Als einer der allerersten Oberösterreicher erhielt Watzinger für sein Engagement im Sinne der katholischen Soziallehre von Bischof Maximilian Aichern die päpstliche Auszeichnung „Pro Ecclesia et Pontifice“ verliehen. Als er 57 war, kam für Leo Watzinger der große Einschnitt: wie viele andere Voestler wurde er ganz gegen seinen Willen pensioniert. Anstatt in ein tiefes Loch zu fallen, begann er sich daheim in Leonding zu engagieren. „Ich weiß nicht, wieviele Tanks mein Vater geschweißt hat, bis er 85 war, hat er gearbeitet, sagt Tochter Marianne Matzka. Ihr Sohn Klaus erinnert sich an die vielen Übungsfahrten mit „Opas legendärem roten VW-Käfer“, aber auch an die „unglaublichen Zaubertricks oder die spannenden Erzählungen“, die Leo für seine beiden Enkel parat hatte. Gerne durchstreifte Watzinger mit seiner 2002 verstorbenen Gattin die Mühlviertler Wälder auf der Suche nach Heidelbeeren, die er danach unter Freunden großzügig verteilte. Ein Fixpunkt war für ihn fast bis zuletzt der Besuch der Kokereimesse. Seine Tochter betreute ihn, solange es ging, die beiden letzten Jahre verbrachte er im Seniorenheim.



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